House of Gucci

House of Gucci

Vater, Sohn und „House of Gucci“. In seinem neuen True-Crime-Drama nimmt Ridley Scott den spektakulären Mord an dem Modeunternehmer Maurizio Gucci zum Fluchtpunkt eines abgründigen Liebes- und Familienporträts, in dem Lady Gaga als femme fatale Patrizia Reggiani ein gewaltiges Aufgebot an Hollywood-Stars anführt. Andreas Köhnemann hat sich auf jede Menge Glamour und Camp gefreut. Und wurde ziemlich enttäuscht.
Benedetta

Benedetta

Spätestens seit „Basic Instinct“ (1992) und „Showgirls“ (1995) gilt Paul Verhoeven als Meisterregisseur der erotischen Unter- und Obertöne. Vier Jahre nach seinem kontroversen Selbstermächtigungsdrama „Elle“ lässt er nun in „Benedetta“ Katholizismus und „verbotene“ Sexualität aufeinanderprallen. Die Geschichte der Nonne Benedetta, die von Visionen getragen gegen das Zwangssystem um sich herum aufbegehrt und ihrem alles durchdringenden lesbischen Begehren folgt, sorgte dieses Jahr bereits in Cannes für breites Aufsehen. Philipp Stadelmaier sucht nach dem Platz von „Benedetta“ in der Filmgeschichte und taucht tief in Visionen ein.
Speed Walking

Speed Walking

Jetzt im Salzgeber Club: Coming of Age in der dänischen Provinz, in den 1970er Jahren. Wie der 14-jährige Martin ohne Mutter ins Leben findet, und dabei die Bodenhaftung behält, wie es auch in seiner athletischen Disziplin, dem Gehen, verlangt wird, das erzählt der preisgekrönte Jugendfilm „Speed Walking“ von Niels Arden Oplev in bewährter Skandinavian frankness. Unsere Autorin Natália Wiedmann wendet sich direkt an den jungen Protagonisten, um ihm zu schildern, wie sehr sie geweint und gelacht hat.
Saint-Narcisse

Saint-Narcisse

Jetzt im Kino: In seinem neuen Film „Saint-Narcisse“ interpretiert der kanadische Kultregisseur Bruce LaBruce („Otto; or, Up with Dead People“) den alten Mythos von Narziss als queere Selbstfindungsgeschichte. Im Mittelpunkt steht der umwerfend aussehende Dominic, der Anfang der 1970er Jahre nicht nur seine tot geglaubte Mutter, sondern auch seinen Zwillingsbruder kennenlernt. Christian Horn über ein filmisches Vergnügen voller Genrezitate.
Weekend

Weekend

In Andrew Haighs „Weekend“ (2011) ereignet sich etwas unerhört Schönes und Wahrhaftiges: ein stillstehender Dreitagesflirt, in den das ganze Leben zweier junger schwuler Männer einfließt. Der Kultfilm des späteren Schöpfers der HBO-Serie „Looking“ (2014-16) brachte das New Wave Queer Cinema ins Rollen und ist im Dezember zum zehnjährigen Jubiläum in der queerfilmnacht zu sehen. Jan Künemund schreibt darüber, wie er die beiden Protagonisten kennenlernt – und dabei mehr und mehr sich selbst beobachtet.
Das Mädchen und die Spinne

Das Mädchen und die Spinne

Lisa zieht aus, Mara bleibt zurück. Während Kisten geschleppt, Wände gestrichen und Schränke aufgebaut werden, tun sich Abgründe auf, und ein Begehrenskarussell nimmt immer mehr Fahrt auf. Auch in ihrem neuen Film komponieren die Schweizer Zwillingsbrüder Ramon und Silvan Zürcher ("Das merkwürdige Kätzchen") ein poetisches Panoptikum menschlicher Beziehungsformen. Ab jetzt gibt es den tragikomischen Katastrophenfilm "Das Mädchen und die Spinne" als DVD und VoD; parallel zum Kinostart ist ein Buch zum Film erschienen, bestehend aus Drehbuch, Essays, Making-of-Fotos, Filmstills und Zeichnungen. Cosima Lutz hat einen Text zum Band beigesteuert. Ihre Reflexion über Doppelgänger, komplizierte Liebe und Trennungsschmerz gibt es auch hier zu lesen.
David M. Halperin: Was ist schwule Kultur?

David M. Halperin: Was ist schwule Kultur?

Für Susan Sontag entsteht Kultur, „sooft Sprache, Bewegung, Verhalten oder Gegenstände eine gewisse Abweichung von der direktesten, nützlichsten, unengagiertesten Weise des Ausdrucks und des In-der-Welt-Seins zeigen“. Homosexuelle, denen in einer heterosexuellen Umwelt ein solcher „direkter“ Ausdruck verwehrt bleibt, sind deshalb darauf angewiesen, Kultur zu erschaffen, und sei es in Form der subkulturellen Umdeutung der heterosexuellen Mehrheitskultur. Ob Trash, Divenkult oder ernsthafte Identitätskunst: Schwule sind die Kulturschaffenden schlechthin. Doch der Sexualwissenschaftler David M. Halperin schreibt, Homosexualität ist an die Schwulen verschwendet, weil die ihr Heil vielmehr in einer farblosen Homonormativität suchen. In seinem Essay „Was ist schwule Kultur?“, der jetzt in deutscher Übersetzung bei Männerschwarm erschienen ist, analysiert er Entwicklungslinien und hält ein Plädoyer für offen gelebte Diversität. Egbert Hörmann hat sich mit den Zündstoffen in Halperins Gepäck befasst.
Paragraph 175

Paragraph 175

Zwei Filme, ein Thema: Anlässlich des Kinostarts von „Große Freiheit“ kommt im Salzgeber Club der preisgekrönte Dokumentarfilm „Paragraph 175“ von Rob Epstein und Jeffrey Friedman („The Celluloid Closet“) neu als VoD heraus. Das Regie-Duo zeichnet darin das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich nach – einer lange Zeit vergessenen Opfergruppe. Für Christian Lütjens funktioniert der Film sowohl als Ergänzungs- wie als Gegenprogramm zum Kinobesuch.
Große Freiheit

Große Freiheit

Hans Hoffmann liebt Männer, doch das ist im Deutschland der Nachkriegszeit, in dem noch immer der Paragraph 175 in Kraft ist, verboten. Immer wieder landet Hans im Gefängnis – und trifft dort regelmäßig auf Viktor, einen verurteilten Mörder. Aus der anfänglichen Abneigung wird über die Jahre gegenseitiger Respekt. Oder ist es sogar mehr? „Große Freiheit“ des österreichischen Regisseurs Sebastian Meise wurde in Cannes mit dem Jurypreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet, zahlreiche weitere Preise und Nominierungen (unter anderem für vier Europäische Filmpreise) folgten. Für Matthias Frings ist das historische Gefängnisdrama großes Kino, insbesondere dank seiner beiden famosen Hauptdarsteller Franz Rogowski und Georg Friedrich.
Wolfram Setz (Hg.): Edel-Uranier erzählen

Wolfram Setz (Hg.): Edel-Uranier erzählen

Der Band „Edel-Uranier erzählen“ aus der Bibliothek rosa Winkel versammelt drei Texte aus der Frühzeit der Homosexuellen-Emanzipationsbewegung. Hans Waldau schildert die Geschichte der gemeinsamen Reise zweier junger Männer, die dann aus der Ferne Freunde bleiben, Konradin die eines Studenten, der im jungen Grafensohn Lorenzo „glühende Liebe“ weckt, mit der er nicht umzugehen weiß, und Tempesta erzählt vom Seelenkampf eines „edelgearteten Uraniers, der seiner Neigung nicht nachgeben will“ und aufs Land flieht, um vor jeder Versuchung sicher zu sein. Die wahre Identität der Autoren ist nicht bekannt. Tilman Krause über eine „sehr deutsche Weise“, schwul zu sein.