Frauenbande

Carol

Carol

Endlich: das große lesbische Melodram! Keine Infragestellung des Begehrens selbst, kein tragischer Ausgang, große Gefühle, A-Cast, Hollywood. Aber es brauchte fast 20 Jahre, um Patricia Highsmiths Kultroman „The Price of Salt“ angemessen auf die Leinwand zu bringen. Und die problematische Produktionsgeschichte ist, genauso wie die anschließende Ignoranz der amerikanischen Filmakademie gegenüber "Carol", vor allem ein Ausweis der Schwierigkeit, einen Film ohne männliche Hauptrollen in den Mainstream einzuspeisen. Auch dem weiblichen Begehren bleibt im Film nichts anderes übrig, als sich in den Spiegelungen der Oberflächen der heteronormativen Welt hinweg zu treffen. Von Noemi Yoko Molitor.
Schau mich nicht so an

Schau mich nicht so an

In ihrem kompromisslosen Spielfilmdebüt lässt die mongolisch-deutsche Regisseurin und Schauspielerin Uisenma Borchu keine Figur das Erwartbare tun oder sagen. Ganz grundsätzlich geht es ihr um das Selbstbstimmungsrecht des erotischen Blicks und Erzählens, welches sich nicht in moralischen Konventionen einpassen mag. Borchus Freiheitserzählung ist darüberhinaus um die Affäre zweier Nachbarinnen gebaut, denen „Lesbischsein“ als Label viel zu eng wäre. Neue queere Perspektiven in einem Abschlussfilm an einer deutschen Filmhochschule; Fernsehsender hatten sich aus dem Projekt zurückgezogen. Von Barbara Schweizerhof.
Dyke Hard

Dyke Hard

Bitte Andersson, Comicautorin und Mitbegründerin eines queerfeministischen Buchladenkollektivs in Stockholm, zelebriert in ihrem mega-campen Uni-Abschlussfilm „Dyke Hard“ genussvoll die bunte MTV-Ästhetik und Mode der 80er Jahre. Ihr wilder Genremix wirft mit schrillen Filmzitaten nur so um sich, demonstriert einen ausgeprägten Sinn für inklusive und queere Repräsentation und beweist in bester B-Movie- und DIY-Tradition, dass es in einem Kollektiv auch ohne Geld möglich ist, einen unterhaltsamen Film zu drehen. Let’s glam rock 'n' dildo! Von Aileen Pinkert.
Sand Dollars

Sand Dollars

Geraldine Chaplin, Autorenfilmikone mit strahlendem Lächeln und tieftraurigen Augen, bekommt nur noch selten Gelegenheit, ihre große Kunst zu zeigen. In Spanien, wo die Schauspielerin seit ihrer Zusammenarbeit mit Carlos Saura in 1970ern ein Star ist, sei sie mittlerweile auf die Rolle der gruseligen Alten festgesetzt, erzählte sie kürzlich in einem Interview. In dem karibischen Liebesdrama „Sand Dollars“, ihrer ersten Hauptrolle seit einer gefühlten Ewigkeit, darf sie endlich wieder ganz andere Sachen machen als unheimlich gucken. Von Maike Schultz.
Limbo

Limbo

In einer postindustriellen Landschaft stellen sich Fragen nach der Zukunft unter Jugendlichen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, nochmal dringlicher. Und für eine Schülerin besonders, da sie einen Crush auf ihre neue Lehrerin entwickelt hat. Der atmosphärisch eigenwillige „Limbo“ ist der erste Spielfilm der dffb-Absolventin Anna Sofie Hartmann. Sebastian Markt hat ihn sich angesehen.
Go Fish

Go Fish

Zwei sehr unterschiedliche Frauen verlieben sich so nach und nach ineinander – und ihrem großen Freundinnenkreis geht das alles viel zu langsam. Liebevoll ironisch nennen sie es den „lesbischen ,Gandhi‘“ – und das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Rose Troche in ihrem klassischen, aber hierzulande lange nicht zu sehenden Erstling „Go Fish“ macht. Denn der ist schnell geschnitten, sexy, turbulent, experimentell und sehr witzig, ohne RomCom, Dramödie oder sonst eins dieser tausendfach variierten L-Film-Genres zu sein. Stephanie Kuhnen über den ersten lesbischen Indie-Hit und den ersten lesbischen Teddy-Gewinner überhaupt.
Zomer – Nichts wie raus!

Zomer – Nichts wie raus!

Im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Elektrizität: Einen aufgeladenen Sommer verbringt die schweigsame Anne im Schatten eines Kraftwerks in einem holländischen Kaff, in dem man angestrengt den Konsens sucht. Doch nicht nur bei Anne löst sich allmählich die Spannung – auch sonst kriegt man die ganze Sehnsüchte und Ausbrüche nicht mehr „gepoldert“. „Zomer – Nichts wie raus!“ erzählt vom bittersüßen Erwachsenwerden in der Provinz. Von Tania Witte.
BFF – Beste Freundinnen für immer

BFF – Beste Freundinnen für immer

Das Beste aus einer geschenkten Paartherapie zu machen, ist nicht so einfach – vor allem, wenn man keinen Partner hat. Also nimmt Kat ihre beste Freundin mit zum idyllischen Therapie-Resort, und sie tun so als ob. Bis sie nicht mehr so tun können als ob. „BFF“ vermeidet jeden Sitcom-Klamauk, nimmt seine Heldinnen ernst und ist deshalb wirklich witzig. Von Noemi Yoko Molitor.