Wer oder was eine Sissy ist – das mit der österreichischen Kaiserin lassen wir jetzt mal weg – dürfte bei FilmfreundInnen kein Geheimnis sein. Diese in Hollywood erfundene Nebenfigur versinnbildlicht seit Stummfilmzeiten, dass die Personnage eines guten Films im besten Fall aus mehr als nur einem romantischen Hetero-Liebespaar bestehen muss. Sie ist eine glamouröse, sich verschleudernde Alternative. Oder wie es die glbtq-Enzyklopädie ausdrückt: „Die Sissy steht für eine begehrenswerte Welt aus Raffinesse und purem Vergnügen, weit entfernt vom langweiligen Status Quo.“

sissy sieben


KINO

SŒUR SOURIRE – DIE SINGENDE NONNE
von Stijn Coninx

PATRIK 1,5
von Ella Lemhagen

OUT OF THE BLUE
von Alain Tasma

L- und GAY-KURZFILMNACHT
Regisseur Stefan Butzmühlen im Interview

PLEIN SUD
von Sébastien Lifshitz

DANIEL SCHMID – LE CHAT QUI PENSE
von Pascal Hofmann und Benny Jaberg

TAXI ZUM KLO
von Frank Ripploh

WASSER UND BLUT
von John G. Young

FROM BEGINNING TO END
von Aluizio Abranches

RÜCKKEHR AND MEER
von François Ozon

ORLY
von Angela Schanelec

LA BOCCA DEL LUPO
von Pietro Marcello

Interview
THE KIDS ARE ALL RIGHT
von Lisa Cholodenko

HUMPDAY
von Lynn Shelton

L.A. ZOMBIE
von Bruce LaBruce


DVD

Interview
TIMIMOUN
von Michael Roes

SUNDAY, BLOODY SUNDAY
von John Schlesinger

und die Neuerscheinungen der letzten Zeit

PLUS

DER MOMENT: Michael Sollorz über
PRINZ IN HÖLLELAND
von Michael Stock

Philipp Wagner über seine Einkaufserlebnisse in der
BUCHHANDLUNG LÖWENHERZ


EDITION SALZGEBER

Es ist nicht zu übersehen – die SISSY ist etwas dick geworden. Aus schönem Anlass: Das überreiche queere Filmangebot in den deutschen Kinos füllt dieses Mal mühelos bisherige 32 und weitere zwölf Seiten. Nicht nur, dass sowohl der Spielfilm- („The Kids Are All Right“) als auch der Dokumentarfilm- („La Bocca Del Lupo“) Teddy-Gewinner der diesjährigen Berlinale ins Kino kommen, auch das Spektrum ist atemberaubend. In den nächsten drei Monaten bringen zwei der renommiertesten Regisseure des französischen Kinos ihre neuen Filme nach Deutschland (Ozon, Lifshitz), es gibt queere Mumblecore- und Berliner-Schule-Beiträge, den lang erwarteten Film über den Filmemacher Daniel Schmid, Zombie-Trash, Klassiker, Aufreger, Nischenfutter und gediegenes Arthouse-Kino. Und da ist noch nicht mal der Cannes-Gewinner dabei, den es auch ab September auf den Leinwänden zu bestaunen gibt: Apichatpong Weerasethakul, einer der aufregendsten Bildermacher unserer Zeit und Regisseur des Queer-Cinema-Klassikers „Tropical Malady“ präsentiert „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“. Darin verwandeln sich Männer in Frauen, Menschen in Tiere und Verstorbene in Geister – auch das ist ein Beitrag über die ständige Veränderbarkeit von Identitäten und sei an dieser Stelle einfach mal all jenen empfohlen, die im Kino tatsächlich neue Erfahrungen machen möchten.

Erwähnen möchten wir außerdem, dass die SISSY als schwärmerisches Fachblatt für den nicht-heterosexuellen Film einen kleinen Bruder bekommen hat: vor Kurzem ist in den USA die erste Ausgabe von „Little Joe“ erschienen, „a magazine about cinema and queers, mostly“. Der Herausgeber Sam Ashby ist wie viele von uns noch maßgeblich von den VHS-Zeiten geprägt, in denen man in bestimmten, für sich selbst bedeutsamen, meist erotisch aufgeladenen Momenten das Band an einer bestimmten Stelle einfach anhielt und es damit (und durch mehrmalige Wiederholung des Vorgangs) auf Dauer zerstörte. Doch um diese Momente geht es eben, der SISSY genauso wie dem kleinen Joe. Beide Hefte gibt es im Buchladen Ihres Vertrauens, bestimmt auch in dem, den wir auf Seite 45 porträtieren.


Hier gibt es die aktuelle SISSY bei Issuu:

 

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