Im Kino

Chavela

Chavela

„Ich glaube, es gibt keine Bühne auf dieser Welt, die groß genug für Chavela wäre“, hat Pedro Almodóvar einmal über Chavela Vargas gesagt. Bevor er die mexikanische Sängerin in den 90er Jahren in seinen Filmen „Die Waffen einer Frau“ und „Mein blühendes Geheimnis“ besetzte, hatte man sie in ihrer Heimat schon beinah vergessen. Dabei war die offen lesbische Chavela von den 50ern bis in die 70er eine der bekanntesten Musikerinnen Lateinamerikas und galt als Königin der Rancheras, der mexikanischen Volkslieder, die sie zu Stücken einer tief verletzten Seele umgestaltete. Catherine Gund und Daresha Kyi haben über die berüchtigte Liebhaberin und große Einzelgängerin nun einen berührenden Dokumentarfilm gedreht. Von Maria Marchetta.
The Party

The Party

Die britische Regisseurin Sally Potter, die Mitte der 1960er die Schule abbrach, um Filme zu machen, und mit dem mit einem Frauenteam gedrehten Erstling „Gold Diggers“ (1983), später mit „Orlando“ (1992) queer-feministische Meilensteine in die Filmgeschichte setzte, ist auch 2017 kein bisschen braver geworden. Im Gegenteil: Mit ihrem energetischen Schnellschuss „The Party“ zeichnet sie kammerspielartig aktuelle (geschlechter-)politische Frontlinien nach und brachte damit Schwung in den Berlinale-Wettbewerb. Hilfe bekam sie dafür von einem Cast europäischer A-Schauspieler. Da knallen nicht nur die Sektkorken. Von Alexandra Seitz
Der Ornithologe: Video-Interview mit João Pedro Rodrigues & João Rui Guerra da Mata

Der Ornithologe: Video-Interview mit João Pedro Rodrigues & João Rui Guerra da Mata

Seit über 20 Jahren arbeiten die beiden portugiesischen Filmemacher João Pedro Rodrigues und João Rui Guerra da Mata zusammen. Ihr Filme gehören zum Aufregensten, Mutigsten und Schönsten, was das queere Kino in Europa in dieser Zeit hervorgebracht hat. Schon in João Pedros erstem Kurzfilm "Parabéns!" (1997) spielte sein Lebensgefährte João Rui die Hauptrolle. Bei João Pedros ersten beiden Spielfilmen, "O Fantasma" (2000) und "Odete" (2005), war João Rui Art Director, bei "To Die Like a Man" (2009) schrieb er auch am Drehbuch mit. 2012 führten die beiden bei dem Essayfilm "The Last Time I Saw Macao" gemeinsam Regie. "Der Ornithologe" ist ihr vierter gemeinsamer Spielfilm, João Pedro führte Regie, João Rui schrieb wieder am Buch mit und war für Set und Kostüme zuständig. Wir haben mit den beiden über die vielfältigen Verwandlungen ihres traumhaften neuen Films gesprochen, über alte und neue Heiligenbilder und die Kraft queeren Begehrens.
Der Ornithologe

Der Ornithologe

Der neue, großartige Film von João Pedro Rodrigues („O Fantasma, 2000; „To Die Like a Man“, 2009) handelt von einem Ornithologen, der sich nach einem Bootsunglück alleine durch die Wälder Nordportugals kämpfen muss, vorbei an mysteriösen Hindernissen und erotischen Begegnungen. Rodrigues' sehr persönliche, höchst queere Interpretation der Legende des Heiligen Antonius ist wie ein Traum von Tod, Auferstehung und Märtyrertum: ein Delirium, in dem sich alle spirituellen und körperlichen Grenzen lustvoll auflösen. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde „Der Ornithologe“ zu Recht als Meisterwerk gefeiert und mit dem Silbernen Leoparden für die Beste Regie ausgezeichnet. Für uns wagt sich Sascha Westphal in Rodrigues' schwirrende Dschungelwelt der Rätsel und Verwandlungen, in der man erst alles verlieren muss, um sich selbst zu finden.
Ein Chanson für Dich

Ein Chanson für Dich

Isabelle Huppert singt wieder ­– in Rot! In „Ein Chanson für Dich“ (Originaltitel: „Souvenir“), dem neuem Film des „Noordzee, Texas“-Regisseurs Bavo Defurne, spielt sie eine ehemals gefeierte Sängerin, die sich schon lange aus dem Showbusiness zurückgezogen hat, als sie plötzlich mit der Möglichkeit eines Comebacks konfrontiert wird. Unsere Autorin Noemi Yoko Molitor findet, dass Dafurne damit eine der glaubwürdigsten Frauenfiguren jenseits der 50 entworfen hat, die es in den letzten Jahren im Kino zu sehen gab – auch weil Huppert diese Figur mit einer wundervollen Mischung aus abwartender Distanziertheit und verschrobener Würde belebt.
Dream Boat

Dream Boat

Acht Tage Kreuzfahrt mit 3.000 schwulen Männern aus 89 Nationen. Und Tristan Ferland Milewski war mit Kameras dabei. Für viele eine schreckliche Idee, für Anwesende eine große Party oder permanente Überforderung, für die Augen ein Fest, für den Filmemacher der Ansporn, hinter die oberflächliche Fassade des Glad-to-be-gay-Tourismus unter maximal reibungsfreien Bedingungen zu schauen. Ein Hoch auf die schwule Seefahrt. Oder sowas Ähnliches. Im Juli in der queerfilmnacht! Von Jan Künemund.
Dries

Dries

Der belgische Modemacher Dries van Noten gilt in seiner Branche als sensibler Stilist – und als einer der wenigen unter den namhaften Designern, die sich den Zugriffen der großen Labels ganz bewusst entziehen. Der deutsche Regisseur Reiner Holzemer hat über van Noten nun einen Dokumentarfilm gedreht. „Dries“ ist das Porträt eines äußerlich unauffälligen, künstlerisch jedoch überaus originellen Freigeistes. Von Barbara Schweizerhof.
ACT! – Wer bin ich?

ACT! – Wer bin ich?

In seinem neuen Dokumentarfilm „ACT! – Wer bin ich?“ schaut Rosa von Praunheim über den schwulen Tellerrand und findet mal wieder eine Heldin des Alltags, die ihre bürgerlichen Sicherheiten aufgegeben hat, um sich für soziale Veränderungen einzusetzen. Maike Plath macht „biografisches Theater“ mit Jugendlichen in Neukölln, deren Biografien andere oft nicht interessieren. Von Jan Künemund.
Mein wunderbares West-Berlin

Mein wunderbares West-Berlin

Mit einer Fülle von spektakulärem Archivmaterial und mitreißenden Interviews setzt Jochen Hick in seinem neuen, großartigen Dokumentarfilm "Mein wunderbares West-Berlin" der schwulen Mauerstadt ein persönlich eingefärbtes Denkmal. Vor dem offiziellen Kinostart am 29. Juni läuft der Film bereits den Juni über in der queerfilmnacht. Wir haben gleich drei Autoren aus mehr oder weniger unterschiedlichen Generationen gebeten, sich "Mein wunderbares West-Berlin" anzusehen. Frank Brenner, geboren 1974, hätte den Film gerne schon im Geschichtsunterricht behandelt. Toby Ashraf, Jahrgang 1982, lässt sich von der Offenheit der befragten Protagonist*innen berühren. Und für Hans Hütt, der 1953 zur Welt kam und selbst in West-Berlin gelebt hat, legen sich über Hicks Filmbilder Erinnerungen an alte Gefährten und die eigene Spur.
Whitney – Can I Be Me

Whitney – Can I Be Me

Am 11. Februar 2012 wird Whitney Houston leblos in der Badewanne ihres Hotelzimmer in Beverly Hills aufgefunden, als Todesursache wird Ertrinken festgestellt. In ihrem Körper werden zudem große Mengen Kokain und weiterer Drogen gefunden – Zeugen eines chronischen Missbrauchs. Spätestens seit Houstons frühem Tod im Alter von nur 48 Jahren ranken sich zahlreiche Mythen um die Diva. Im ersten postum erscheinenden Dokumentarfilm erzählt der britische Regisseur Nick Broomfield den Niedergang der Sängerin nun als Folge einer Geschichte der Verleugnung – ihrer afro-amerikanischen Wurzeln und ihrer Bisexualität. Von Christian Weber.