Das Ende der Unschuld

Jess & James

Jess & James

Zwei Jungs setzen sich ins Auto und fahren los, quer übers argentinische Land. Unterwegs gabeln sie einen dritten auf, tanzen zusammen Tango am Strand, haben Sex in den Dünen, übernachten in einem Geisterhaus. Regisseur Santiago Giralt lässt seine Figuren auf einem surreal-verträumten Road Movie in eine Abfolge absurder Situationen und sexueller Begegnungen schliddern – und dabei erwachsen werden. Sein Film variiert aber nicht nur eigensinnig die Standardelemente des Genres, er gewinnt ihm auch zwei ganz neue Aspekte ab. Von André Wendler.
Unbedingter Gehorsam

Unbedingter Gehorsam

Der mexikanische Priester Marcial Maciel (1920-2008), Gründer der berüchtigten 'Legionäre Christi', hat vor zehn Jahren einen der größten Skandale der katholischen Kirche in Südamerika ausgelöst, als er des jahrzehntelangen Kindesmissbrauchs überführt und unehrenhaft aus dem Kirchendienst entlassen. Vor einem weltlichen Gericht musste er sich nie verantworten. "Unbedingter Gehorsam" basiert auf Marcial Maciels Fall, Regisseur Luis Urquiza erzählt die Geschichte aber aus der Perspektive eines seiner Opfer. Eine Studie über kirchliche Machtgefüge, die den Missbrauch erst ermöglichten, und über spirituelle Verführung, die einzig pädophilem Begehren dient. Von Alexandra Seitz.
Like Cattle Towards Glow

Like Cattle Towards Glow

Der US-Autor Dennis Cooper („Frisk“, „Dreier“) hat einen Ruf wie Donnerhall: Punk-Pate, Queercore-Ikone, „gefährlichster Schriftsteller der USA“. Jetzt hat er mit dem jungen Franzosen Zac Farley seinen ersten Film gedreht. In fünf Episoden handelt „Like Cattle Toward Glow“ von Liebe, Sex, Gewalt und Todessehnsucht – und allem, was dazwischen liegt. Das erinnert ein wenig an Larry Clark und Bruce LaBruce, ist aber von einer ganz eigenen, dunklen Poesie. Ein Versuch der Annäherung an ein rätselhaftes Leuchten. Von André Wendler.
Mein Bruder, der Held

Mein Bruder, der Held

In dem thailändischen Coming-Age-Drama „Mein Bruder, der Held“ ist Schwul- oder Transsein ganz selbstverständlich – aber auch Standesdenken, Korruption und mafiöse Strukturen. Der Debütfilm des koreanisch-amerikanischen Regisseurs Josh Kim wurde 2015 im Panorama der Berlinale uraufgeführt, vielfach ausgezeichnet und von Thailand ins Oscar-Rennen geschickt. Bei uns ist der Film über zwei Waisenbrüder, deren Schicksal ein Los bestimmt, vor kurzem auf DVD erschienen. Von Micha Schulze.
Bizarre

Bizarre

Wieviel Szene lässt die Gentrifizierung in trendigen Großstädten noch zu? Wohin zieht sie sich zurück? Der französische Filmemacher Etienne Faure hat als New-York-Stipendiat die Bar Bizarre entdeckt, die als Fortführung der legendären Manhattaner Beat-Kneipe aktuell in Brooklyn betrieben wird. Er inszeniert dort die jugendliche und hübsch anzuschauende Kunstfigur Maurice, die von der Straße in die bunte und anrüchige Nachtwelt purzelt und allen für kurze Zeit den Kopf verdreht. Im Panorama der diesjährigen Berlinale stellte man „Bizarre“ als „filmisch verzaubernde Trance“ vor. Von Toby Ashraf.
Limbo

Limbo

In einer postindustriellen Landschaft stellen sich Fragen nach der Zukunft unter Jugendlichen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, nochmal dringlicher. Und für eine Schülerin besonders, da sie einen Crush auf ihre neue Lehrerin entwickelt hat. Der atmosphärisch eigenwillige „Limbo“ ist der erste Spielfilm der dffb-Absolventin Anna Sofie Hartmann. Sebastian Markt hat ihn sich angesehen.
Zomer – Nichts wie raus!

Zomer – Nichts wie raus!

Im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Elektrizität: Einen aufgeladenen Sommer verbringt die schweigsame Anne im Schatten eines Kraftwerks in einem holländischen Kaff, in dem man angestrengt den Konsens sucht. Doch nicht nur bei Anne löst sich allmählich die Spannung – auch sonst kriegt man die ganze Sehnsüchte und Ausbrüche nicht mehr „gepoldert“. „Zomer – Nichts wie raus!“ erzählt vom bittersüßen Erwachsenwerden in der Provinz. Von Tania Witte.