Film

Saint-Narcisse

Saint-Narcisse

Jetzt im Kino: In seinem neuen Film „Saint-Narcisse“ interpretiert der kanadische Kultregisseur Bruce LaBruce („Otto; or, Up with Dead People“) den alten Mythos von Narziss als queere Selbstfindungsgeschichte. Im Mittelpunkt steht der umwerfend aussehende Dominic, der Anfang der 1970er Jahre nicht nur seine tot geglaubte Mutter, sondern auch seinen Zwillingsbruder kennenlernt. Christian Horn über ein filmisches Vergnügen voller Genrezitate.
Das Mädchen und die Spinne

Das Mädchen und die Spinne

Lisa zieht aus, Mara bleibt zurück. Während Kisten geschleppt, Wände gestrichen und Schränke aufgebaut werden, tun sich Abgründe auf, und ein Begehrenskarussell nimmt immer mehr Fahrt auf. Auch in ihrem neuen Film komponieren die Schweizer Zwillingsbrüder Ramon und Silvan Zürcher ("Das merkwürdige Kätzchen") ein poetisches Panoptikum menschlicher Beziehungsformen. Ab jetzt gibt es den tragikomischen Katastrophenfilm "Das Mädchen und die Spinne" als DVD und VoD; parallel zum Kinostart ist ein Buch zum Film erschienen, bestehend aus Drehbuch, Essays, Making-of-Fotos, Filmstills und Zeichnungen. Cosima Lutz hat einen Text zum Band beigesteuert. Ihre Reflexion über Doppelgänger, komplizierte Liebe und Trennungsschmerz gibt es auch hier zu lesen.
Paragraph 175

Paragraph 175

Zwei Filme, ein Thema: Anlässlich des Kinostarts von „Große Freiheit“ kommt im Salzgeber Club der preisgekrönte Dokumentarfilm „Paragraph 175“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman („The Celluloid Closet“) neu als VoD heraus. Das Regie-Duo zeichnet darin das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich nach – einer lange Zeit vergessenen Opfergruppe. Für Christian Lütjens funktioniert der Film sowohl als Ergänzungs- wie als Gegenprogramm zum Kinobesuch.
Große Freiheit

Große Freiheit

Hans Hoffmann liebt Männer, doch das ist im Deutschland der Nachkriegszeit, in dem noch immer der Paragraph 175 in Kraft ist, verboten. Immer wieder landet Hans im Gefängnis – und trifft dort regelmäßig auf Viktor, einen verurteilten Mörder. Aus der anfänglichen Abneigung wird über die Jahre gegenseitiger Respekt. Oder ist es sogar mehr? „Große Freiheit“ des österreichischen Regisseurs Sebastian Meise wurde in Cannes mit dem Jurypreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet, zahlreiche weitere Preise und Nominierungen (unter anderem für vier Europäische Filmpreise) folgten. Für Matthias Frings ist das historische Gefängnisdrama großes Kino, insbesondere dank seiner beiden famosen Hauptdarsteller Franz Rogowski und Georg Friedrich.
Bare

Bare

Für sein neues Stück sucht der belgische Star-Choreograf Thierry Smits elf nackte Tänzer. Nach einem intensiven Casting ist die Besetzung gefunden. Mit präzisem, aber nie voyeuristischem Blick beobachtet Regisseur Aleksandr M. Vinogradov den leidenschaftlichen Probenprozess. Atemberaubende Tanzsequenzen wechseln sich mit persönlichen Momenten jenseits der Bühne ab, in denen die Tänzer offen über sich erzählen. Axel Schock über einen intimen Film, der den nackten Körper als letzte Bastion der Freiheit bloßlegt – und den es jetzt im Salzgeber Club zu sehen gibt.
Ammonite

Ammonite

Nachdem der Kinostart mehrfach verschoben werden musste, hat das Warten nun ein Ende: Ab 4. November ist das historische Liebesdrama „Ammonite“ mit Kate Winslet und Saoirse Ronan regulär auf der großen Leinwand zu sehen. Im Nachfolger seines rauen schwulen Liebesfilms „God’s Own Country“ erzählt Francis Lee von einer leidenschaftlichen lesbischen Beziehung im England Mitte des 19. Jahrhunderts: zwischen der Fossiliensammlerin Mary (Winslet) und der jungen Ehefrau Charlotte (Ronan). Der Film wirft damit ein neues Licht auf die bekannte britische Paläontologin Mary Anning und lässt sie ein Begehren ausleben, das ihr die offizielle Geschichtsschreibung nie zugestand. Beatrice Behn über das spannende Unterfangen, sich aus einer historischen Versteinerung zu lösen.
Tiny Tim

Tiny Tim

Genie, Freak, Superstar. Tiny Tim (1932–1996) ist eine der skurrilsten Figuren der Musikgeschichte. Mit Ukulele und Falsetto-Gesang erobert er die Konzertbühnen der USA. Seine schräge Cover-Version von „Tip Toe Through the Tulips“ wird ein Megahit – und doch von vielen nur verlacht. Er spielt in der Royal Albert Hall, seine Hochzeit sehen über 45 Millionen Zuschauer:innen im Fernsehen, unter Musikern wird Tiny Tim verehrt, er arbeitet mit Jimi Hendrix und den Beatles – und Bob Dylan ist bis heute Fan. Liebevoll zeichnet Regisseur Johan von Sydow in „Tiny Tim“ das Leben eines wunderbar-campen Künstlers nach, der Frauen und Männer liebte und mit seiner queeren Persona zwischen allen Polen changierte. Christian Horn über ein faszinierendes Porträt voller Melancholie, das es jetzt im Salzgeber Club und auf DVD zu sehen gibt.
Der Diener

Der Diener

Joseph Loseys „Der Diener“ aus dem Jahr 1963 gilt als meisterhaftes Kammerspiel der homoerotischen Subtexte und kühner Klassiker des queeren Kinos. Dirk Bogarde brilliert darin als  höchstkultivierter Diener Barrett, der den neuen Haushalt des Playboys Tony leitet. Barretts zunächst ehrfürchtig-devotes Verhalten gerät dabei immer weiter in Schieflage, bis die Rollen von Herr und Diener gänzlich zu kippen drohen. Anlässlich der Veröffentlichung der restaurierten Fassung des Films auf DVD und BluRay schreibt Fritz Göttler über die vielen Ebenen der sehr britischen Studie über Macht und Männlichkeiten.
Young Hunter

Young Hunter

Ezequiel ist 15 und hat einen Monat lang sturmfrei. Die perfekte Gelegenheit, um den etwa älteren Mono vom Skatepark zum „Chillen“ an den elterlichen Swimming-Pool einzuladen. Aber Mono spielt ein doppeltes Spiel – und droht Ezequiel in eine gefährliche Welt hineinzuziehen. Der argentinische Regisseur Marco Berger („Taekwondo“, „Der Blonde“) ist eigentlich spezialisiert auf voyeuristisch anmutende Studien südamerikanischer Männlichkeit. In „Young Hunter“, den es jetzt im Salzgeber Club und auf DVD gibt, bettet er seine Erzählung vom sexuellen Erwachen eines Teenagers nun in eine Thriller-Handlung ein. Stefan Hochgesand über Dates am Pool, werwölfische Begegnungen und einen wendungsreichen Film.
Ellie & Abbie

Ellie & Abbie

Die 17-jährige Ellie ist super smart und total verknallt in ihre Mitschülerin Abbie. Für den Abschlussball will sie sich endlich ein Herz fassen und ihren Schwarm zum Date einladen. Dann steht plötzlich ihre längst verstorbene Tante Tara vor ihr. Als lesbische Aktivistin der 1980er Jahre hat die natürlich einiges zum Fall beizutragen. Mit ihrer geisterhaften Liebespatin wagt Ellie den nächsten Schritt… „Ellie & Abbie“ gibt es ab jetzt im Salzgeber Club zu sehen. Mit dem Traumpaar Sophie Hawkshaw und Zoe Terakes erzählt Regisseurin Monica Zanetti nicht nur von einer schaurig-schönen ersten Liebe an einer australischen Highschool, sondern auch von den Errungenschaften im Kampf um nicht-heterosexuelle Selbstermächtigung. Angelika Nguyen über einen vielseitigen Film, der mit feinem Gefühl Love Story, Enthüllungsdrama und Ermittlungskrimi kombiniert.