Michael Sollorz (Autor)

Dennis Cooper: Mein loser Faden

Dennis Cooper: Mein loser Faden

Der US-Schriftsteller Dennis Cooper wurde in den 90er Jahren durch seinen Roman-Zyklus "George Miles" ("Ran", "Sprung", "Dreier", "Fort", "Punkt") berühmt. Heute lebt der Outlaw-Autor in Paris, wo er sich auch als transgressiver Filmemacher ("Like Cattle Towards Glow") betätigt und einen berüchtigten Blog schreibt. Im Luftschacht Verlag ist nun in deutscher Übersetzung ein Roman aus dem Jahr 2002 erschienen: "Mein loser Faden", entstanden kurz nach dem Amoklauf von Columbine, wirkt auf den europäischen Leser wie eine Art Gebrauchsanweisung für Amerika. Jenseits aller vermeintlicher Gemeinsamkeiten des "Westens" erkundet er – wie viele andere Werke des Autors – die Einsamkeit und Ratlosigkeit der Menschen in einer Welt, die vom Recht des Stärkeren regiert wird und deren Waffengesetze es erlauben, dass jeder "für 15 Minuten" der vermeintlich Stärkste sein kann. Für uns schreibt Michael Sollorz, der selbst schon Cooper ins Deutsche übersetzte hat, über ein abseitiges Jugendporträt, dem man sich als Leser*in nur schwer entziehen kann.
Rabih Alameddine: Der Engel der Geschichte

Rabih Alameddine: Der Engel der Geschichte

"Der Engel der Geschichte" erzählt von einem außergewöhnlichen Leben: Jakob wird im Jemen unehelich geboren, die Mutter und ihr kleiner Sohn werden mit Schimpf und Schande aus dem Haus des Kindsvaters getrieben. Auch die Verwandtschaft der Mutter will keine ledige Frau mit Kind aufnehmen, also beibt nur das Bordell. Hier hat der kleine Junge eine glückliche Kindheit, vielleicht ist es die schönste Zeit seines Lebens. Dann holt ihn der Vater auf ein katholisches Internat, dessen erzieherische Leistung im Vergleich zum Bordell ziemlich schlecht abschneidet. Als Jakob es endlich geschafft hat, der Enge der arabischen Welt zu entfliehen und in San Francisco ein neues Leben zu beginnen, sterben alle seine Freunde Schlag auf Schlag an Aids. Er steckt den Kopf in den Sand, er will nur noch vergessen. Erst 20 Jahre später rüttelt ihn das massenhafte Sterben in seiner Heimat Jemen wieder wach. Rabih Alameddine bedient sich vieler Kunstgriffe der orientalischen Fabulierkunst, um Jakobs erschütternde Geschichte mal lustvoll, mal witzig und dann auch hochdramatisch zu erzählen. Michael Sollorz hat den vielstimmigen Roman, der 2016 in den USA mit dem renommierten Lambda Literary Award ausgezeichnet wurde, für uns gelesen.