Film

Viet und Nam

Viet und Nam

Vietnam 2001. Die jungen Bergleute Viet und Nam lieben sich. Die Kohle umschließt sie, staubig, nass. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Nams Vater, der im Krieg verschollen ist, und durchqueren das Land von Norden nach Süden. Trương Minh Quý erzählt in „Viet und Nam“ die Geschichte einer Liebe, die von den Geistern der Vergangenheit begleitet wird – mit Bildern von einer unermesslich poetischen Kraft. Sissy-Autor Andreas Köhnemann ist hingerissen von lauter filmischen Augenblicken, die in den „zukünftigen Kanon der schönsten Momente des queeren Kinos“ gehören.
The Hours (2002)

The Hours (2002)

Drei Frauen in drei verschiedenen Epochen, verbunden über den Roman „Mrs. Dalloway“, hadern mit ihren Lebensentwürfen und kämpfen um ihren Lebenswillen: Stephen Daldrys Literaturverfilmung „The Hours“ aus dem Jahr 2002 gilt als Gipfel des edlen Arthouse-Mainstream-Kinos – mit drei Hauptdarstellerinnen, die zu den besten Schauspielerinnen aller Zeiten zählen; nach einer Bestsellervorlage mit dem Ruf der Unverfilmbarkeit; überhäuft mit unzähligen Preisen und Auszeichnungen. Tatsächlich ist der Film ein echtes „Kinowunder“, schreibt Andreas Köhnemann. Und vor allem: „ein Faszinosum mit bemerkenswerter queerer Sensibilität“.
Tropical Malady (2004)

Tropical Malady (2004)

Ein Soldat verliebt sich in Thailand in einen Jungen aus der Provinz und schafft es tatsächlich, seine Gunst zu gewinnen. Doch dann verschwindet der Junge in der Dunkelheit – und ein ganz neuer Film scheint zu beginnen, der den Soldaten in die Tiefen des Dschungels und in mystische Tierwelten führt. Mit seinem lyrischen, lustvoll geheimnisvollen Film „Tropical Malady“ etablierte sich der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul im Jahr 2004 als Großmeister des internationalen Arthouse-Kinos. Das rätselhafte Kinoerlebnis gewann den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes, die Zeit feierte den Film als „Sensation des Kinos“, er schaffte es in die Sight-and-Sound-Liste der größten Filme aller Zeiten. Jochen Werner über ein „hypnotisches Meisterwerk“.
Aimée & Jaguar (1999)

Aimée & Jaguar (1999)

Im faschistischen Deutschland von 1943 finden zwei Frauen zueinander: die jüdische Widerstandskämpferin Felice und die angepasste Mutterkreuzträgerin Lilly. Eine Liebesbeziehung, die kaum vorstellbar scheint und doch historisch belegt ist. Max Färberböcks Verfilmung von Erica Fischers dokumentarisch-literarischer Vorlage „Aimée & Jaguar“ eröffnete 1999 die Berlinale und wurde danach schnell zum Sensationserfolg. Und hat auch heute nichts von ihrer Kraft verloren. Der Film habe „eine Zärtlichkeit von jener Sorte, die das Kino zwischen zwei Frauen selten zeigt“, schreibt Arabella Wintermayr: „warm und lustvoll zugleich, tastend und gleichzeitig voller Dringlichkeit“.
Ein Virus kennt keine Moral (1985)

Ein Virus kennt keine Moral (1985)

Rosa von Praunheims 1985 produzierter Spielfilm „Ein Virus kennt keine Moral“ war einer der ersten überhaupt, der die damals noch neue Krankheit Aids thematisierte. Den Ängsten und der Hysterie begegnet er mit schwarzem Humor und einer makabren Revue. Ganz anders seine Dokumentarfilm-Trilogie, in der von Praunheim fünf Jahre später den politischen und künstlerischen Aktivismus im Zeichen von Aids zu beleuchten versucht – und vor allem im letzten Teil „Feuer unterm Arsch“ zum zornigen Moralprediger wird, der staatliche Repression fordert. Eine Rolle, die ihm weit weniger gut stand, wie sissy-Autor Axel Schock schreibt. 
Vier Mütter für Edward

Vier Mütter für Edward

Frei nach dem italienischen Erfolgsfilm „Ein Festmahl im August“ wird in „Vier Mütter für Edward“ ein netter schwuler Jugendbuchautor erst zum Pfleger seiner eigenen Mutter und hat plötzlich ein ganzes Mütterquartett im Haus. Die stellen allerlei amüsanten Unfug an, sorgen aber auch für viele berührende, wahrhaftige Momente. Ein entspannter, großherziger Film, der „wie eine in Watte gepackte Screwball Comedy“ daherkommt, schreibt sissy-Autor Christian Horn.
The Rocky Horror Picture Show (1975)

The Rocky Horror Picture Show (1975)

50 Jahre queerer Kult: 1975 kam „The Rocky Horror Picture Show“ in die Kinos dieser Welt – und kaum jemand wollte das sehen. Über die Jahre wurde der Film zum Kult, zum Klassiker, zur Legende. Was als wilde Hommage an B-Movies gedacht war, wurde zu einem Symbol der Freiheit, des Andersseins und der queeren Selbstermächtigung. Mit Netzstrümpfen, Lippenstift und mitreißender Rock-'n'-Roll-Attitüde sprengte der Film Genregrenzen und gesellschaftliche Normen. Und ermutigte Generationen dazu, Träume Wirklichkeit werden zu lassen: „Don't dream it – be it“. Maximiliam Breckwoldt über einen „geradezu körperlich gewordenen Film, der die klassische Anordnung des Kinos aufbricht und es einem erlaubt, Teil des Geschehens zu werden“.
Drama Queens

Drama Queens

Liebe! Ruhm! Klassenkampf! So ließe sich „Drama Queens“ von Alexis Langlois in drei Worten zusammenfassen. Doch dieses Langfilmdebüt ist mehr: ein Glitterpop-Märchen mit Sommerhit-Soundtrack; ein bisslustiges Musical; eine Feier aller missverstandenen Popdiven. Ziemlich wild und kompromisslos queer geht es hier zu. Oder, wie sissy-Autor Andreas Köhnemann es ausdrückt: „laut und romantisch, kinky und süß, over the top und voller Wahrhaftigkeit“. Stimmt alles. Und ist im Juli im Rahmen der Queerfilmnacht in mehr als 40 Städten in Deutschland und in Österreich zu sehen. Danach startet der Film offiziell in ausgewählten Kinos.
The Watermelon Woman (1996)

The Watermelon Woman (1996)

In Cheryl Dunyes semi-autobiografischer Mockumentary „The Watermelon Woman“ forscht eine Schwarze, lesbische Filmemacherin – ebenfalls Cheryl – einer vergessenen Schwarzen Schauspielerin aus den 1930er-Jahren hinterher. Während ihrer Recherche reflektiert sie Themen wie Rassismus, lesbische Identität und filmische Repräsentation. Als feministische Antwort auf Mario van Peebles legendäre Blaxploitation-Satire „The Watermelon Man“ ist Dunyes Langfilmdebüt selbst zum Meilenstein des New Queer Cinema geworden. Ein Film, der dazu aufruft, „sich leidenschaftlich dem Zuhören, Erzählen und Fabulieren von Geschichten hinzugeben“, schreibt sissy-Autorin Anne Küper. Dunye erfinde sich selbst – und dabei das, was Kino sein könnte.
Taxi zum Klo (1980)

Taxi zum Klo (1980)

Bei seiner Erstveröffentlichung vor 45 Jahren löste Frank Ripplohs „Taxi zum Klo“ einen Skandal aus: Für einen Film über einen offen schwulen Lehrer aus West-Berlin und dessen sexuelle Abenteuer waren viele in der braven Bundesrepublik nicht bereit. Doch kurz darauf wurde Ripploh sensationell mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Philipp Stadelmaier über einen Film, der heute zurecht als Meilenstein des nicht-heteronormativen Kinos aus Deutschland gilt, weil er in seiner Darstellung einer souveränen schwulen Hauptfigur der Zeit weit voraus war. Und dabei seine wunderbare Zweideutigkeit nie versteckt.