Firebird

Firebird

Estland in den 1970ern, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs. Der junge Soldat Sergey dient auf einem Luftwaffenstützpunkt der UdSSR. Als Roman auf die Basis versetzt wird, verfällt Sergey dem Charme des kühnen Kampfpiloten. Doch die aufkeimende Liebe zwischen den Männern muss um jeden Preis geheim bleiben – Roman steht bereits auf der Überwachungsliste des KGB. Peeter Rebanes mitreißender Liebesthriller mit Tom Prior und Oleg Zagorodnii basiert auf einer wahren Geschichte und ist zu einer Zeit, in der in Russland queere Menschen immer noch schwersten Repressionen ausgesetzt sind, von beklemmender Aktualität. Axel Schock über ein romantisch-schönes Liebesporträt, das am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie im Kino zu sehen ist.
Nico

Nico

Ein rassistisch motivierter Überfall reißt die junge Deutsch-Perserin Nico aus ihrem Alltag. Mit dem Training bei Karate-Weltmeister Andy versucht sie, ihre Wut in den Griff zu bekommen und das Trauma zu überwinden. Richtig gelingt ihr das aber erst, als sie die Mazedonierin Ronny kennenlernt, die heftig mit ihr flirtet. In „Nico“ zeigen Regisseurin Eline Gehring, Hauptdarstellerin/Produzentin Sara Fazilat und Kamerafrau Francy Fabritz, die zu dritt auch das Drehbuch geschrieben haben, wie sich Nico ihre Stärke zurückerobert. Angelika Nguyen über einen authentischen Film aus Berlin voller Energie, der ohne Kitsch auskommt und Queerness lebt, statt sie zu thematisieren.
Kim Hye-Jin: Die Tochter

Kim Hye-Jin: Die Tochter

Entfremdung, Generationenkonflikte, Homophobie – das sind die Themen von „Die Tochter“, der jüngsten Literatur-Sensation aus Südkorea. Kim Hye-Jin erzählt in ihrem Roman vom Alltag einer traditionsbewussten Sechzigerin, die ihr kleines Haus in Seoul notgedrungen mit ihrer lesbischen Tochter und deren Freundin teilen muss. Die Autorin formt aus dem  Aufeinandertreffen der drei grundverschiedenen Frauen vor allem eine sensible Charakterstudie der Mutter. Anja Kümmel über einen Roman, der Leser:innen aufgrund seiner provokanten Erzählperspektive einiges abverlangt, die Widersprüche innerhalb der südkoreanischen Gesellschaft aber umso deutlicher macht.
Sprung ins kalte Wasser

Sprung ins kalte Wasser

Ab jetzt im Salzgeber Club: In romantisch-verträumten Bildern begleitet Regisseur Stelios Kammitsis in „Sprung ins kalte Wasser“ zwei junge Männer auf einem Trip durch halb Europa. Der junge Grieche Victoras macht sich nach dem plötzlichen Tod seiner Oma von Patras nach Deutschland auf, wo seine Mutter lebt. Auf der Fähre trifft er den abenteuerlustigen Deutschen Mathias – und nimmt ihn auf die weitere Reise einfach mit. Andreas Wilink über ein Kräfte-Messen, das allmählich zum Flirt wird.
Garth Greenwell: Reinheit

Garth Greenwell: Reinheit

Nach seinem gefeierten Debütroman „Was zu dir gehört“ lässt US-Autor Garth Greenwell seinen autobiografisch geprägten Ich-Erzähler erneut durch die sexuellen und emotionalen Untiefen des schwulen Lebens in der bulgarischen Hauptstadt Sofia geistern – diesmal im Erzählband „Reinheit“, der in der deutschen Übersetzung von Daniel Schreiber bei Claassen erschienen ist. Greenwell selbst sagt über das Buch, er habe etwas schreiben wollen, das gleichzeitig „hundert Prozent pornografisch und hundert Prozent hohe Kunst“ sei. Tilman Krause schätzt ein, inwieweit das gelungen ist, und enthüllt zugleich den verletzlichen Kern des Textes, den viele Kritiker im Angesicht seiner Drastik aus dem Blick verlieren.
Eine total normale Familie

Eine total normale Familie

Im Mai in der queerfilmnacht: Die 11-jährige Emma hat immer gedacht, dass ihre Familie wie alle anderen ist. Bis ihr Papa Thomas sich eines Morgens als trans outet und erklärt, dass er von nun an als Frau leben möchte. Während aus Thomas nach und nach die elegant gekleidete Agnete wird, verändert sich auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Mit viel Feingefühl und leisem Humor zeigt Malou Reymann in „Eine total normale Familie“, wie sich eine Familie von heteronormativen Vorstellungen lösen muss, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Unsere Autorin Esther Buss über eine dänische Tragikomödie, die vom Glauben an gemeinsame Veränderung erzählt.
Genderation

Genderation

Ab jetzt im Salzgeber Club: Über zwei Jahrzehnte nach „Gendernauts“ (1999) kehrt Monika Treut nach Kalifornien zurück, um die Protagonist:innen ihres bahnbrechenden queeren Filmklassikers wiederzutreffen. Sandy Stone, Susan Stryker, Stafford und Max Wolf Valerio waren einst die jungen Pionier:innen der Transbewegung und lebten fast alle in der damaligen Außenseitermetropole San Francisco. Heute sind sie zwischen 58 und 84 Jahre alt, und kaum eine:r kann es sich noch leisten, in der Stadt zu wohnen. Doch die Energie der Gendernauten und ihrer Unterstützer:innen Annie Sprinkle und Beth Stephens ist ungebrochen. Anja Kümmel über „Genderation“, einen radikal offenen und brandaktuellen Film.
Julian Mars: Was wir schon immer sein wollten

Julian Mars: Was wir schon immer sein wollten

Nach „Jetzt sind wir jung“ und „Lass uns von hier verschwinden“ erzählt Autor Julian Mars auch in „Was wir schon immer sein wollten“ von seinem Antihelden Felix, der mittlerweile 30 ist, und von dessen schwuler Suche nach Sex, Liebe und Identität ohne Selbstverleugnung. Unsere Autorin Can Mayaoglu ist in Felix’ Geschichte abgetaucht und findet, dass im dritten Teil der Romanreihe sowohl Autor als auch Hauptfigur bei sich selbst ankommen.
Loving Highsmith

Loving Highsmith

Jetzt im Kino: Mit Romanen wie „Zwei Fremde im Zug“ und „Der talentierte Mr. Ripley“ schuf Patricia Highsmith Weltliteratur. Ihr Privatleben hielt die Meisterin des psychologischen Thrillers derweil zeitlebens vor der Öffentlichkeit verborgen. Dass sie lesbisch war, wusste nicht einmal ihre Familie in Texas. Ihren lesbischen Liebesroman „Salz und sein Preis“ (später als „Carol“ erschienen) konnte sie 1952 nur unter Pseudonym herausbringen. Über ihr eigenes, bewegtes Liebesleben schrieb sie in ihren Tage- und Notizbüchern, die erst nach ihrem Tod entdeckt wurden. Eva Vitijas vielschichtige Liebesbiografie „Loving Highsmith“ folgt den Lieben und Leidschaften der Autorin – und ist zugleich das Porträt einer Generation von Frauen, die mit Highsmiths „Salz und sein Preis“ den Mut fand, für ihr Recht auf Liebe zu kämpfen. Anja Kümmel über ein dichtes, berührendes Porträt.
Abteil Nr. 6

Abteil Nr. 6

Die finnische Archäologiestudentin Laura ist fest entschlossen, die berühmten Felsenmalereien in Murmansk am nördlichen Polarkreis mit eigenen Augen zu sehen. Im Zug dorthin sitzt sie aber nicht neben ihrer Freundin Irina, die den Trip kurzfristig abgesagt hat, sondern mit dem Bergarbeiter Ljoha, der ihr mit seiner ruppigen Art den letzten Nerv zu rauben scheint. Doch dann kommt es auf engstem Raum zu ein besonderen Annäherung. Juho Kuosmanen erzählt in seinem Railroadmovie „Abteil Nr. 6“ eine der ungewöhnlichsten und schönsten nicht-heteronormativen Liebesgeschichten der letzten Jahre. Barbara Schweizerhof über einen meisterhaften Film der versteckten Blicke und magischen Abzweigungen.