Verwandlungen

Moonlight

Moonlight

Nun startet er endlich in den deutschen Kinos, der erste mit dem Oscar für den Besten Film des Jahres ausgezeichnete Spielfilm mit nicht-heterosexueller Geschichte. Es gibt so viel Buzz und Gerede über „Moonlight“, über Oscars jetzt nicht mehr „so white“, schwule vs. queere Hauptfigur, den vermeintlichen Gegenentwurf zum „La La Land“, den Siegeszug eines Films aus mehrfacher Minderheitenposition heraus, dass unserer Text lieber wieder auf den Film selbst schauen möchte – auf sein Material, seinen Fluss, seine konstanten Transformationen. Es werden hoffentlich sowieso alle ins Kino gehen und sich selbst ein Bild machen. Von Noemi Yoko Molitor.
Alle Farben des Lebens

Alle Farben des Lebens

„Alle Farben des Lebens“ von Gaby Dellal ist Drama und Komödie. Er verspricht, ein Coming-Of-Age-Film über den Transjungen Ray zu sein (der englische Originaltitel lautet „About Ray“), will aber gleichzeitig – so verrät es wiederum der Arbeitstitel „Three Generations“ – eine Familienchronik über drei Generationen erzählen. Am Ende geht es immer weniger um Ray und immer mehr um eine erzählerisch nicht aufgelöste Idee von Zweigeschlechtlichkeit. Von Noemi Yoko Molitor.
Ediths Glocken – Der Film

Ediths Glocken – Der Film

Nach den Trashfilm-Klassikern „Mutti – Der Film“ (2003) und „18:15 ab Ostkreuz“ (2006) hat die Berliner Travestie-Legende Ades Zabel mit ihren Company-Co-Stars Biggy van Blond und Bob Schneider nun ihr BKA-Kultstück „Wenn Ediths Glocken läuten“ verfilmt. Das Ergebnis ist nicht weniger als der ultimative Neuköllner Weihnachtsfilm! Die semi-relevante Handlung: Hartz-VIII-Empfängerin Edith, Leggingsboutique-Besitzerin Biggy und Kiezwirtin Jutta beschließen das Heilige Fest dieses Jahr zusammen zu begehen: bei Edith in der Nogatstraße, mit lecker Gänsebraten und ganz viel 1,99-Euro-Rotwein vom Lidl. Ihre besinnliche Stimmung lassen sich die wilden Weiber weder von einem grausam verkohlten Vogel noch von einem explodierenden Weihnachtsbalkon vermiesen. Die Feier endet natürlich trotzdem im totalen Chaos. Anlässlich des Kinostarts von "Ediths Glocken – Der Film" hat Ades Zabels alter Weggefährte Jörg Buttgereit einen Blick zurück gewagt: auf die Geburt einer gewissen Edith Schröder und die brutalen Folgen für uns alle.
Die Florence Foster Jenkins Story

Die Florence Foster Jenkins Story

Florence Foster Jenkins gilt als die schlechteste Sängerin aller Zeiten. Dennoch machte die selbsternannte Operndiva im New York der 1920er Jahre unaufhaltsam Karriere: In ausgefallenen Kostümen und mit hemmungsloser Hingabe trat sie vor einem stetig wachsenden Publikum auf, veröffentlichte Schallplatten und brach 1944 mit ihrem legendären Auftritt in der Carnegie Hall alle Verkaufsrekorde. Regisseur Ralf Pleger spürt in "Die Florence Foster Jenkins Story" (Kinostart: 10. November) der unfassbaren Karriere einer Frau nach, die durch ihre phänomenale Talentlosigkeit und exzentrische Selbstüberschätzung zur Kultfigur und frühen Camp-Vertreterin wurde. In seiner flamboyanten Mischung aus Drama und Dokumentarfilm wird die Jenkins nicht von Meryl Streep dargestellt (die tritt erst Ende November in Stephen Frears' Biopic "Florence Foster Jenkins" auf), sondern von einer, die wirklich so singen kann, wie die Jenkins selbst immer zu klingen glaubte: US-Opernstar Joyce DiDonato. Ein Plädoyer für die Freiheit des schiefen Ausdrucks. Von Klaus Kalchschmid.
Köpek – Geschichten aus İstanbul

Köpek – Geschichten aus İstanbul

Einen Tag lang begleitet der Spielfilm von Esen Işık drei Menschen in der türkischen Hauptstadt, unter anderem die Transfrau Ebru. Drei kunstvoll verwobene Geschichten über die Sehnsucht nach Liebe in einer Gesellschaft, die aktuell nicht gerade zimperlich mit ihren Minderheiten umgeht. Die Filmemacherin mit kurdischem Hintergund hat in der Schweiz studiert, wurde dort aber jahrelang von der Abschiebung in die Türkei bedroht. Jetzt hat „Köpek“ zwei Schweizer Filmpreise gewonnen, u.a. für den besten Spielfilm. Cem Özdemir, der für den deutschen Kinostart die Schirmherrschaft übernommen hat, sieht in dem Film „ein eindringliches Plädoyer für Offenheit und Aufbruch in der Türkei". Von Florian Krauß.
Viva

Viva

Ab 15. September im Kino und im September in der queerfilmnacht: Jesús hat einen Traum: Travestiekünstler werden. Als Viva macht der schmächtige Jüngling seine ersten wackeligen Stöckelschritte auf der Bühne – und bekommt erstmal eine aufs Maul. Der Schläger: sein Vater. Der ist nach jahrelanger Abwesenheit wieder in Havanna aufgetaucht und macht sich nun im Leben seines Sohnes breit. Paddy Breathnachs leidenschaftlich gespieltes Coming-of-Age-Drama war Publikumshit in Telluride und Sundance, wurde für fünf irische Filmpreise nominiert und von Irland ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geschickt. Von Malte Göbel.
Wild Side

Wild Side

Mit seinem zweiten Kinospielfilm hat Sébastien Lifshitz im Jahr 2004 einen Klassiker des Queer Cinema geschaffen. Anlässlich der deutschen Wiederveröffentlichung auf DVD wirft SISSY einen neuen Blick auf Lifshitz‘ intimes Liebesdrama um drei Entwurzelte, das auch über zehn Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner poetischen Kraft verloren hat. Von Christian Weber.
Tangerine L.A.

Tangerine L.A.

Die Sundance-Überraschung des mit Hollywood-Taschengeld finanzierten "Tangerine L.A." wird vor allem dem Umstand zugerechnet, dass er innovativ, nämlich nur auf iPhones, gefilmt ist. Der Filmemacher Sean Baker, auch in seinen frühen Filmen gesellschaftlich marginalisierten Menschen mit großer Hollywood-Optik zur Seite stehend, hat aber aus genauer Beobachtung eine tatsächlich rührende Weihnachtsgeschichte gedreht, ohne die soziale Realität von Transgender-SexarbeiterInnen zu beschönigen. Und er ist der Empfehlung seiner DarstellerInnen gefolgt: „Sieh zu, dass der Film Spaß macht – sonst sehen wir ihn uns nicht an!“ Von Rajko Burchardt.
Girls Lost

Girls Lost

Alexandra-Therese Keining lässt ihren Film „Girls Lost“ mit einer Warnung beginnen: „Wenn Sie blind für alles Andersartige sind, ist diese Geschichte nichts für Sie!“ Wer könnte bei einem solchen Versprechen widerstehen!? Die Verfilmung des schwedischen Young-Adult-Bestsellers „Pojkarna“ hält, wovor sie warnt: „Girls Lost“ ist ein queeres Märchen über das Aufbegehren aller Sinne, das verträumt zwischen Coming-of-Age, Fantasy und Teenager-Romanze wandelt und mit beeindruckender Leichtigkeit alle üblichen Geschlechtergrenzen verwischt. Von Beatrice Behn.