Flammende Bilder

das nicht-heterosexuelle Filmprogramm

Eine fantastische Frau

Eine fantastische Frau

Spätestens seit seinem berührenden und vielfach preisgekrönten Porträtfilm „Gloria“ (2013) gilt der chilenische Regisseur Sebastián Lelio als Meister des sozialrealistischen Melodrams. In seinem neuen Film erzählt er die Geschichte einer anderen fantastischen Frau aus Santiago de Chile: der Kellnerin und Sängerin Marina, die einst ein Mann war. Als ihr Partner stirbt, muss sie sich gegen perfide Anfeindungen behaupten und darum kämpfen, um ihren Geliebten trauern zu dürfen. „Eine fantastische Frau“ wurde auf der Berlinale 2017 uraufgeführt und dort gleich doppelt ausgezeichnet: mit dem Silbernen Bären für das Beste Drehbuch und dem Teddy Award für den Besten Spielfilm. Jetzt erhielt der Film auch den Oscar als Bester fremdsprachiger Film. Von Barbara Schweizerhof.
Verrückt nach Cécile

Verrückt nach Cécile

Als ihre Freundin Schluss macht, ist Océanerosemarie nur einen Moment lang am Boden zerstört. Schließlich hat die quirlige und party-erprobte Osteopathin eine durchgeknallte Familie und ungefähr 76 Ex-Freundinnen, die sie auf Trab halten. Doch dann lernt sie beim Joggen die bildhübsche Cécile kennen – und verliebt sich Hals über Kopf. Um Céciles Herz zu gewinnen, muss sich Océanerosemarie einiges einfallen lassen – und sich fragen, was sie im Leben und vom einer Beziehung wirklich möchte... „Verrückt nach Cécile“ bedient sich genüsslich den Genre-Konventionen der zu Recht als heteronormativ verufenen Romantic Comedy, um diese im nächste Moment auf absurd-komische und reichlich queere Weise zu unterwandern. Endlich! Eine entzückende lesbische Liebeskomödie! Im März ist der Liebesreigen aus Frankreich in der queerfilmnacht zu sehen. Von Barbara Schweizerhof.
God’s Own Country

God’s Own Country

Mit großem Trommelwirbel starten heute die 68. Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Für viele war "God's Own Country" der schönste queere Film der letzten Berlinale, wo er auch mit dem Preis der "Männer"-Leser_innen-Jury ausgezeichnet wurde. Jetzt gibt es die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Schafsfarmer Johnny und dem rumänischen Saisonarbeiter Gheorghe auch auf DVD, Blu-ray und Video on Demand.
Pihalla

Pihalla

Nachdem Miku bei einer Party beinahe die Wohnung seiner Eltern in Schutt und Asche gelegt hat, muss er zur Strafe für den Rest der Ferien mit ihnen ins Häuschen aufs Land. Es droht ein Sommer der Langeweile. Bis auf einmal der smarte und selbstbewusste Elias im Garten auftaucht und sich als Nachbar vorstellt. Plötzlich fühlt sich der Sommer für Miku so toll an, dass er am besten nie mehr endet. Unser Autor Paul Schulz hat sich "Pihalla", der im Februar in der queerfilmnacht läuft, angesehen und findet: Nils-Erik Ekbloms Spielfilmdebüt ist schlau, sexy, sehr, sehr komisch und eine zarte, ganz untypisch finnische Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern.
120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

120 BPM – Gespräch mit Robin Campillo

Anfang der 1990er engagierte sich Robin Campillo in Paris selbst bei der Aids-Aktivistengruppe ACT UP. 25 Jahre später hat er über diese Zeit einen tief berührenden Film gedreht, der nicht nur der Verzweiflung und Trauer, sondern auch dem leidenschaftlichen Widerstand und der unbändigen Lebensfreude der Gruppe ein Denkmal setzt. Anlässlich des Kinostarts von "120 BPM" im November letzten Jahres haben wir Campillo zusammen mit der europäischen HIV/Aids-Forschungsgruppe EUROPACH ins Berliner Friedrichshain-Kreuzberg-Museum eingeladen. Im Gespräch mit den beiden Sozialwissenschaftlern Todd Sekuler (Humboldt-Universität, Berlin) und Agata Dziuban (Jagiellonen-Universität, Krakau) erinnerte sich Campillo an ausufernde Gruppendiskussionen, wütende Demonstrationen und schmerzlich vermisste Freunde – und erklärte, warum er schon lange mit dem politischen Aktivismus aufgehört und seine Widerständigkeit auf andere, filmische Bahnen gelenkt hat. Zum DVD- und VoD-Start von "120 BPM" zeigen wir hier eine Zusammenfassung der regen Runde, an der sich auch viele der anwesenden HIV/Aids-Aktivisten und -Forscher beteiligten.
120 BPM

120 BPM

Paris, Anfang der 1990er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft und der Politik geschwiegen. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen und schreckt auch vor spektakulären Protestaktionen nicht zurück. Der französische Regisseur Robin Campillo, der sich selbst jahrelang bei ACT UP engagierte, hat über diese Zeit nun einen großartigen Spielfilm gemacht – und damit dem französischen Aids-Aktivismus ein längst überfälliges filmisches Denkmal gesetzt. Durch die berührende Liebesgeschichte zwischen Nathan und Sean, zwei Mitgliedern der Gruppe, entfaltet "120 BPM" eine geradezu revolutionäre Kraft: In einem historischen Moment, in dem für HIV-Positive und deren Freunde das Politische von persönlicher, ja existentieller Bedeutung ist, begegnen die beiden der gesellschaftlichen Ignoranz und der Angst vor dem Tod mit rasendem Widerstand und einem unbändigen Willen zu leben. "120 BPM" wurde im diesjährigen Wettbewerb von Cannes uraufgeführt und u.a. mit dem Großen Preis der Jury und der Queer Palm ausgezeichnet. Jetzt ist Campillos Meisterwerk, das viele für den wichtigsten queeren Film des Jahres 2017 hielten, auch auf DVD und VoD zu sehen. Sascha Westphal hat sich mitreißen lassen.
Mein wunderbares West-Berlin

Mein wunderbares West-Berlin

Neu auf DVD: Mit einer Fülle von spektakulärem Archivmaterial und mitreißenden Interviews setzt Jochen Hick in seinem großartigen Dokumentarfilm "Mein wunderbares West-Berlin" der schwulen Mauerstadt ein persönlich eingefärbtes Denkmal. Wir haben gleich drei Autoren aus mehr oder weniger unterschiedlichen Generationen gebeten, sich "Mein wunderbares West-Berlin" anzusehen. Frank Brenner, geboren 1974, hätte den Film gerne schon im Geschichtsunterricht behandelt. Toby Ashraf, Jahrgang 1982, lässt sich von der Offenheit der befragten Protagonist*innen berühren. Und für Hans Hütt, der 1953 zur Welt kam und selbst in West-Berlin gelebt hat, legen sich über Hicks Filmbilder Erinnerungen an alte Gefährten und die eigene Spur.
Der Moment: My Private Idaho

Der Moment: My Private Idaho

In knapp vier Wochen startet die Berlinale, und mit besonderer Spannung wird der neue Film von Gus Van Sant erwartet: "Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot", ein Biopic über den Portlander Cartoon-Künstler John Callahan, der von Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix gespielt wird. Van Sants Geschichte mit dem Festival geht bis ins Jahr 1987 zurück, in dem er seinen bahnbrechenden Debütfilm "Mala Noche" erstmals einem großen internationalen Publikum vorstellte und seine Weltkarriere als Regisseur so richtig begann. Vier Jahre später zeigte er in Berlin seinen dritten Film, "My Private Idaho", der für viele Schwule zum Schlüsselfilm für die eigene Identitätsfindung wurde und heute als Meilenstein des New Queer Cinema gilt. Auch als wir den Schriftsteller und Journalisten Matthias Frings – der nicht nur regelmäßig für die sissy Filme bespricht, sondern auch Autor von Büchern wie der Schernikau-Biografie „Der letzte Kommunist“ (2009) und dem Roman „Manchmal ist das Leben“ (2014) ist – nach seinem filmischen Lieblingsmoment fragten, erinnerte er sich an diese eine Szene am Lagerfeuer, irgendwo in Idaho.
Ein Weg

Ein Weg

Andreas und Martin sind ein Paar, seit vielen Jahren schon, eingespielt und routiniert. Andreas‘ Sohn Max aus einer früheren, heterosexuellen Beziehung haben sie gemeinsam großgezogen. Die drei wirken wie eine perfekte Patchworkfamilie. Doch als Max sein Zuhause verlässt, gerät auch die Partnerschaft zwischen Andreas und Martin ins Treiben. Chris Miera, Absolvent der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, begibt sich in seinem Spielfilmdebüt auf die Spuren einer langen Beziehung. Am Donnerstag startet „Ein Weg“, der letztes Jahr auf der Berlinale uraufgeführt wurde, in den deutschen Kinos. Von Frank Brenner.
The Limehouse Golem

The Limehouse Golem

Regisseur Juan Carlos Medina gelingt mit „The Limehouse Golem“, den es jetzt auf DVD und Blu-ray gibt, ein beachtlicher Balanceakt: Einerseits ist sein Film ein typischer viktorianischer Thriller, der unterschwellig auf die Jack-the-Ripper-Morde anspielt und in seinen mörderischen Set Pieces genüsslich italienische Gialli zitiert. Anderseits erweist sich seine Vision eines in Schmutz und Schmerz versinkenden London als eine berauschende und reichlich queere Hommage an die subversive Kraft des Theaters und Schauspiels. Vor allem ist seine erstaunlich warmherzige Verfilmung von Peter Ackroyds postmodernem Roman-Pastiche aber das intensive Porträt zweier Menschen, die nicht gerettet werden wollen. Von Sascha Westphal.