Classics

Boom! (1968)

Boom! (1968)

Elizabeth Taylor als überlebensgroße, aber sterbende Superdiva auf einer einsamen italienischen Insel: Joseph Loseys Tennessee-Williams-Verfilmung „Boom!“ aus dem Jahr 1968 gilt zwar als einer der großen finanziellen Flops der Filmgeschichte, hat aber heute eine ergebene, vor allem queere Fangemeinde. Denn wer sich fragt, was der Begriff „camp“ eigentlich bedeutet, findet hier Antworten. Michael Kienzl über einen faszinierenden, sonderbaren Klassiker, dessen maßlose Schönheit auch im Scheitern steckt.
Safe (1995)

Safe (1995)

Aids-Metapher, feministisches Gegenkino, Pathogen-Thriller: Seit seiner Premiere im Jahr 1995 wird „Safe“ vom New-Queer-Cinema Wegbereiter Todd Haynes mit Leidenschaft analysiert und gedeutet. Fest steht: Der Film ist ein hermetisch verriegeltes Außenseiter:innen-Porträt, das um ein nicht greifbares Geheimnis kreist – und um eine Hauptfigur, die erst in totaler Isolation zur Selbstbestimmung findet. Maximilian Breckwoldt über einen Film, der Erlösung darin sieht, sich von den Erwartungen anderer zu befreien. Auch von denen des Publikums.
Caravaggio (1986)

Caravaggio (1986)

Mit „Caravaggio“ verfilmte der englische Regisseur und Künstler Derek Jarman kongenial das Leben des berüchtigten Renaissance-Malers und übertrug dessen Bildsprache in ein aufregendes Filmporträt, das mittlerweile zu den Klassikern des europäischen Kinos gehört. Das einzigartige Biopic wurde 1986 auf der Berlinale uraufgeführt und ist bis heute einer der wirklich großen Filme über Kunst und Malerei. Stefan Hochgesand über Love, Crime, Showdowns und Revolution.
Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein kleiner, billiger, schmutziger Film und zugleich ein großer Klage- und Trauergesang: Mit „In einem Jahr mit 13 Monden“ über den Passionsweg der glücklosen Elvira Weishaupt hat Rainer Werner Fassbinder 1978 seinen persönlichsten und erschreckendsten Film gedreht – und einen tief verzweifelten. Andreas Wilink über „eine Ballade, die von Brecht so viel weiß wie von Johann Sebastian Bach“.
My Private Idaho (1991)

My Private Idaho (1991)

Gus Van Sants dritter Film „My Private Idaho“ feierte seine Premiere 1991 bei der Berlinale – und wurde für viele Schwule zum Schlüsselfilm für die eigene Identitätsfindung. Bis heute gilt der Film als Meilenstein des New Queer Cinema. Matthias Frings hat ihn sich noch einmal angesehen und findet, der Film habe nichts von seinem Glanz verloren. Schon die Atmosphäre sei in ihrer lyrisch-verpeilten Traumverlorenheit einzigartig: „als habe jemand ein Märchen der Schauerromantik mit einem Drogen-Roadmovie gekreuzt“.
North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

Ein schwuler Dichter reist mit seinem Cabrio von New York nach Westen. Auf dem Weg nimmt er einen muskelbepackten Matrosen mit, später steigt eine Kellnerin zu. Der Dichter ist scharf auf den Matrosen, der Matrose auf die Kellnerin, die Kellnerin auf den Dichter. Constantine Giannaris’ Road Movie „North of Vortex“ aus dem Jahr 1991 fasziniert mit traumhaften Schwarz-Weiß-Bildern und queerer Beatnik-Romantik – am besten im Doppelpack zu genießen mit Giannaris’ kurzem, futuristischem Nachfolgefilm „Caught Looking“. Michael Kienzl über zwei wiederentdeckte queere Klassiker voller rauer Poesie und unerfüllter Sehnsucht.
Indian Summer (1996)

Indian Summer (1996)

London, Mitte der 1990er. Tonio ist der Startänzer in seinem Ballett-Ensemble – und HIV-positiv. Für ihn ist klar, dass er bald im Tänzerhimmel landen wird, doch bis dahin will er seine Zeit auskosten. Keine Frage, dass er im neuen Prestigestück der Gruppe die Hauptrolle übernimmt. Und dann tritt Jack in sein Leben – ein ruhiger Typ mit leichtem Übergewicht und großem Herzen. „Indian Summer“ (1996) von Regisseurin Nancy Meckler und Drehbuchautor Martin Sherman ist ein Klassiker über Lebensfreude und Mut im Umgang mit Aids. Axel Schock über eine klug und genau beobachtete Beziehungsstudie, die Aspekte der Aids-Krise ausleuchtet, die sonst in Filmen meist vernachlässigt werden.
Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Sie sind rätselhaft, provokant, rauschhaft, queer und anarchistisch, mit einem Faible für Mythologie, Okkultismus und Gegenkultur: Mit seinen neun Kurzfilmen des „Magick Lantern Cycle“ (1947 bis 1980) wurde Kenneth Anger zum Monumentalfilm-Regisseur des experimentellen Kinos. Michael Kienzl über einen legendären Filmemacher, der die Lust feierte und gleichzeitig ihre Abgründe erforschte.
Die Jungfrauenmaschine (1988)

Die Jungfrauenmaschine (1988)

„Filme wie der von Monika Treut vernichten das Kino“, schrieb 1988 die ZEIT. Gemeint war „Die Jungfrauenmaschine“, der heute natürlich völlig zu Recht als Klassiker des lesbischen Kinos aus Deutschland gilt – und im April in der Queerfilmnacht auf die große Leinwand zurückkehrt. Der Film erzählt von Dorothee Müller, einer jungen, naiven Hamburger Journalistin, die sich an eine Untersuchung über romantische Liebe macht und für belastbare Antworten bis ins abenteuerliche San Francisco reisen muss. Anne Küper folgt dem Film und seiner Regisseurin auf ihrer lustvollen Entdeckungstour, deren Ursprung auch viel über die engen sexuellen Grenzen im Deutschland der 1980er erzählt, und erkundet Treuts bahnbrechendes queeres Bastel-Prinzip.
Cabaret (1972)

Cabaret (1972)

Schmierereien an Hauswänden, zunehmende antisemitische Gewalt und Verschwörungstheorien im direkten Umfeld der Hauptfiguren: Gegen all das feiert Sally Bowles in Bob Fosses Verfilmung von Christopher Isherwoods Roman „Cabaret“ an, um die hässliche Wahrheit noch für eine Weile zu verdrängen. Andreas Köhnemann über einen Klassiker, der so lebenslustig wie finster ist – und dessen queeren Geist auch Hollywood nicht austreiben konnte.