Robin Campillo (Regisseur)

120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

Anfang der 1990er engagierte sich Robin Campillo in Paris selbst bei der Aids-Aktivistengruppe ACT UP. 25 Jahre später hat er über diese Zeit einen tief berührenden Film gedreht, der nicht nur der Verzweiflung und Trauer, sondern auch dem leidenschaftlichen Widerstand und der unbändigen Lebensfreude der Gruppe ein Denkmal setzt. Anlässlich des Kinostarts von "120 BPM" im November letzten Jahres haben wir Campillo zusammen mit der europäischen HIV/Aids-Forschungsgruppe EUROPACH ins Berliner Friedrichshain-Kreuzberg-Museum eingeladen. Im Gespräch mit den beiden Sozialwissenschaftlern Todd Sekuler (Humboldt-Universität, Berlin) und Agata Dziuban (Jagiellonen-Universität, Krakau) erinnerte sich Campillo an ausufernde Gruppendiskussionen, wütende Demonstrationen und schmerzlich vermisste Freunde – und erklärte, warum er schon lange mit dem politischen Aktivismus aufgehört und seine Widerständigkeit auf andere, filmische Bahnen gelenkt hat. Zum DVD- und VoD-Start von "120 BPM" zeigen wir hier eine Zusammenfassung der regen Runde, an der sich auch viele der anwesenden HIV/Aids-Aktivisten und -Forscher beteiligten.
120 BPM

120 BPM

Paris, Anfang der 1990er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft und der Politik geschwiegen. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen und schreckt auch vor spektakulären Protestaktionen nicht zurück. Der französische Regisseur Robin Campillo, der sich selbst jahrelang bei ACT UP engagierte, hat über diese Zeit nun einen großartigen Spielfilm gemacht – und damit dem französischen Aids-Aktivismus ein längst überfälliges filmisches Denkmal gesetzt. Durch die berührende Liebesgeschichte zwischen Nathan und Sean, zwei Mitgliedern der Gruppe, entfaltet "120 BPM" eine geradezu revolutionäre Kraft: In einem historischen Moment, in dem für HIV-Positive und deren Freunde das Politische von persönlicher, ja existentieller Bedeutung ist, begegnen die beiden der gesellschaftlichen Ignoranz und der Angst vor dem Tod mit rasendem Widerstand und einem unbändigen Willen zu leben. "120 BPM" wurde im diesjährigen Wettbewerb von Cannes uraufgeführt und u.a. mit dem Großen Preis der Jury und der Queer Palm ausgezeichnet. Jetzt ist Campillos Meisterwerk, das viele für den wichtigsten queeren Film des Jahres 2017 hielten, auch auf DVD und VoD zu sehen. Sascha Westphal hat sich mitreißen lassen.
Sieben Filme des Jahres

Sieben Filme des Jahres

2017 war ein großartiges Jahr für das nicht-heterosexuelle Kino! Nachdem im Februar mit Barry Jenkins' Meisterwerk "Moonlight" erstmals – und trotz einiger Bühnenunruhen – ein offen schwuler Film mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet worden war, liefen fast im Monatsrhythmus mitreißende queere Filme in den deutschen Kinos an: von Sebastián Lelios mit dem Teddy ausgezeichnetem Porträtfilm "Eine fantastische Frau" über die transsexuelle Marina und Francis Lees rauhem Liebesfilm "God's Own Country" bis zu Robin Campillos in Cannes gefeiertem Aids-Aktivismus-Drama "120 BPM". Wir haben für Euch unsere sieben Lieblingsfilme zusammengetragen und stellen Sie in Schlüsselmomenten und den Worten unserer Autor_innen noch einmal vor. Die Reise durch das queere Filmjahr führt uns in ein Dinner in Miami und in die Hochmoore Schottlands, auf eine Polizeistation in Santiago de Chile und die Untiefen der Wälder Nordportugals, in die Wildnis Montanas, ins gentrifizierte Brooklyn und in ein Schlafzimmer in Paris.