Boys Club

Hara Kiri

Hara Kiri

Im Debüt des kubanisch-amerikanischen Regisseurs Henry Alberto fantasiert ein frisch verliebtes Skater-Paar vom gemeinsamen Suizid. Alberto brauchte dafür nur drei Drehtage und ließ seine Darsteller auf den Straßen von Santa Monica frei improvisieren. Das Ergebnis ist ein echter Indie-Indie: ein unpolierter Film, gegen den Larry Clark beinah wie Mainstream wirkt. sissy hat sich die subversive Mischung aus Sex, Gewalt und Todessehnsucht angesehen – und eine Beziehung entdeckt, die keine Grenzen kennt. Von Axel Schock.
4th Man Out

4th Man Out

Was passiert, wenn beste Freunde plötzlich einen Schwulen in ihrer Mitte haben? Andrew Nackmans „4th Man Out“ verpasst dem Buddy-Movie einen queeren Twist. SISSY nimmt die derbe Komödie zum Anlass, um einen Blick zurück in die Geschichte eines verrufenen Genres zu werfen: auf Freundschaftsbekundungen am Lagerfeuer, Schwulenwitze und eindeutige Untertöne. Von Axel Schock.
Like You Mean It

Like You Mean It

In seinem Regiedebüt „Like You Mean It“ erzählt der in Österreich geborene Filmemacher Philipp Karner nüchtern und undramatisch von der Lebens- und Liebeskrise eines erfolglosen Schauspielers in Hollywood – und wurde von der L.A. Times dafür mit Andrew Haigh („Weekend“) und Ira Sachs („Keep the Lights On“) verglichen. Auch bei Karner fehlen die einstigen Eckpfeiler schwuler Narrative wie Coming-out, HIV oder gesellschaftliche Diskriminierung; auch sein Film wird vor allem durch einen intimen Blick auf Beziehungsdynamiken strukturiert. Aber hält „Like You Mean It“ auch ansonsten dem Vergleich mit den Aushängeschildern des „New-Wave Queer Cinema“ stand? Von Carsten Moll.
Holding the Man

Holding the Man

Endlich hat auch Australien ein großes Period-Piece, das von den Folgen von HIV/AIDS in seinen ersten, verheerendsten Jahren erzählt. „Holding the Man“ basiert auf der gleichnamigen Autobiografie des Schauspielers, Autors und Aktivisten Timothy Conigrave, der 1994 im Alter von nur 34 Jahren an AIDS starb – zwei Jahre nach dem Tod seines langjährigen Partners John Caleo. Neil Armfields Adaption des Buchs ist nicht nur ein Zeitstück, sondern auch ein zeitloses Liebesdrama. Die persönliche Tragödie eines Paares wird darin zu einer politischen Geste, die zu Tränen rührt. Von Christian Weber.
Sommer wie Winter

Sommer wie Winter

Das Queer Cinema ist das Versprechen eines Kinos, das nicht auf Identität fixiert ist. Es will seine Figuren nicht festlegen auf das Mann-Sein, Frau-Sein, Schwul-Sein, Lesbisch-Sein, Weiß-Sein, Arm-Sein, Schön-Sein. Darin keine Folie sehen, vor der etwas Melodramatisches passiert. Nicht nur dabei zusehen, wie seine Figuren Identität erlangen oder verfehlen, gegen die Welt, gegen die widrigen Umstände, auf sich allein gestellt große „Ich“-Entscheidungen fällend. Obwohl das Coming-out in den meisten Filmen eine Identitätserzählung ist, die abbricht, wenn die Hauptfigur endlich „ich“ sagt, und die danach scheinbar nichts mehr zu erzählen hat, ist Sébastien Lifshitz mit „Sommer wie Winter …“ ein Coming-out-Film-Klassiker gelungen, der es nicht bei der Coming-out-Erzählung belässt, sondern seine Hauptfigur mit einem Reichtum an Geheimnissen und ungelösten Widersprüchen ausstattet. Jan Künemund blickt auf Lifshitz' ersten Langfilm zurück – und auf das sinnliche Spielfilmwerk, das folgte.
Life Is a Moment

Life Is a Moment

„Bollywoods Antwort auf ‚Brokeback Mountain‘“ versprachen indische Medien, als 2010 „Dunno Y… Na Jaane Kyun“ in die dortigen Kinos kam. Der Film – ein B-Movie um die Liebe zwischen einem Geschäftsmann und einem schwulen Nachwuchsschauspieler, das von plötzlichen Handlungsumschwüngen, Softporno-Ästhetik und allerhand Klischees geprägt ist – lässt den Vergleich gewagt erscheinen. Die Quasi-Fortsetzung „Life Is a Moment“ hat es nun aber sogar in die deutschen Kinos geschafft. Ein Film, dem es an Zwischentönen mangelt, der sich vielleicht aber gerade deswegen als Ausgangspunkt für einen kleinen Diskurs über Queerness in Bollywood anbietet. Von Florian Krauß.
Steel

Steel

Daniel hat ein Leben, von dem andere nur träumen: Er sieht blendend aus, moderiert die heißeste Talk-Show im US-Fernsehen und kriegt jeden Kerl ins Bett. Doch wie aus dem Nichts kommen eines Tages die Panikattacken, und sie werden immer schlimmer. Daniels einziger Kontakt zur Außenwelt ist bald nur noch Alexander, den er auf einer Party kennengelernt hat. Doch der scheint ein Geheimnis zu haben. Eines, das Daniel tief in die eigene Vergangenheit führt... Der aus München stammende Regisseur Sven J. Matten verwischt in seinem erotischen Psychodrama die Grenzen zwischen Gegenwart und Erinnerung, Realität und Imagination, irrationaler Angst und einem Trauma aus Schuld und Verlust. Von Frank Brenner.
Wie schön du bist

Wie schön du bist

Braucht große Kunst echte Gefühle? Was ist Schönheit? Und was eigentlich Liebe? Joseph Graham stellt in seinem amourösen Episodenfilm "Wie schön Du bist" die ganz großen Fragen. Sein Reigen um vier emotional verwundete Großstädter, die im Lauf einer Nacht zueinanderfinden, erzählt von Writer’s Block und kreativer Potenz, unerfüllter Sehnsucht und größter Lust, nie enden wollender Einsamkeit und plötzlicher Gemeinschaft. Von Frank Brenner.
Stonewall

Stonewall

Mit „Stonewall“ hat der auf US-amerikanische Blockbuster spezialisierte Roland Emmerich, Spitzname „Master of Desaster“, nationalstolz auch gerne „unser Mann in Hollywood“ genannt, sich an einem Spielfilm über den Gründungsmythos der internationalen Schwulen- , Lesben- und Transgeschichte versucht. So unterhaltsam er phasenweise ist, muss man doch sagen: da ist einiges schief gegangen. Was genau, versuchen wir hier zusammenzufassen. Die Auseinandersetzung mit dem Film, der jetzt auf DVD und Blu-ray erhältlich ist, lohnt sich – aus vielen Gründen. Von Jan Künemund.
Jess & James

Jess & James

Zwei Jungs setzen sich ins Auto und fahren los, quer übers argentinische Land. Unterwegs gabeln sie einen dritten auf, tanzen zusammen Tango am Strand, haben Sex in den Dünen, übernachten in einem Geisterhaus. Regisseur Santiago Giralt lässt seine Figuren auf einem surreal-verträumten Road Movie in eine Abfolge absurder Situationen und sexueller Begegnungen schliddern – und dabei erwachsen werden. Sein Film variiert aber nicht nur eigensinnig die Standardelemente des Genres, er gewinnt ihm auch zwei ganz neue Aspekte ab. Von André Wendler.