Boys Club

The Blue Hour

The Blue Hour

Der eben auf DVD erschienene Film "The Blue Hour" der thailändischen Regisseurin Anucha Boonyawatana hält einige Überraschungen parat – nicht nur weil er ein (schwules) Thailand zeigt, das selbst der neugierige Tourist nur selten zu Gesicht bekommt, sondern vor allem weil das anfängliche Schmunzeln auf den Lippen über die süße Coming-out- und Liebesgeschichte bald einem vor Entsetzen weit geöffneten Mund weicht. Ein Cruising-, Liebes- und Coming-out-Film, die sich langsam aber sicher zu einem Geister- und Horrorfilm wandelt. Von Micha Schulze.
Kater

Kater

Szenen einer Beziehung zeichnet Händl Klaus in seinem zweiten Spielfilm nach, der sich zunächst wie eine Satire auf bürgerliche schwule (weiße, westliche, ...) Lebensmodelle anfühlt, so behaglich ist das gemeinsame Glück der musisch veranlagten Männer mit ihrer Hauskatze Moses ausbuchstabiert. Doch weder macht sich der neugierige Blick des Regisseurs über seine Figuren lustig, noch erscheint diese schwule Idylle ungefährdet. Die internationale Jury des Teddy-Awards, die „Kater“ als besten queeren Spielfilm des diesjährigen Berlinale-Programms auszeichnete, betonte sein „packendes“ und „verwirrendes“ Potential, das unser Autor zum einen auf seine großdimensionierte Symbolebene zurückführt, andererseits auf die Genauigkeit und Lässigkeit, die „Kater“ in Anlehnung an das „New Wave Queer Cinema“ findet. Ein faszinierender, schillernder Beziehungsfilm. Von Sebastian Markt.
Die Mitte der Welt

Die Mitte der Welt

Als Andreas Steinhöfels Jugendbuch "Die Mitte der Welt" 1998 in Deutschland herauskam, war es bahnbrechend: Endlich gab es da eine queere Hauptfigur, die nicht mehr mit dem eigenen Schwulsein haderte, kein angstbesetztes Coming-out durchleben musste und sich so richtig toll in einen anderen Typen verknallen durfte – natürlich nicht ohne dabei frei von Dämonen zu sein, aber die hatten eben nichts mehr mit der sexuellen Identität zu tun. Der Österreicher Jakob M. Erwa hat "Die Mitte der Welt" nun kongenial verfilmt und für Steinhöfels kunstvoll verschachteltes Familien- und Erweckungsdrama um Phil, seine introvertierte Zwillingsschwester Dianne und ihre herrlich durchgeknalle Mutter Glass wunderbare Darsteller*innen und traumhaft schöne Bilder gefunden. sissy nimmt den Filmstart zum Anlass für eine kleine Bestandsaufnahme von queeren Jugendbuchbestsellern und deren Verfilmungen. Denn unsere Welt hat unendlich viele Mitten. Von Natália Wiedmann.
Théo & Hugo

Théo & Hugo

Im Oktober erstrahlt die queerfilmnacht im tiefroten und -blauen Licht eines Pariser Sexclubs. Dort begegnen sich die Körper von Théo und Hugo. Ein erster Blick, und sie begehren nur noch einander. Nach dem Sex verlassen sie zusammen den Club, laufen einfach los, reden über die Schönheit von Penissen, den Rausch der Sinne, die große Liebe. Bis ein Detail alles durcheinander­ wirbelt... Der neue Film von Olivier Ducastel und Jacques Martineau („Felix“, 2000; „Mein wahres Leben in der Provinz“, 2002), der am 20. Oktober auch regulär im Kino startet, machte schon auf der Berlinale aufgrund seiner furiosen und expliziten 18-minütigen Eröffnungssequenz von sich reden, erhielt (nicht nur dafür) den Publikums-Teddy und wurde seitdem in Frankreich und Großbritannien als kleines Kinowunder gefeiert. Seine radikale Romantik macht „Théo & Hugo“ zu einem der aufregendsten queeren Liebesfilme seit Jahren. Von Carsten Moll.
Jonathan

Jonathan

In „Jonathan“ von Piotr J. Lewandowski wird Schwulsein als familiengeschichtlich begrabenes Geheimnis aufgedeckt. Diesen Job muss die Hauptfigur übernehmen, ein sich mit Haut und Haar dem Landleben verschreibender 23-Jähriger, dem Jannis Niewöhner eine intensive Präsenz verleiht. Mit einer queeren Perspektive hat das wenig zu tun, trotzdem gibt es Einiges anzuschauen, wenn man den Plot ein bisschen ausblendet. Von Jan Künemund.
Closet Monster

Closet Monster

Stephen Dunns Debütfilm „Closet Monster“ ist ein klassischer Coming-of-Age-and-Out-Film: er erzählt von einem Jungen, dessen Erkenntnis, anders zu sein, dazu führt, einen eigenen Weg aus ungesunden Familienstrukturen heraus zu finden. Aber „Closet Monster“ ist auch ein ungewöhnlicher Film: ungewöhnlich drastisch, ungewöhnlich blutig, ungewöhnlich deutlich. Teenage Angst und psychosomatischer Horror werden hier ausbuchstabiert, stellen sich aber nicht als lebensgefährlich heraus. Der jugendliche Held hat nämlich eine kreative Begabung – und einen Hamster namens Buffy, der sich mit Dämonen ganz gut auskennt. Von Jan Künemund.
Hara Kiri

Hara Kiri

Im Debüt des kubanisch-amerikanischen Regisseurs Henry Alberto fantasiert ein frisch verliebtes Skater-Paar vom gemeinsamen Suizid. Alberto brauchte dafür nur drei Drehtage und ließ seine Darsteller auf den Straßen von Santa Monica frei improvisieren. Das Ergebnis ist ein echter Indie-Indie: ein unpolierter Film, gegen den Larry Clark beinah wie Mainstream wirkt. sissy hat sich die subversive Mischung aus Sex, Gewalt und Todessehnsucht angesehen – und eine Beziehung entdeckt, die keine Grenzen kennt. Von Axel Schock.
4th Man Out

4th Man Out

Was passiert, wenn beste Freunde plötzlich einen Schwulen in ihrer Mitte haben? Andrew Nackmans „4th Man Out“ verpasst dem Buddy-Movie einen queeren Twist. SISSY nimmt die derbe Komödie zum Anlass, um einen Blick zurück in die Geschichte eines verrufenen Genres zu werfen: auf Freundschaftsbekundungen am Lagerfeuer, Schwulenwitze und eindeutige Untertöne. Von Axel Schock.
Like You Mean It

Like You Mean It

In seinem Regiedebüt „Like You Mean It“ erzählt der in Österreich geborene Filmemacher Philipp Karner nüchtern und undramatisch von der Lebens- und Liebeskrise eines erfolglosen Schauspielers in Hollywood – und wurde von der L.A. Times dafür mit Andrew Haigh („Weekend“) und Ira Sachs („Keep the Lights On“) verglichen. Auch bei Karner fehlen die einstigen Eckpfeiler schwuler Narrative wie Coming-out, HIV oder gesellschaftliche Diskriminierung; auch sein Film wird vor allem durch einen intimen Blick auf Beziehungsdynamiken strukturiert. Aber hält „Like You Mean It“ auch ansonsten dem Vergleich mit den Aushängeschildern des „New-Wave Queer Cinema“ stand? Von Carsten Moll.
Holding the Man

Holding the Man

Endlich hat auch Australien ein großes Period-Piece, das von den Folgen von HIV/AIDS in seinen ersten, verheerendsten Jahren erzählt. „Holding the Man“ basiert auf der gleichnamigen Autobiografie des Schauspielers, Autors und Aktivisten Timothy Conigrave, der 1994 im Alter von nur 34 Jahren an AIDS starb – zwei Jahre nach dem Tod seines langjährigen Partners John Caleo. Neil Armfields Adaption des Buchs ist nicht nur ein Zeitstück, sondern auch ein zeitloses Liebesdrama. Die persönliche Tragödie eines Paares wird darin zu einer politischen Geste, die zu Tränen rührt. Von Christian Weber.