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Die Taschendiebin

Die Taschendiebin

Die Bereitschaft zu schockieren hat den koreanischen Regisseur Park Chan-wook („Sympathy for Mr. Vengeance“, 2002; „Oldboy“, 2003; „Lady Vengeance“, 2005) zur Kultfigur unter den Fans blutiger Spektakel aufsteigen lassen, seinen Filmen aber auch den Ruf eingebracht, nur etwas für den „eingeübten Geschmack“ zu sein, mithin für die, die ein gewisses Maß an Blut und Gewalt mit blasierter Macho-Geste wegstecken. Wer in dieser Hinsicht schon von „Stoker“ (2013), Parks „gezähmtem“ Ausflug ins amerikanische Kino, enttäuscht war, wird sich über „Die Taschendiebin“ erneut wundern. Hier zeigt sich Park nämlich von einer bislang eher unbekannten Seite: als Meister in der Kunst der Zurückhaltung. Und als Meister darin, zu zeigen, was unter der Oberfläche von Zurückhaltung alles schwelen kann. Von Barbara Schweizerhof.
The Blue Hour

The Blue Hour

Der eben auf DVD erschienene Film "The Blue Hour" der thailändischen Regisseurin Anucha Boonyawatana hält einige Überraschungen parat – nicht nur weil er ein (schwules) Thailand zeigt, das selbst der neugierige Tourist nur selten zu Gesicht bekommt, sondern vor allem weil das anfängliche Schmunzeln auf den Lippen über die süße Coming-out- und Liebesgeschichte bald einem vor Entsetzen weit geöffneten Mund weicht. Ein Cruising-, Liebes- und Coming-out-Film, die sich langsam aber sicher zu einem Geister- und Horrorfilm wandelt. Von Micha Schulze.
Barash

Barash

Der israelische Coming-of-Age-Film „Barash“, der im November in der queerfilmnacht läuft, wurde von der Filmkritik mit Abdellatif Kechiches Cannes-Gewinner „Blau ist eine warme Farbe“ verglichen: ähnlich authentisch, genauso hip! Das Besondere an Michal Viniks Regiedebüt ist sein politischer Subtext: „Barash“ erzählt nicht nur davon, wie es für ein Mädchen ist, sich das erste Mal in anderes Mädchen zu verblieben, sondern stellt auch die Frage, wie frei man als junge Frau im heutigen Israel leben kann. Von Tania Witte.
Lichtes Meer

Lichtes Meer

Das Meer eignet sich seit Ewigkeiten als Kulisse für schwules Seemansgarn. Nicht selten ist früher einer aufs Schiff, um der heimatlichen Sexualkontrolle zu entfliehen. Doch wie lässt sich mannmännliche Romantik heute erzählen, in Zeiten der modernen Frachtschifffahrt? Stefan Butzmühlen ist das Wagnis eingegangen. "Lichtes Meer" erzählt von einer Matrosenliebe zwischen Vorpommern und Martinique, mit schluchzendem Soundtrack und wilden Meeresbildern, aber auch mit Blick für heutige Realitäten und beiden Beinen auf leicht schaukelndem Boden. Von Nikolaus Perneczky.
Köpek – Geschichten aus İstanbul

Köpek – Geschichten aus İstanbul

Einen Tag lang begleitet der Spielfilm von Esen Işık drei Menschen in der türkischen Hauptstadt, unter anderem die Transfrau Ebru. Drei kunstvoll verwobene Geschichten über die Sehnsucht nach Liebe in einer Gesellschaft, die aktuell nicht gerade zimperlich mit ihren Minderheiten umgeht. Die Filmemacherin mit kurdischem Hintergund hat in der Schweiz studiert, wurde dort aber jahrelang von der Abschiebung in die Türkei bedroht. Jetzt hat „Köpek“ zwei Schweizer Filmpreise gewonnen, u.a. für den besten Spielfilm. Cem Özdemir, der für den deutschen Kinostart die Schirmherrschaft übernommen hat, sieht in dem Film „ein eindringliches Plädoyer für Offenheit und Aufbruch in der Türkei". Von Florian Krauß.
Viva

Viva

Ab 15. September im Kino und im September in der queerfilmnacht: Jesús hat einen Traum: Travestiekünstler werden. Als Viva macht der schmächtige Jüngling seine ersten wackeligen Stöckelschritte auf der Bühne – und bekommt erstmal eine aufs Maul. Der Schläger: sein Vater. Der ist nach jahrelanger Abwesenheit wieder in Havanna aufgetaucht und macht sich nun im Leben seines Sohnes breit. Paddy Breathnachs leidenschaftlich gespieltes Coming-of-Age-Drama war Publikumshit in Telluride und Sundance, wurde für fünf irische Filmpreise nominiert und von Irland ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geschickt. Von Malte Göbel.
Life Is a Moment

Life Is a Moment

„Bollywoods Antwort auf ‚Brokeback Mountain‘“ versprachen indische Medien, als 2010 „Dunno Y… Na Jaane Kyun“ in die dortigen Kinos kam. Der Film – ein B-Movie um die Liebe zwischen einem Geschäftsmann und einem schwulen Nachwuchsschauspieler, das von plötzlichen Handlungsumschwüngen, Softporno-Ästhetik und allerhand Klischees geprägt ist – lässt den Vergleich gewagt erscheinen. Die Quasi-Fortsetzung „Life Is a Moment“ hat es nun aber sogar in die deutschen Kinos geschafft. Ein Film, dem es an Zwischentönen mangelt, der sich vielleicht aber gerade deswegen als Ausgangspunkt für einen kleinen Diskurs über Queerness in Bollywood anbietet. Von Florian Krauß.
Caracas, eine Liebe

Caracas, eine Liebe

Ein gut situierter älterer Herr stellt zwielichtigen Jungs nach, die er nach Belieben kaufen kann. Von Caracas, der angeblich gefährlichsten Stadt der Welt, sieht man in diesem nach ihr benannten Spielfilm allerhöchstens ein paar Straßenecken. Und von Liebe gar nichts. "Caracas, eine Liebe" von Lorenzo Vigas Castes erhielt 2015 den Goldenen Löwen auf dem Filmfestival von Venedig. Eine bedeutende Auszeichnung für ein so hartes wie konsequentes Vabanquespiel, das keine Sieger kennt. Von Michael Eckhardt.
Wo willst du hin, Habibi?

Wo willst du hin, Habibi?

Der neue Kreuzberger Heimatfilm von Tor Iben, „Wo willst Du hin, Habibi?“, macht sich nicht nur in seinem Titel über das Erzählmuster der Identitätssuche lustig. Das Leben seines Helden ist zwar unnötig, aber komödientauglich, komplizierter als es sein müsste, und doch weiß Habibi eigentlich ganz gut, wo er steht und wo er hin will. Von Jan Künemund.
Mein Bruder, der Held

Mein Bruder, der Held

In dem thailändischen Coming-Age-Drama „Mein Bruder, der Held“ ist Schwul- oder Transsein ganz selbstverständlich – aber auch Standesdenken, Korruption und mafiöse Strukturen. Der Debütfilm des koreanisch-amerikanischen Regisseurs Josh Kim wurde 2015 im Panorama der Berlinale uraufgeführt, vielfach ausgezeichnet und von Thailand ins Oscar-Rennen geschickt. Bei uns ist der Film über zwei Waisenbrüder, deren Schicksal ein Los bestimmt, vor kurzem auf DVD erschienen. Von Micha Schulze.