Machtspiele

Nocturnal Animals

Nocturnal Animals

Tom Ford, der vor acht Jahren mit der bestechend schönen, schonungslos klaren Christopher-Isherwood-Verfilmung "A Single Man" als Regisseur debütierte und angeblich zudem als Modedesigner bekannt ist, hat endlich seinen zweiten Spielfilm gedreht. Auch "Nocturnal Animals", der auf einem Roman von Austin Wright basiert, ist eine raffiniert verspiegelte Studie über Einsamkeit, doch führt diese weit tiefer ins Verborgene als ihre Vorgängerin, ist erzählerisch zersplittert und voll von latenter und manifester Gewalt. Ein monströser Film über die Frage nach dem richtigen Leben, über Schuld, Rache und Verzweiflung – und über das Amerika der Gegenwart. Anlässlich des DVD/Blu-ray-Starts von "Nocturnal Animals" wagt sich Sascha Westphal auf Fords dunkles Terrain.
Die Taschendiebin

Die Taschendiebin

Die Bereitschaft zu schockieren hat den koreanischen Regisseur Park Chan-wook („Sympathy for Mr. Vengeance“, 2002; „Oldboy“, 2003; „Lady Vengeance“, 2005) zur Kultfigur unter den Fans blutiger Spektakel aufsteigen lassen, seinen Filmen aber auch den Ruf eingebracht, nur etwas für den „eingeübten Geschmack“ zu sein, mithin für die, die ein gewisses Maß an Blut und Gewalt mit blasierter Macho-Geste wegstecken. Wer in dieser Hinsicht schon von „Stoker“ (2013), Parks „gezähmtem“ Ausflug ins amerikanische Kino, enttäuscht war, wird sich über „Die Taschendiebin“ erneut wundern. Hier zeigt sich Park nämlich von einer bislang eher unbekannten Seite: als Meister in der Kunst der Zurückhaltung. Und als Meister darin, zu zeigen, was unter der Oberfläche von Zurückhaltung alles schwelen kann. Von Barbara Schweizerhof.
Unbedingter Gehorsam

Unbedingter Gehorsam

Der mexikanische Priester Marcial Maciel (1920-2008), Gründer der berüchtigten 'Legionäre Christi', hat vor zehn Jahren einen der größten Skandale der katholischen Kirche in Südamerika ausgelöst, als er des jahrzehntelangen Kindesmissbrauchs überführt und unehrenhaft aus dem Kirchendienst entlassen. Vor einem weltlichen Gericht musste er sich nie verantworten. "Unbedingter Gehorsam" basiert auf Marcial Maciels Fall, Regisseur Luis Urquiza erzählt die Geschichte aber aus der Perspektive eines seiner Opfer. Eine Studie über kirchliche Machtgefüge, die den Missbrauch erst ermöglichten, und über spirituelle Verführung, die einzig pädophilem Begehren dient. Von Alexandra Seitz.
Duke of Burgundy

Duke of Burgundy

Der Duke of Burgundy ist nicht etwa die einzige männliche Figur im neuen Spielfilm von Peter Strickland, sondern der Name eines Schmetterlings, hamearis lucina, deutsch „Schlüsselblumen-Würfelfalter“. Er ist ein eher nebensächliches Objekt des Interesses zweier zusammen lebender Insektenforscherinnen, deren rigider, durchperfomter Alltag ansonsten von abgründigen Leidenschaften geprägt ist. Ganz grundsätzlich ist in diesem Film nichts so, wie es auf den dritten Blick erscheint. Von Alexandra Seitz.
Sand Dollars

Sand Dollars

Geraldine Chaplin, Autorenfilmikone mit strahlendem Lächeln und tieftraurigen Augen, bekommt nur noch selten Gelegenheit, ihre große Kunst zu zeigen. In Spanien, wo die Schauspielerin seit ihrer Zusammenarbeit mit Carlos Saura in 1970ern ein Star ist, sei sie mittlerweile auf die Rolle der gruseligen Alten festgesetzt, erzählte sie kürzlich in einem Interview. In dem karibischen Liebesdrama „Sand Dollars“, ihrer ersten Hauptrolle seit einer gefühlten Ewigkeit, darf sie endlich wieder ganz andere Sachen machen als unheimlich gucken. Von Maike Schultz.