Classics

Auf dem Weg zur queeren Utopie

Auf dem Weg zur queeren Utopie

Einen Essay über ihre Wünsche ans queere Kino hatte Anne Küper im Sinn – und landete dabei auf den Spuren von 50 Jahren queerer Berliner Kulturgeschichte, angeleitet von einem nicht-heteronormativen Fan-Schal und dem legendären Reiseführer „Berlin von hinten“. Ihre Reise führte sie zu Bars wie dem Bull und dem Ficken 3000; zu Film-Ikonen wie Rosa von Praunheim und Manfred Salzgeber, Künstler:innen wie Suleika Aldini und Klaus Nomi; Institutionen wie dem Schwulen Museum und dem Chez Nous. Und zur Erkenntnis, dass das queere Kino weder neue Meisterwerke noch neue Held:innen braucht – „sondern ein Verständnis für diejenigen, die vor uns waren“.
Der Traum vom New Queer Cinema

Der Traum vom New Queer Cinema

Seit seiner Studienzeit ab den späten 1980er Jahren in Hamburg beschäftigt sich der Medienwissenschaftler und Autor Peter Rehberg mit dem New Queer Cinema – und damit, wie an den Universitäten darüber nachgedacht wurde und wird. Hier blickt er darauf zurück, wie sich die Studierenden in Hamburg einst ihre Queer Film Studies selbst erschlossen haben und dafür kurzerhand ein eigenes Festival gründeten. Heute lehrt Rehberg in den USA – und fragt sich, wie viele Gedanken sich die Student:innen heute über das queere Kino machen.
Das lesbische Kino und die Geschichte eines lange verkannten Begehrens

Das lesbische Kino und die Geschichte eines lange verkannten Begehrens

Warum war es für lesbisches Kino immer so schwer, kulturelle Resonanz zu erzeugen? Von Beginn an war es Teil des Kinos, und doch blieb lesbisches Begehren seltsam zahm, im Sichtbaren verborgen und erzählerisch entschärft. Arabella Wintermayr blickt auf die Gründe und Folgen dieser Ordnung – und warum sie sich gerade im Wandel befindet.
Madame X – Eine absolute Herrscherin (1978)

Madame X – Eine absolute Herrscherin (1978)

Die Handlung von „Madame X – Eine absolute Herrscherin“ beginnt mit einem mythischen, unwiderstehlichen Ruf: Die Piratin Madame X, verkörpert von Tabea Blumenschein, lädt Frauen weltweit ein, ihre bürgerliche Enge gegen ein Leben voller „Gold, Liebe und Abenteuer“ zu tauschen. Wer könnte da nein sagen? Mit ihrem Spielfilmdebüt schuf Ulrike Ottinger 1978 ein radikales Manifest des queeren, feministischen Kinos, dessen anarchischer Geist bis in die Gegenwart wirkt – und sehr wahrscheinlich weit darüber hinaus. Im 100. Teil und Abschluss der Artikelserie „Queer Cinema Classics“ nähert sich Toby Ashraf dem Film, wie es ihm besser kaum gerecht werden könnte: in Form einer fiktiven Podiumsdiskussion, deren Moderatorin kurzfristig abgesagt hat.
Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971)

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971)

Rosa von Praunheim ist tot, doch sein Werk bleibt unsterblich. Der wohl prägendste seiner unzähligen Filme ist einer seiner frühesten: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aus dem Jahr 1971 gilt als einer der essenziellen Auslöser und Wegbereiter der frühen politischen Schwulen- und Lesbenbewegung. Der Film war und ist ein Manifest – ein lauter Aufruf, sich zu politisieren und sich nicht von konservativen Spießern vereinnahmen zu lassen. Eine Würdigung von Dietrich Kuhlbrodt.
A Single Man (2009)

A Single Man (2009)

So glamourös kann Sterben aussehen: In seinem Regiedebüt „A Single Man“ inszeniert die Design-Ikone Tom Ford den letzten Tag im Leben eines trauernden schwulen Literaturprofessors als sehnsüchtigen Bildertraum in ästhetischer Perfektion, weit weniger nüchtern erzählt als in der Romanvorlage von Christopher Isherwood. Andreas Wilink über einen Film, der im Schönen bereits den Schatten seines Schwindens sieht.
Boom! (1968)

Boom! (1968)

Elizabeth Taylor als überlebensgroße, aber sterbende Superdiva auf einer einsamen italienischen Insel: Joseph Loseys Tennessee-Williams-Verfilmung „Boom!“ aus dem Jahr 1968 gilt zwar als einer der großen finanziellen Flops der Filmgeschichte, hat aber heute eine ergebene, vor allem queere Fangemeinde. Denn wer sich fragt, was der Begriff „camp“ eigentlich bedeutet, findet hier Antworten. Michael Kienzl über einen faszinierenden, sonderbaren Klassiker, dessen maßlose Schönheit auch im Scheitern steckt.
Safe (1995)

Safe (1995)

Aids-Metapher, feministisches Gegenkino, Pathogen-Thriller: Seit seiner Premiere im Jahr 1995 wird „Safe“ vom New-Queer-Cinema Wegbereiter Todd Haynes mit Leidenschaft analysiert und gedeutet. Fest steht: Der Film ist ein hermetisch verriegeltes Außenseiter:innen-Porträt, das um ein nicht greifbares Geheimnis kreist – und um eine Hauptfigur, die erst in totaler Isolation zur Selbstbestimmung findet. Maximilian Breckwoldt über einen Film, der Erlösung darin sieht, sich von den Erwartungen anderer zu befreien. Auch von denen des Publikums.
Caravaggio (1986)

Caravaggio (1986)

Mit „Caravaggio“ verfilmte der englische Regisseur und Künstler Derek Jarman kongenial das Leben des berüchtigten Renaissance-Malers und übertrug dessen Bildsprache in ein aufregendes Filmporträt, das mittlerweile zu den Klassikern des europäischen Kinos gehört. Das einzigartige Biopic wurde 1986 auf der Berlinale uraufgeführt und ist bis heute einer der wirklich großen Filme über Kunst und Malerei. Stefan Hochgesand über Love, Crime, Showdowns und Revolution.
Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein einem Jahr mit 13 Monden (1978)

Ein kleiner, billiger, schmutziger Film und zugleich ein großer Klage- und Trauergesang: Mit „In einem Jahr mit 13 Monden“ über den Passionsweg der glücklosen Elvira Weishaupt hat Rainer Werner Fassbinder 1978 seinen persönlichsten und erschreckendsten Film gedreht – und einen tief verzweifelten. Andreas Wilink über „eine Ballade, die von Brecht so viel weiß wie von Johann Sebastian Bach“.