Lustspiel

Das melancholische Mädchen

Das melancholische Mädchen

Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das melancholische Mädchen durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existentialisten, für den Sex "auch nur noch ein Markt" ist, und wartet in einer Drag Bar "auf das Ende des Kapitalismus". Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten. In 15 komischen Begegnungen erforscht Susanne Heinrich in ihrem gefeierten Debütfilm die postmoderne, neoliberale Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, Ernüchterung und Glückszwang. "Das melancholische Mädchen" verbindet Pop und Theorie und ist voll von Zitaten, die man in Neonbuchstaben auf Werbetafeln leuchten sehen will. Beatrice Behn über eine feministiche Komödie, die sich nicht nur der Kino-üblichen männlich-normativen Blickführung verweigert, sondern auch den Ordnungen der konventionellen Filmkritik.
Kim hat einen Penis

Kim hat einen Penis

Kim und ihr Freund Andreas sind irgendwie glücklich. Doch Kim will mehr. Sie will einen Penis. Nicht, weil sie gerne ein Mann wäre, sondern einfach nur, weil sie neugierig ist und das der Beziehung vielleicht einen neuen Kick geben könnte. Im neuen Film von Philipp Eichholtz geht das auch ganz einfach: Ab in die Schweiz, wo die Bestimmungen lockerer sind, ein paar Stunden in der Tagesklinik und mit einem Schwanz retour nach Berlin. Und dann mal sehen, was dieses zusätzliche Körperteil so macht mit einem, dem Alltag und dem Freund. Um eine Geschichte über weibliche Selbstverwirklichung zu erzählen, bedient sich Eichholtz eines aus Gender- und Queer-Perspektive erschreckend naiven Plots. Sein Film ist dabei zwar nicht direkt homo- oder transphob, findet unser Autor Stefan Hochgesand, aber in einer per se transphoben Gesellschaft riskiert Eichholtz mit seiner kaum reflektierten Sex- und Geschlechterkomödie erhebliche Kollateralschäden.
Freak Show

Freak Show

Jetzt als DVD und VoD: Billy Bloom will nur eins in seinem Leben: fabelhaft sein! Für den frühreifen Teenager heißt das, größten Wert auf die richtige Kleidung, auf Haare und Make-up zu legen, perfekten Sinn für den besonderen Auftritt zu haben und vor allem nie langweilig zu sein. In der konservativen US-Kleinstadtschule, in die ihn sein steinreicher Vater gesteckt hat, stößt Billy mit seinem Charisma auf breites Unverständnis und offenes Mobbing. Nachdem ihn eine Gruppe homophober Mitschüler krankenhausreif geprügelt hat, holt Billy zum Gegenschlag aus – und erklärt seine Kandidatur zur Homecoming Queen. Als High-School-Film getarnt, erzählt "Freak Show" mit campem Humor, skurrilen Nebenfiguren und viel Herz die Außenseitergeschichte eines sonderbaren Jungen als nicht-heterosexuelles Selbstermächtigungs-Märchen. In Trudie Stylers Regiedebüt glänzen neben dem britischen Nachwuchsstar Alex Lawther ("Departure") auch Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine") als biestige Chef-Cheerleaderin und Schauspielikone Bette Midler als Billys exzentrische, aber weitgehend abwesende Mutter Muv. Anja Kümmel über einen extravaganten Coming-of-Age-Film, der eine Lanze für die Magie des schillernden Andersseins bricht.
Just Friends

Just Friends

Jetzt als DVD und VoD: Yad hat gerade sein Medizinstudium in Amsterdam geschmissen und kommt für ein paar Monate in die Kleinstadt, in der seine syrisch-stämmigen Eltern leben. Weil er in seinem alten Job als Surflehrer nicht mehr unterkommt, verdient er sich als Haushaltskraft bei der rüstigen alten Dame Ans etwas Geld dazu. Eines Nachmittags sitzt Ans attraktiver Enkel Joris am Tisch. Nach ersten Startschwierigkeiten lassen die beiden zusammen Drohnen steigen, daten stilecht im American Diner und versuchen zu surfen, ohne zu nass zu werden. Doch als sich der Sommer dem Ende zuneigt, müssen sie entscheiden, ob aus dem Flirt mehr werden kann oder ob sie doch nur Freunde bleiben. Ellen Smit und Henk Burger lassen in ihrer rasant geschriebenen Romantic Comedy nicht nur ein hinreißendes Paar zueinanderkommen, sondern auch eine ganze Reihe herrlich skurriler Nebenfiguren auftreten. In "Just Friends" geht es um die große Liebe und ganz nebenbei auch um richtige und falsche Zukunftspläne, überbesorgte und unbekümmerte Mütter, kulturelle Vorurteile, unverarbeitete Trauer und den Abschied von der Kindheit. Andreas Köhnemann über einen umwerfend charmanten schwulen Sommerfilm, der glücklich macht.
Postcards from London

Postcards from London

Neu auf DVD und als VoD: Regisseur Steve McLean hat sich nach seinem hochgelobten Erstling "Postcards from America" (1994) lange Zeit für seinen zweiten Film gelassen. Das Warten hat sich gelohnt! Diesmal schickt er uns "Postcards from London", eine selbstironische Ode an die Kunst der käuflichen Liebe, in der Escorts als die einzig wahren Träger schwuler Kulturgeschichte gelten. Die lustvolle Erweckungsgeschichte des jungen Jim aus der englischen Provinz in einem zum Neonlicht-Viertel hochstilisierten Soho der Gegenwart ist filmisch eng verwoben mit Fassbinders "Querelle" (1982) und Van Sants "My Own Private Idaho" (1991), mit den Bilderwelten Caravaggios und Derek Jarmans. In der Hauptrolle glänzt Harris Dickinson, der seit dem preisgekröntem Jugenddrama "Beach Rats" (2017) zu einem der aufregendsten Darsteller seiner Generation zählt. Andreas Köhnemann hat sich auf Expedition durch McLeans lustvoll-artifiziellen Referenzen-Dschungel begeben.
Suspiria

Suspiria

Nach seinem heiß geliebten schwulen Erweckungsfilm "Call Me by Your Name" hat sich Regisseur Luca Guadagnino das Remake eines italienischen Horror-Klassikers vorgenommen, Dario Argentos "Suspiria". Wie der berüchtigter Schlitzer-Film aus dem Jahr 1977 erzählt die Wiederverfilmung von einer jungen Amerikanerin, die als neue Schülerin an eine Ballettschule kommt und dort ins Zentrum einer mysteriösen Mordserie und die Fänge von satanischen Kräften gerät. Guadagnino verlegt die Handlung von Freiburg nach West-Berlin, verortet den Film dezidiert im Deutschen Herbst 1977 und macht aus der Balletschule einen lesbischen Hort und eine Welt quasi ohne Männer. Unser Autor und Horrorfilmexperte Jörg Buttgereit freut sich zwar über körperliche Exzesse und Tilda Swinton in einer unheimlichen Doppelrolle, ist von Guadagninos queerem Gegenentwurf aber nicht vollends überzeugt, vor allem weil er einen zwiespältigen Reiz des Originals vermisst.
Dating My Mother

Dating My Mother

Danny ist schon längst mit der Schule fertig, lebt aber noch immer bei seiner Mum in New Jersey und hat keinen richtigen Plan für die Zukunft. Die Tage verbringt er mit ausgeklügelten Yogaübungen, halbherzigen Grindr-Dates und zarten Versuchen, ein Filmdrehbuch zu schreiben. Eigentlich ist seine Mutter auch seine beste Freundin. Doch als Joan sich bei einer Dating-Plattform anmeldet und einen neuen Mann fürs Leben kennenlernen möchte, gerät Dannys heile Helikopter-Kind-Welt aus den Fugen ... Mike Roma verpackt seinen rasant geschriebenen Debütfilm als Komödie über die Risiken und Nebenwirkungen von Online-Dating. Für unseren Autor Frank Brenner ist „Dating my Mother“ aber auch eine berührende Mutter-schwuler-Sohn-Geschichte, die nur deswegen so komisch ist, weil sie sich nur unweit vom wahren Leben entfernt.
Mamma Mia: Here We Go Again

Mamma Mia: Here We Go Again

Zehn Jahre nach dem Mega-Hit "Mamma Mia!" (2008), der weltweit über 600 Millionen US-Dollar einspielte und nicht nur von ABBA-Fans als camper Kultfilm verehrt wird, folgt nun die unvermeidliche Forsetzung mit dem programmatischen Titel "Mamma Mia – Here We Go Again". Ausgedünnter Plot, Hits zweiter Wahl und kaum noch Meryl – kann das funktionieren? Ja, findet Patrick Heidmann. Cher ist schließlich auch noch da ...
Monika Treut: Female Misbehavior!

Monika Treut: Female Misbehavior!

Seit über 30 Jahren prägt die lesbische Regisseurin, Autorin und Produzentin Monika Treut mit ihren lustvoll-subversiven Spiel- und Dokumentarfilmen das queere Kino in Deutschland und der ganzen Welt. Die neue DVD-Box "Monika Treut: Female Misbehavior!" versammelt nun vier Schlüsselfilme aus dem Schaffen der unerschrockene Avantgardistin: ihren kühnen und von der damaligen Presse leidenschaftlich angefeindeten Debütfilm, das sadomasochistische Liebesdrama "Verführung: Die grausame Frau" (1985); das abenteuerliche Sex-Melodram "Die Jungfrauenmaschine" (1988); die in New York gedrehte Familienkomödie "My Father Is Coming" (1991); und den in San Francisco entstandenen und vielfach preisgekrönten trans*-futuristischen Dokumentarfilm "Gendernauts" (1999). Alle Filme wurden digital restauriert und werden von einem prallen Bonusprogramm ergänzt, das u.a. den Dokumentarfilm "Didn't Do It For Love" (1997) und die vierteilige Kurzfilmsammlung „Female Misbehavior“ (1992) beinhaltet. Erstmals ist damit Treuts bahnbrechendes Frühwerk vollständig in einer DVD-Edition vereint. Jan Künemund sprach mit Monika Treut, die vergangenes Jahr für ihr Lebenswerk mit dem Special Teddy der Berlinale ausgezeichnet wurde, über drei Jahrzehnte weibliche Kino-Lust, Gender-Science-Fiction und queere Pionierarbeit.
Verrückt nach Cécile

Verrückt nach Cécile

Als ihre Freundin Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich Hals über Kopf. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und vom einer Beziehung wirklich möchte... „Verrückt nach Cécile“ bedient sich genüsslich den Genre-Konventionen der zu Recht als heteronormativ verufenen Romantic Comedy, um diese im nächste Moment auf absurd-komische und reichlich queere Weise zu unterwandern. Endlich! Eine entzückende lesbische Liebeskomödie! Im März ist der Liebesreigen aus Frankreich in der queerfilmnacht zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.