Im Kino

Love Me Tender

Love Me Tender

Nach dem gleichnamigen Bestseller von Constance Debré erzählt „Love Me Tender“ von Anna Cazenave Cambet von einer früheren Anwältin, die nach ihrem Outing als lesbische Frau um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft – und dabei ihren Wunsch nach Freiheit mit den Erwartungen an sie als Mutter vereinbaren muss. Anja Kümmel hat das Buch gelesen und den Film gesehen und seziert die wichtigsten Unterschiede. Fest steht auch für sie: Die charismatische Schauspielerin Vicky Krieps ist ein Glücksgriff für die Hauptrolle.
Pillion

Pillion

Der schüchterne Parkhaus-Kontrolleur Colin verknallt sich in den heißen Leder-Biker Ray, der sich tatsächlich auf eine Beziehung einlässt. Einzige Bedingung: Colin muss sich ihm komplett unterwerfen. Und der denkt sich: mit dem größten Vergnügen! Harry Lightons Spielfilmdebüt „Pillion“, die Verfilmung des preisgekrönten Romans „Box Hill“, erweitert das RomCom-Genre damit um eine glaubwürdige BDSM-Liebesgeschichte und wird dafür als erste DomCom der Welt gefeiert. Absolut zurecht, wie Andreas Köhnemann findet.
The Chronology of Water

The Chronology of Water

Der Werdegang von Kristen Stewart ist so einzigartig wie spektakulär: vom „Twilight“-Star und Teenie-Idol zur respektierten Arthouse-Schauspielerin und queeren Ikone. Mit „The Chronology of Water“, ihrer Interpretation der Memoiren der Schrifststellerin und Schwimmerin Lidia Yuknavitch, präsentiert sie nun ihr mit viel Spannung erwartetes Regie-Debüt. Arabella Wintermayr über einen aufregenden Film, der Kinokonventionen zu brechen versteht und dabei seine ganz eigene Sprache spricht.
Enzo

Enzo

Der 16-jährige Enzo fängt aus Protest gegen die Großbürgerlichkeit seiner Familie auf einer Baustelle an – und findet in seinem Kollegen Vlad das Vorbild, das er in seinem Vater nie sehen wollte. Doch dabei entdeckt er noch kompliziertere Gefühle. In sonnengetränkten Bildern erzählt „Enzo“ von Laurent Cantet und Robin Campillo einfühlsam vom Versuch eines Erwachsenwerdens – und allem jugendlichen Unbehagen, das dazugehört: gegenüber sich selbst, den eigenen Gefühlen, der eigenen Haltung. Janick Nolting über einen betörenden, drückend sommerlichen Film.
Night Stage

Night Stage

Am Tag spielen sie ihre Rolle, bei Nacht sind sie ganz sie selbst: Der Schauspieler Matias und der Politiker Rafael aus Porto Alegre möchten ihre Affäre geheim halten, doch sie teilen eine Leidenschaft für nächtlichen Sex in der Öffentlichkeit. Damit bringen beide ihre Karriere in Gefahr – und bald ihr Leben. „Night Stage“ von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher ist ein wilder, queerer Psychothriller, irgendwo zwischen De Palma, Verhoeven und Almodóvar. Janick Nolting über einen Film, der im sexuellen Akt immer das Erhabene und das Rebellische sucht.
Little Trouble Girls

Little Trouble Girls

Für ihre Kurzfilme wurde die slowenische Regisseurin Urška Djukić unter anderem mit dem Europäischen Filmpries ausgezeichnet, jetzt legt sie mit „Little Trouble Girls“ ihr Langfilmdebüt vor: Im katholischen Mädchenchor freundet sich die introvertierte Lucija mit der selbstbewussten Ana Maria an – und entdeckt beim Probenwochenende in einem italienischen Kloster ganz unbekannte Empfindungen. Esther Buss über die Geschichte eines sexuellen Erwachens, für die Djukić so empfindsame wie sinnliche Bilder findet.
Lesbian Space Princess

Lesbian Space Princess

Knallbunt, euphorisch, kompromisslos queer: Der Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ des australischen Regie-Duos Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ist ein mitreißender intergalaktischer Selbstfindungstrip mit großem Herzen und Lust auf Krawall, irgendwo zwischen wilder Sci-Fi-Musical-Komödie und heilsamer Coming-of-Age-Abenteuerreise. Dafür gab es auf der Berlinale 2025 den Teddy-Award. Anne Küper über eine spaßig-schnelle Space Opera aus der Zukunft mit vielen politischen Bemerkungen über eine wenig spaßige Gegenwart.
Queerpanorama

Queerpanorama

In „Queerpanorama“ von Jun Li lässt sich ein schwuler Mann durch die Apartmentkomplexe Hongkongs treiben, von einem Sex-Date zum nächsten – und immer nimmt er dabei eine neue Identität an. Manchmal entsteht für einen Moment echte Intimität. Andere Male wird es hässlich. Jedes Mal studiert er sein Gegenüber genau und imitiert dessen Persönlichkeit beim nächsten Date. So ist er Schauspieler, Wissenschaftler, Architekt, Lieferant, Lehrer – und immer auf der Suche. Andreas Köhnemann über einen sinnlichen, abgründigen Film, der in faszinierend schönen Bildern über schwule Dating-Kultur philosophiert.
Dreamers

Dreamers

„Dreamers“ rückt das Schicksal zweier Frauen in den Fokus, die gemeinsam den entmenschlichenden Prozessen des britischen Einwanderungssystems trotzen. Dabei konzentriert sich Regisseurin Joy Gharoro-Akpojotor „auf die individuellen Schicksale ihrer Figuren, ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen, und nimmt damit der kollektivierenden Sprache der Politik und Medien den Wind aus den Segeln, in der „die ,Migrant:innen‘, ,die Asylbewerber:innen‘ oftmals zu einer amorphen Masse verschwimmen.“ Anja Kümmel über einen Film, der im festen Glauben an die Freiheit und die Liebe enstand.
Peter Hujar’s Day

Peter Hujar’s Day

Im Jahr 1974 traf sich der schwule Fotograf Peter Hujar in New York mit seiner Freundin Linda Rosenkrantz, um ihr für ein Kunstprojekt von seinem Tag zu erzählen. Aus dem Projekt ist nie etwas geworden, doch die Abschrift des Gesprächs hat Ira Sachs („Passages“) nun in den Film „Peter Hujar's Day“ verwandelt: ein intensives und gleichzeitig leichtfüßiges Kinoerlebnis, das nicht nur den viel zu früh verstorbenen Peter Hujar feiert – sondern auch die Freundschaft und die Kunst. Ein wunderbar intimer Film, der mit seiner unverstellten, faszinierenden Alltaäglichkeit ganz bei sich ist, findet Christian Horn.