Im Kino

Tom of Finland: Interview mit Dome Karukoski

Tom of Finland: Interview mit Dome Karukoski

Dem Regisseur Dome Karukoski ist das zweifelhafte Kunststück geglückt, die obszöne Schwulenikone Tom of Finland zur Hauptfigur eines großformatigen und – zumindest in Finnland – massenkompatiblen Biopics zu machen. Im Interview mit sissy erzählt er, warum Tom of Finland für ihn eine Art schwuler James Bond ist, was Toms Kunst besonders explosiv macht und was die Finnen heute über einen ihrer bekannten Künstler denken.
Tom of Finland

Tom of Finland

Das heiß ersehnte Biopic über den finnischen Künstler Touko Laaksonen (1920-1991), besser bekannt als Tom of Finland, Meister des hypermaskulinen Comics und Ikone der Schwulenkultur, spaltet seine Zuschauer_innen. Während er in Finnland einen riesigen Hype ausgelöst hat, als Film des Jahres gefeiert und offiziell ins Oscar-Rennen geschickt wird, gibt es in Deutschland, wo der Film seit Donnerstag im Kino zu sehen ist, einiges Unbehagen von Seiten der Filmkritik, insbesondere bei queeren Autor_innen. Für sissy hat sich Peter Rehberg den Film angesehen – ein ausgewiesener Kenner von Tom of Finlands Werk und Autor des preisgekrönten Essays „Happy Homos. Über Tom of Finlands schwule Superhelden“ (2011).
God’s Own Country

God’s Own Country

Im Oktober geht es in der queerfilmnacht in die Berge und Hochmoore Yorkshires, die von Briten wegen ihrer rauen Schönheit auch „God’s Own Country“ genannt werden. Inmitten dieser archaischen Landschaft erzählt Regisseur Francis Lee die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schafsfarmer Johnny und dem rumänischen Saisonarbeiter Gheorghe derart mitreißend und bildgewaltig, dass der Film seit seiner Weltpremiere in Sundance von der Filmkritik kontinuierlich als „britisches ‚Brokeback Mountain‘“ bezeichnet wird. Für sissy schreibt Matthias Frings, warum „God’s Own Country“ den filmischen Vergleich zu Ang Lees Meilenstein des Queer Cinema nicht zu scheuen braucht und dennoch eine ganz andere, dreckigere und realistischere Perspektive auf seine Figuren und ihre Liebe entwickelt.
Chavela

Chavela

„Ich glaube, es gibt keine Bühne auf dieser Welt, die groß genug für Chavela wäre“, hat Pedro Almodóvar einmal über Chavela Vargas gesagt. Bevor er die mexikanische Sängerin in den 90er Jahren in seinen Filmen „Die Waffen einer Frau“ und „Mein blühendes Geheimnis“ besetzte, hatte man sie in ihrer Heimat schon beinah vergessen. Dabei war die offen lesbische Chavela von den 50ern bis in die 70er eine der bekanntesten Musikerinnen Lateinamerikas und galt als Königin der Rancheras, der mexikanischen Volkslieder, die sie zu Stücken einer tief verletzten Seele umgestaltete. Catherine Gund und Daresha Kyi haben über die berüchtigte Liebhaberin und große Einzelgängerin nun einen berührenden Dokumentarfilm gedreht. Von Maria Marchetta.
The Party

The Party

Die britische Regisseurin Sally Potter, die Mitte der 1960er die Schule abbrach, um Filme zu machen, und mit dem mit einem Frauenteam gedrehten Erstling „Gold Diggers“ (1983), später mit „Orlando“ (1992) queer-feministische Meilensteine in die Filmgeschichte setzte, ist auch 2017 kein bisschen braver geworden. Im Gegenteil: Mit ihrem energetischen Schnellschuss „The Party“ zeichnet sie kammerspielartig aktuelle (geschlechter-)politische Frontlinien nach und brachte damit Schwung in den Berlinale-Wettbewerb. Hilfe bekam sie dafür von einem Cast europäischer A-Schauspieler. Da knallen nicht nur die Sektkorken. Von Alexandra Seitz.
Der Ornithologe: Video-Interview mit João Pedro Rodrigues & João Rui Guerra da Mata

Der Ornithologe: Video-Interview mit João Pedro Rodrigues & João Rui Guerra da Mata

Seit über 20 Jahren arbeiten die beiden portugiesischen Filmemacher João Pedro Rodrigues und João Rui Guerra da Mata zusammen. Ihr Filme gehören zum Aufregensten, Mutigsten und Schönsten, was das queere Kino in Europa in dieser Zeit hervorgebracht hat. Schon in João Pedros erstem Kurzfilm "Parabéns!" (1997) spielte sein Lebensgefährte João Rui die Hauptrolle. Bei João Pedros ersten beiden Spielfilmen, "O Fantasma" (2000) und "Odete" (2005), war João Rui Art Director, bei "To Die Like a Man" (2009) schrieb er auch am Drehbuch mit. 2012 führten die beiden bei dem Essayfilm "The Last Time I Saw Macao" gemeinsam Regie. "Der Ornithologe" ist ihr vierter gemeinsamer Spielfilm, João Pedro führte Regie, João Rui schrieb wieder am Buch mit und war für Set und Kostüme zuständig. Wir haben mit den beiden über die vielfältigen Verwandlungen ihres traumhaften neuen Films gesprochen, über alte und neue Heiligenbilder und die Kraft queeren Begehrens.
Der Ornithologe

Der Ornithologe

Der neue, großartige Film von João Pedro Rodrigues („O Fantasma, 2000; „To Die Like a Man“, 2009) handelt von einem Ornithologen, der sich nach einem Bootsunglück alleine durch die Wälder Nordportugals kämpfen muss, vorbei an mysteriösen Hindernissen und erotischen Begegnungen. Rodrigues' sehr persönliche, höchst queere Interpretation der Legende des Heiligen Antonius ist wie ein Traum von Tod, Auferstehung und Märtyrertum: ein Delirium, in dem sich alle spirituellen und körperlichen Grenzen lustvoll auflösen. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde „Der Ornithologe“ zu Recht als Meisterwerk gefeiert und mit dem Silbernen Leoparden für die Beste Regie ausgezeichnet. Für uns wagt sich Sascha Westphal in Rodrigues' schwirrende Dschungelwelt der Rätsel und Verwandlungen, in der man erst alles verlieren muss, um sich selbst zu finden.
Ein Chanson für Dich

Ein Chanson für Dich

Isabelle Huppert singt wieder ­– in Rot! In „Ein Chanson für Dich“ (Originaltitel: „Souvenir“), dem neuem Film des „Noordzee, Texas“-Regisseurs Bavo Defurne, spielt sie eine ehemals gefeierte Sängerin, die sich schon lange aus dem Showbusiness zurückgezogen hat, als sie plötzlich mit der Möglichkeit eines Comebacks konfrontiert wird. Unsere Autorin Noemi Yoko Molitor findet, dass Dafurne damit eine der glaubwürdigsten Frauenfiguren jenseits der 50 entworfen hat, die es in den letzten Jahren im Kino zu sehen gab – auch weil Huppert diese Figur mit einer wundervollen Mischung aus abwartender Distanziertheit und verschrobener Würde belebt.
Dream Boat

Dream Boat

Acht Tage Kreuzfahrt mit 3.000 schwulen Männern aus 89 Nationen. Und Tristan Ferland Milewski war mit Kameras dabei. Für viele eine schreckliche Idee, für Anwesende eine große Party oder permanente Überforderung, für die Augen ein Fest, für den Filmemacher der Ansporn, hinter die oberflächliche Fassade des Glad-to-be-gay-Tourismus unter maximal reibungsfreien Bedingungen zu schauen. Ein Hoch auf die schwule Seefahrt. Oder sowas Ähnliches. Im Juli in der queerfilmnacht! Von Jan Künemund.
Dries

Dries

Der belgische Modemacher Dries van Noten gilt in seiner Branche als sensibler Stilist – und als einer der wenigen unter den namhaften Designern, die sich den Zugriffen der großen Labels ganz bewusst entziehen. Der deutsche Regisseur Reiner Holzemer hat über van Noten nun einen Dokumentarfilm gedreht. „Dries“ ist das Porträt eines äußerlich unauffälligen, künstlerisch jedoch überaus originellen Freigeistes. Von Barbara Schweizerhof.