Plötzlich alles anders

Take Me for a Ride

Take Me for a Ride

Ein Lichtstrahl, der durch Baumkronen bricht; ein Sommerkleid, das im Wind weht; nackte Füße, die über feuchtes Laub wandern; das Rauschen des Meeres. Für ihr sinnlich-konzentriertes Coming-of-Age-Drama über zwei Einzelgängerinnen, die zu einem intimen Paar verschmelzen, findet die junge Regisseurin Micaela Rueda von Beginn an eine naturverbunden betörende Filmsprache. Die beiden Hauptdarstellerinnen Samanta Caicedo und María Juliana Rángel entwickeln die Beziehung zwischen Sara und Andrea ohne viele Worte, sondern mit zärtlichen Blicken, Küssen, Berührungen. Ein Film der leisen Zwischentöne und großen Empfindungen. Von Jessica Ellen.
Siebzehn

Siebzehn

Im April ist es in der queerfilmnacht schon kurz vor den Sommerferien. Die Internatsschülerin Paula ist heimlich in Charlotte verliebt. Doch die ist mit Michael zusammen. Und dann bekommt Paula auch noch von Tim den Hof gemacht. Paula muss sich entscheiden, ob sie ihren eigenen Gefühlen folgt oder denen der anderen. Regie-Debütantin Monja Art zeigt in ihrem herrlich unkonventionellen Coming-of-Drama "Siebzehn" das Teenagersein in der niederösterreichischen Provinz als Achterbahnfahrt der Gefühle und in einer Ansammlung von amourösen Minidramen. Draußen hört man Blasmusik, ein Mähdrescher zieht seine Bahnen, und mit etwas Glück kommt bald ein Bus. "Sensibel, entschlossen, wunderbar", lobte die Jury des Max-Ophüls-Preises, als sie "Siebzehn" im Januar auszeichnete. sissy spürt der jugendlichen Sehnsucht nach – und entdeckt ein Verlangen von unaufgeregter Gewaltigkeit. Ein Film über all das, was plötzlich geschehen könnte. Von Tania Witte.
Freier Fall

Freier Fall

Tolle Neuigkeiten für alle Fans von „Freier Fall“: Die Pläne um die bereits mehrfach angekündigte Fortsetzung des Kultfilms über die Liebe zwischen zwei jungen Polizisten in der baden-württembergischen Provinz nehmen Fahrt auf! Am Wochenende startete die Produktionsfirma kurhaus production eine Crowdfunding-Kampagne für "Freier Fall 2", in dem Regisseur Stephan Lacant die Geschichte von Marc (Hanno Koffler) und Kay (Max Riemelt) nach dem Coming-out erzählen möchte. Funding-Ziel: satte 3 Millionen Euro. Wenn alles gut geht, kommt der Film Ende 2018 in die Kinos. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wirft sissy einen Blick zurück auf den ersten Teil, den es jetzt auch via Vimeo on Demand zu sehen gibt. Unser Autor Paul Schulz feierte "Freier Fall" 2013 als den wichtigsten schwulen deutschen Film seit "Sommersturm", weil ihm etwas gelingt, an dem die meisten anderen Filme scheitern: Er zeigt keine Klischees, sondern echte Figuren, die so sind wie du und ich.
Below Her Mouth

Below Her Mouth

Im März in der queerfilmnacht: Lesbische Erotik aus der richtigen Perspektive. Dass “Below Her Mouth” von einem reinen Frauenteam gedreht worden ist, ist vor allem deshalb wichtig, weil er sich traut, offen und selbstbewusst viel lesbischen Sex zu zeigen. Die Story verlässt sich auf die üblichen Hetero-zu-L-Konflikte, gibt aber dem physischen Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen (u.a. das androgyne Top-Model Erika Linder) viel Raum und begnügt sich nicht nur mit Andeutungen. Von Alexandra Seitz.
Der Ost-Komplex

Der Ost-Komplex

Stasi-Opfer, Schwul, Ostdeutsch, Über 40: Mario Rölligs Geschichte wird, je nach Kontext, mit jeweils anderen Schwerpunkten ins öffentliche Spiel gebracht. Jochen Hicks Annäherung rückt nichts zurecht und bringt keine falsche Ordnung in die Dynamik von Sich-Erzählen und Erzählt-Werden. Er zeigt vielmehr, zu welchen teils komischen, teils tragischen Effekten es führt, wenn Sender und Empfänger eines verfestigten Opferberichts unterschiedliche Agenden haben – und damit auch, wie verbissen die Diskurshoheit über die DDR-Geschichte immer noch verfolgt wird. Von Matthias Dell.
Teenage Kicks

Teenage Kicks

„Teenage Kicks“ erzählt von einer Jungsfreundschaft, die von gemeinsamer Flucht träumt und in Familientragödien stecken bleibt. Aber schnell entwickelt sich der Debütfilm von Craig Boreham zur aufregenden Odyssee eines erfahrungshungrigen Teenagers, der sich zwischendurch mehr erregende Räume öffnet, als er am Ende in bürgerlicher Absicht wieder schließen kann. Ein typischer Vertreter des jüngeren schwullesbischen Kinos aus Australien: deftig, offen, etwas grell und entschieden nach Intensitäten suchend. Und gesurft wird natürlich auch. Von Jan Künemund.
Alle Farben des Lebens

Alle Farben des Lebens

„Alle Farben des Lebens“ von Gaby Dellal ist Drama und Komödie. Er verspricht, ein Coming-Of-Age-Film über den Transjungen Ray zu sein (der englische Originaltitel lautet „About Ray“), will aber gleichzeitig – so verrät es wiederum der Arbeitstitel „Three Generations“ – eine Familienchronik über drei Generationen erzählen. Am Ende geht es immer weniger um Ray und immer mehr um eine erzählerisch nicht aufgelöste Idee von Zweigeschlechtlichkeit. Von Noemi Yoko Molitor.
Departure

Departure

Andrew Steggall erzählt in seinem Regiedebüt "Departure", das im Dezember in der queerfilmnacht läuft, von einem Spätsommer in Südfrankreich, in dem eine Kindheit zu Ende geht und die Illusion der heilen bürgerlichen Familie zerbricht. Der britische Nachwuchsstar Alex Lawther, der bereits als junger Alan Turing in „The Imitation Game“ glänzte, spielt darin den Teenager Elliot: einen schriftstellerisch begabten Träumer, der beherzt nach einer Sehnsucht greift, die schon lange zuvor in der Luft lag. Ein märchenhaft melancholischer Film im Zeichen jugendlichen Aufbruchs. En garde! Von Matthias Frings.
Speed Walking

Speed Walking

Coming of Age in der dänischen Provinz, in den 1970er Jahren. Wie der 14-jährige Martin ohne Mutter ins Leben findet, und dabei die Bodenhaftung behält, wie es auch in seiner athletischen Disziplin, dem Gehen, verlangt wird, das erzählt der preisgekrönte Jugendfilm von Niels Arden Oplev in bewährter „skandinavian frankness“. Von Natália Wiedmann.
La belle saison – Eine Sommerliebe

La belle saison – Eine Sommerliebe

Stadt und Land, Enge und Weite, Stillstand und Aufbruch – Catherine Corsinis Melodram lässt Gegensätze aufeinander prallen, brüchig werden, und ist selbst dabei immer in Bewegung. Cécile de France und Izïa Higelin in einer großen Liebesgeschichte, die sich mit dem privaten und gesellschaftlichen Aufbruch auseinander setzt. Von Sascha Westphal.