Im Kino

Night Stage

Night Stage

Am Tag spielen sie ihre Rolle, bei Nacht sind sie ganz sie selbst: Der Schauspieler Matias und der Politiker Rafael aus Porto Alegre möchten ihre Affäre geheim halten, doch sie teilen eine Leidenschaft für nächtlichen Sex in der Öffentlichkeit. Damit bringen beide ihre Karriere in Gefahr – und bald ihr Leben. „Night Stage“ von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher ist ein wilder, queerer Psychothriller, irgendwo zwischen De Palma, Verhoeven und Almodóvar. Janick Nolting über einen Film, der im sexuellen Akt immer das Erhabene und das Rebellische sucht.
Little Trouble Girls

Little Trouble Girls

Für ihre Kurzfilme wurde die slowenische Regisseurin Urška Djukić unter anderem mit dem Europäischen Filmpries ausgezeichnet, jetzt legt sie mit „Little Trouble Girls“ ihr Langfilmdebüt vor: Im katholischen Mädchenchor freundet sich die introvertierte Lucija mit der selbstbewussten Ana Maria an – und entdeckt beim Probenwochenende in einem italienischen Kloster ganz unbekannte Empfindungen. Esther Buss über die Geschichte eines sexuellen Erwachens, für die Djukić so empfindsame wie sinnliche Bilder findet.
Lesbian Space Princess

Lesbian Space Princess

Knallbunt, euphorisch, kompromisslos queer: Der Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ des australischen Regie-Duos Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ist ein mitreißender intergalaktischer Selbstfindungstrip mit großem Herzen und Lust auf Krawall, irgendwo zwischen wilder Sci-Fi-Musical-Komödie und heilsamer Coming-of-Age-Abenteuerreise. Dafür gab es auf der Berlinale 2025 den Teddy-Award. Anne Küper über eine spaßig-schnelle Space Opera aus der Zukunft mit vielen politischen Bemerkungen über eine wenig spaßige Gegenwart.
Queerpanorama

Queerpanorama

In „Queerpanorama“ von Jun Li lässt sich ein schwuler Mann durch die Apartmentkomplexe Hongkongs treiben, von einem Sex-Date zum nächsten – und immer nimmt er dabei eine neue Identität an. Manchmal entsteht für einen Moment echte Intimität. Andere Male wird es hässlich. Jedes Mal studiert er sein Gegenüber genau und imitiert dessen Persönlichkeit beim nächsten Date. So ist er Schauspieler, Wissenschaftler, Architekt, Lieferant, Lehrer – und immer auf der Suche. Andreas Köhnemann über einen sinnlichen, abgründigen Film, der in faszinierend schönen Bildern über schwule Dating-Kultur philosophiert.
Dreamers

Dreamers

„Dreamers“ rückt das Schicksal zweier Frauen in den Fokus, die gemeinsam den entmenschlichenden Prozessen des britischen Einwanderungssystems trotzen. Dabei konzentriert sich Regisseurin Joy Gharoro-Akpojotor „auf die individuellen Schicksale ihrer Figuren, ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen, und nimmt damit der kollektivierenden Sprache der Politik und Medien den Wind aus den Segeln, in der „die ,Migrant:innen‘, ,die Asylbewerber:innen‘ oftmals zu einer amorphen Masse verschwimmen.“ Anja Kümmel über einen Film, der im festen Glauben an die Freiheit und die Liebe enstand.
Peter Hujar’s Day

Peter Hujar’s Day

Im Jahr 1974 traf sich der schwule Fotograf Peter Hujar in New York mit seiner Freundin Linda Rosenkrantz, um ihr für ein Kunstprojekt von seinem Tag zu erzählen. Aus dem Projekt ist nie etwas geworden, doch die Abschrift des Gesprächs hat Ira Sachs („Passages“) nun in den Film „Peter Hujar's Day“ verwandelt: ein intensives und gleichzeitig leichtfüßiges Kinoerlebnis, das nicht nur den viel zu früh verstorbenen Peter Hujar feiert – sondern auch die Freundschaft und die Kunst. Ein wunderbar intimer Film, der mit seiner unverstellten, faszinierenden Alltaäglichkeit ganz bei sich ist, findet Christian Horn.
Sauna

Sauna

Nicht fit, nicht weiß, nicht männlich genug für den schwulen Sex-Club? Mathias Broes Debüt „Sauna“ ist ein lustvoller Film über Männer, die Männer lieben – und rechnet gleichzeitig mit einer schwulen Dating-Kultur ab, die manche Männer ausschließt. Für Andreas Köhnemann ist „Sauna“ ein Film, der das Unbequeme nicht verschweigt, aber nie die Hoffnung aufgibt: feinfühlig, sexy und eine große Feier von intimen Verbindungen. Denn die entstehen immer dann, wenn Menschen sich frei machen vom Blick der anderen.
Queerfilmfestival 2025

Queerfilmfestival 2025

Am 4. September startet in elf Städten das siebte Queerfilmfestival und lädt ein zur queeren Abenteurerreise um die Welt, mit Geschichten aus den Communities, für die Communities. Gezeigt werden 18 Filme in sieben Tagen, von einer bunt-krawalligen lesbischen Weltraumsaga aus Australien über eine genderfluide Rückkehr in die ostdeutsche Provinz bis zum schwulen Neo-Noir-Thriller aus Brasilien. Jojo Streb verschafft einen Überblick.
Drei Kilometer bis zum Ende der Welt

Drei Kilometer bis zum Ende der Welt

Im Coming-of-Age-Thriller „Drei Kilometer bis zum Ende der Welt“ muss ein Teenager in einem rumänischen Dorf den Widerstand von Familie, Kirche und Staatsgewalt überwinden, um frei leben zu können. Regisseur Emanuel Pârvu prangert neben immer noch alltäglicher Homophobie auch staatliche Korruption und religiösen Fanatismus an – und stellt deren zersetzende Kraft der atemberaubend schönen Natur des rumänischen Donaudeltas entgegen. Ab Anfang  September laufen Previews in der Queerfilmnacht, vor dem Kinostart am 25. September. Esther Buss über ein messerscharf inszeniertes Drama und aufwühlendes Filmerlebnis.
Viet und Nam

Viet und Nam

Vietnam 2001. Die jungen Bergleute Viet und Nam lieben sich. Die Kohle umschließt sie, staubig, nass. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Nams Vater, der im Krieg verschollen ist, und durchqueren das Land von Norden nach Süden. Trương Minh Quý erzählt in „Viet und Nam“ die Geschichte einer Liebe, die von den Geistern der Vergangenheit begleitet wird – mit Bildern von einer unermesslich poetischen Kraft. Sissy-Autor Andreas Köhnemann ist hingerissen von lauter filmischen Augenblicken, die in den „zukünftigen Kanon der schönsten Momente des queeren Kinos“ gehören.