New-Wave Queer Cinema

Keep the Lights On

Keep the Lights On

Heute Abend läuft das großartige Liebesdrama "Keep the Lights On" von Ira Sachs bei rbb QUEER. Als der Film 2012 in die Kinos kam, war plötzlich von einer ‚Neuen Welle‘ im queeren Kino die Rede: Filme wie "Keep the Lights On", Andrew Haighs "Weekend", Dee Rees "Pariah" oder die Kurzfilme von Travis Mathews verschoben nachdrücklich den narrativen Fokus vom Coming-out zur Selbstbefragung, wie man als Nicht-Heterosexueller überhaupt heute lebt; sie alle wurden bestimmt von losen Erzählungen, genau komponierten Bilder und poetischen Freiräumen. Warum vor allem "Keep the Lights On", für den Sachs mit dem Teddy-Award ausgezeichnet wurde, ein wunderbares queeres Angebot ans Weltkino ist, hat André Wendler für sissy zusammengefasst.
Buchrezension: Queer Cinema

Buchrezension: Queer Cinema

"Alle fühlten sich den Anfängen einer Neuen Queeren Geschichtsschreibung verpflichtet, die in der Lage sein würde, das Jahrzehnt zu transformieren, voraus­gesetzt, die Tür bliebe lange genug geöffnet." Mit diesen Worten endet der 1992 publizierte Artikel "New Queer Cinema", in dem die Filmkritikerin B. Ruby Rich den Begriff für die große Erneuerungsbewegung des queeren Kinos in Nordamerika prägte. Bis heute sind die popkulturellen und akademischen Diskussionen zum Queer Cinema von ihrem Text beeinflusst. Die beiden Filmwissenschaftler_innen Dagmar Brunow und Simon Dickel haben nun den ersten deutschsprachigen Sammelband zum queeren Kino herausgegeben. "Queer Cinema" enthält die erste deutsche Übersetzung von Richs wegweisendem Text und folgt den Entwicklungs­linien queerer Filmwissenschaft von den 1990er-­Jahren bis in die Gegenwart. Beiträge von Filmemacher_innen wie Cheryl Dunye, Jim Hubbard und Barbara Hammer sowie Interviews mit Monika Treut und Angelina Maccarone stehen neben Grundlagentexten und theoretischen Zugängen, die an aktuelle Debatten um queere Zeitlich­keiten, die Bedeutung des Archivs, Medialität oder die Repräsentationspolitiken von Transgender anschließen. Maja Figge hat das Buch für uns gelesen – und sich dabei durch viele offene Türen treiben lassen.
Die Geschwister

Die Geschwister

Jan Krüger dreht konsequent Filme mit queeren Geschichten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht für einen sich als schwul identifizierenden Filmemacher in Deutschland. Seine bisherigen drei Langfilme erzählen allesamt keine Coming-out-Storys (das erledigte er – auf originelle Weise – in seinem Kurzfilme „Freunde“ von 2001). Das Schwulsein der Figuren ist bei ihm nie ein Thema an sich, sondern wird stets mit anderen Erfahrungen verknüpft. Sein neuer Film „Die Geschwister“ handelt von Berlin als Stadt und Begehrensraum und folgt dem Erzählmuster eines Märchens. Die Geschichte von einem, der sich bisher aus allem raushielt, und der durch die Liebe lernt, soziale Verantwortung zu übernehmen... Von Gunther Geltinger.
Little Men

Little Men

Sommer in Brooklyn. Der 13-jährige Jake zieht mit seinen Eltern in das Haus des verstorbenen Großvaters und freundet sich dort mit dem gleichalten Tony an, dessen Mutter eine Boutique im Erdgeschoss führt. Während ihre Eltern miteinander über die Immobilie in Konflikt geraten, erkunden Jake und Tony ihr Viertel und schmieden Pläne für die Zukunft. Bis die Gentrifizierung auch ihre Freundschaft bedroht. Ira Sachs hat nach „Keep the Lights on“ (2012) und „Love is strange“ (2014) wieder einen großen kleinen Film darüber gemacht, wie sich Entwicklungen in der Stadtstruktur New Yorks auf Freundschaften und Liebesbeziehungen auswirken. Von Toby Ashraf.
Kater

Kater

Szenen einer Beziehung zeichnet Händl Klaus in seinem zweiten Spielfilm nach, der sich zunächst wie eine Satire auf bürgerliche schwule (weiße, westliche, ...) Lebensmodelle anfühlt, so behaglich ist das gemeinsame Glück der musisch veranlagten Männer mit ihrer Hauskatze Moses ausbuchstabiert. Doch weder macht sich der neugierige Blick des Regisseurs über seine Figuren lustig, noch erscheint diese schwule Idylle ungefährdet. Die internationale Jury des Teddy-Awards, die „Kater“ als besten queeren Spielfilm des diesjährigen Berlinale-Programms auszeichnete, betonte sein „packendes“ und „verwirrendes“ Potential, das unser Autor zum einen auf seine großdimensionierte Symbolebene zurückführt, andererseits auf die Genauigkeit und Lässigkeit, die „Kater“ in Anlehnung an das „New Wave Queer Cinema“ findet. Ein faszinierender, schillernder Beziehungsfilm. Von Sebastian Markt.
Like You Mean It

Like You Mean It

In seinem Regiedebüt „Like You Mean It“ erzählt der in Österreich geborene Filmemacher Philipp Karner nüchtern und undramatisch von der Lebens- und Liebeskrise eines erfolglosen Schauspielers in Hollywood – und wurde von der L.A. Times dafür mit Andrew Haigh („Weekend“) und Ira Sachs („Keep the Lights On“) verglichen. Auch bei Karner fehlen die einstigen Eckpfeiler schwuler Narrative wie Coming-out, HIV oder gesellschaftliche Diskriminierung; auch sein Film wird vor allem durch einen intimen Blick auf Beziehungsdynamiken strukturiert. Aber hält „Like You Mean It“ auch ansonsten dem Vergleich mit den Aushängeschildern des „New-Wave Queer Cinema“ stand? Von Carsten Moll.