Boys Club

Pillion

Pillion

Der schüchterne Parkhaus-Kontrolleur Colin verknallt sich in den heißen Leder-Biker Ray, der sich tatsächlich auf eine Beziehung einlässt. Einzige Bedingung: Colin muss sich ihm komplett unterwerfen. Und der denkt sich: mit dem größten Vergnügen! Harry Lightons Spielfilmdebüt „Pillion“, die Verfilmung des preisgekrönten Romans „Box Hill“, erweitert das RomCom-Genre damit um eine glaubwürdige BDSM-Liebesgeschichte und wird dafür als erste DomCom der Welt gefeiert. Absolut zurecht, wie Andreas Köhnemann findet.
Enzo

Enzo

Der 16-jährige Enzo fängt aus Protest gegen die Großbürgerlichkeit seiner Familie auf einer Baustelle an – und findet in seinem Kollegen Vlad das Vorbild, das er in seinem Vater nie sehen wollte. Doch dabei entdeckt er noch kompliziertere Gefühle. In sonnengetränkten Bildern erzählt „Enzo“ von Laurent Cantet und Robin Campillo einfühlsam vom Versuch eines Erwachsenwerdens – und allem jugendlichen Unbehagen, das dazugehört: gegenüber sich selbst, den eigenen Gefühlen, der eigenen Haltung. Janick Nolting über einen betörenden, drückend sommerlichen Film.
Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971)

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (1971)

Rosa von Praunheim ist tot, doch sein Werk bleibt unsterblich. Der wohl prägendste seiner unzähligen Filme ist einer seiner frühesten: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aus dem Jahr 1971 gilt als einer der essenziellen Auslöser und Wegbereiter der frühen politischen Schwulen- und Lesbenbewegung. Der Film war und ist ein Manifest – ein lauter Aufruf, sich zu politisieren und sich nicht von konservativen Spießern vereinnahmen zu lassen. Eine Würdigung von Dietrich Kuhlbrodt.
A Single Man (2009)

A Single Man (2009)

So glamourös kann Sterben aussehen: In seinem Regiedebüt „A Single Man“ inszeniert die Design-Ikone Tom Ford den letzten Tag im Leben eines trauernden schwulen Literaturprofessors als sehnsüchtigen Bildertraum in ästhetischer Perfektion, weit weniger nüchtern erzählt als in der Romanvorlage von Christopher Isherwood. Andreas Wilink über einen Film, der im Schönen bereits den Schatten seines Schwindens sieht.
Caravaggio (1986)

Caravaggio (1986)

Mit „Caravaggio“ verfilmte der englische Regisseur und Künstler Derek Jarman kongenial das Leben des berüchtigten Renaissance-Malers und übertrug dessen Bildsprache in ein aufregendes Filmporträt, das mittlerweile zu den Klassikern des europäischen Kinos gehört. Das einzigartige Biopic wurde 1986 auf der Berlinale uraufgeführt und ist bis heute einer der wirklich großen Filme über Kunst und Malerei. Stefan Hochgesand über Love, Crime, Showdowns und Revolution.
Night Stage

Night Stage

Am Tag spielen sie ihre Rolle, bei Nacht sind sie ganz sie selbst: Der Schauspieler Matias und der Politiker Rafael aus Porto Alegre möchten ihre Affäre geheim halten, doch sie teilen eine Leidenschaft für nächtlichen Sex in der Öffentlichkeit. Damit bringen beide ihre Karriere in Gefahr – und bald ihr Leben. „Night Stage“ von Marcio Reolon und Filipe Matzembacher ist ein wilder, queerer Psychothriller, irgendwo zwischen De Palma, Verhoeven und Almodóvar. Janick Nolting über einen Film, der im sexuellen Akt immer das Erhabene und das Rebellische sucht.
My Private Idaho (1991)

My Private Idaho (1991)

Gus Van Sants dritter Film „My Private Idaho“ feierte seine Premiere 1991 bei der Berlinale – und wurde für viele Schwule zum Schlüsselfilm für die eigene Identitätsfindung. Bis heute gilt der Film als Meilenstein des New Queer Cinema. Matthias Frings hat ihn sich noch einmal angesehen und findet, der Film habe nichts von seinem Glanz verloren. Schon die Atmosphäre sei in ihrer lyrisch-verpeilten Traumverlorenheit einzigartig: „als habe jemand ein Märchen der Schauerromantik mit einem Drogen-Roadmovie gekreuzt“.
North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

North of Vortex (1991) & Caught Looking (1992)

Ein schwuler Dichter reist mit seinem Cabrio von New York nach Westen. Auf dem Weg nimmt er einen muskelbepackten Matrosen mit, später steigt eine Kellnerin zu. Der Dichter ist scharf auf den Matrosen, der Matrose auf die Kellnerin, die Kellnerin auf den Dichter. Constantine Giannaris’ Road Movie „North of Vortex“ aus dem Jahr 1991 fasziniert mit traumhaften Schwarz-Weiß-Bildern und queerer Beatnik-Romantik – am besten im Doppelpack zu genießen mit Giannaris’ kurzem, futuristischem Nachfolgefilm „Caught Looking“. Michael Kienzl über zwei wiederentdeckte queere Klassiker voller rauer Poesie und unerfüllter Sehnsucht.
Indian Summer (1996)

Indian Summer (1996)

London, Mitte der 1990er. Tonio ist der Startänzer in seinem Ballett-Ensemble – und HIV-positiv. Für ihn ist klar, dass er bald im Tänzerhimmel landen wird, doch bis dahin will er seine Zeit auskosten. Keine Frage, dass er im neuen Prestigestück der Gruppe die Hauptrolle übernimmt. Und dann tritt Jack in sein Leben – ein ruhiger Typ mit leichtem Übergewicht und großem Herzen. „Indian Summer“ (1996) von Regisseurin Nancy Meckler und Drehbuchautor Martin Sherman ist ein Klassiker über Lebensfreude und Mut im Umgang mit Aids. Axel Schock über eine klug und genau beobachtete Beziehungsstudie, die Aspekte der Aids-Krise ausleuchtet, die sonst in Filmen meist vernachlässigt werden.
Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Magick Lantern Cycle (1947–1980)

Sie sind rätselhaft, provokant, rauschhaft, queer und anarchistisch, mit einem Faible für Mythologie, Okkultismus und Gegenkultur: Mit seinen neun Kurzfilmen des „Magick Lantern Cycle“ (1947 bis 1980) wurde Kenneth Anger zum Monumentalfilm-Regisseur des experimentellen Kinos. Michael Kienzl über einen legendären Filmemacher, der die Lust feierte und gleichzeitig ihre Abgründe erforschte.