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Serienfieber

Serienfieber

Als im Jahr 2015 die Ankündigung des Endes der bahnbrechenden queeren HBO-Serie "Looking" nach nur zwei Staffeln (und einem abschließenden Fernsehfilm) zahlreiche Protestler auf den Plan rief, gab Paul Schulz in der sissy Entwarnung: Er sähe keinen Grund für Befürchtungen vor einem Rückzug nicht-heterosexueller Geschichten aus dem Fernsehen, man müsse im Gegenteil sogar das goldene Zeitalter des queeren TV ausrufen! Zwei Jahre später wagt Rajko Burchardt eine neue Bestandsaufnahme in Zeiten von Netflix und Amazon Prime, schwärmt über "Transparent", "Sense8" und "I Love Dick" – und erklärt, warum die queere Serien-Blüte erst durch die Streaming-Revolution möglich geworden ist.
Jan Krüger

Jan Krüger

"Seine visuellen (E)Motionen gehen von einer verborgenen Sehnsucht der Figuren aus und münden, nach einer Kreisbewegung, in dieselbe zurück. Dazwischen verstreicht die Zeit", schreibt Gunther Geltinger über das Œuvre von Jan Krüger. Bisher haben Krügers Langfilme diese Bewegung sogar im Titel mit sich getragen: „Unterwegs“ (2007), „Rückenwind“ (2009), „Auf der Suche“ (2011). In seinem jüngsten Film „Die Geschwister“ ersetzt nun ein scheinbar statischer Begriff dieses Bewegungsbild, der jedoch - auch das ist typisch für Krüger - normative, traditionelle und mythische Beziehungsvorstellungen vereint. Anlässlich der DVD-Premiere von "Die Geschwister" blickt sissy auf Krügers bisherige Etappen.
Die Geschwister

Die Geschwister

Jan Krüger dreht konsequent Filme mit queeren Geschichten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht für einen sich als schwul identifizierenden Filmemacher in Deutschland. Seine bisherigen drei Langfilme erzählen allesamt keine Coming-out-Storys (das erledigte er – auf originelle Weise – in seinem Kurzfilme „Freunde“ von 2001). Das Schwulsein der Figuren ist bei ihm nie ein Thema an sich, sondern wird stets mit anderen Erfahrungen verknüpft. Sein neuer Film „Die Geschwister“ handelt von Berlin als Stadt und Begehrensraum und folgt dem Erzählmuster eines Märchens. Die Geschichte von einem, der sich bisher aus allem raushielt, und der durch die Liebe lernt, soziale Verantwortung zu übernehmen... Von Gunther Geltinger.
Das Nest

Das Nest

Binge-watching auf der großen Leinwand: Im Mai zeigt die queerfilmnacht keinen klassischen Kinofilm, sondern die großartige, durch und durch queere Miniserie „Das Nest“ der jungen brasilianischen Regisseure Filipe Matzembacher und Marcio Reolon („Seashore“). Die vierteilige Serie erzählt von einer Brudersuche in Porto Alegre, die unverhofft zu neuen Freiheiten führt, und vom subversiven Entwurf einer alternativen Familie, die keine Formen der Ausgrenzung mehr kennt. Unser Autor Toby Ashraf hat sich mit den beiden Filmemachern via Skype über die Entstehungsgeschichte der Serie unterhalten, über queeres Leben in Brasilien und die vielfältigen Formen des Widerstands, die „Das Nest“ entwirft.
Toro

Toro

In der Welt von Toro und Victor wird nicht viel geredet, da sprechen die Körper. Sport, Sucht, Sex (solange er keinen Spaß macht) sind ihre Kommunikationsmittel. Die naiv erträumte bromoerotische Zukunft, in der gemeinsam geschwiegen werden kann, liegt außerhalb der Bilder, die in der Gegenwart von harten Gegensätzen geprägt sind. Martin Hawies zweiter Film, uraufgeführt in der Berlinale-Sektion Perspektive, ist ein kontrastreiches Genrestück, in dem es kein Grau und keinen Zwischenton gibt. Von Alexandra Seitz.
Esteros

Esteros

Papu Curottos Langfilmdebüt „Esteros“ ist eigentlich ein schwules Coming-out-Drama, wirkt aber zunächst wie ein Zombiefilm. Dabei erzählen der Regisseur und seine Drehbuchautorin Andi Nachon nur am Rande von schlurfenden Untoten. Ihrem Film mangelt es streckenweise schlicht an Lebendigkeit. Doch wer sich von dem anfänglichen Kleben an filmischen Konventionen nicht verschrecken lässt, wird mit unverhofften Wendungen belohnt – und mit schwelgerisch leichten Landschaftsimpressionen, die von einer Liebe erzählen, die dabei ist, sich zu befreien. Von Carsten Moll.
Auf den zweiten Blick

Auf den zweiten Blick

Eines Tages erhält der Grafikdesigner Dean eine E-Mail von seinem Ex-Freund Alex, von dem er 15 Jahre lang nichts gehört hat. Jetzt will Alex ihn wiedersehen. Nach einigem Zögern entscheidet sich Dean zu einem Treffen und lädt Alex in sein Ferienhaus nach Joshua Tree ein. Dort entflammt sofort die alte Leidenschaft, aber mit der Vertrautheit kommen auch die Zweifel von früher – und die Fragen nach den vielen Jahre dazwischen. Tim Kirkman („Loggerheads“) hat sich in seinem neuen Film auf ein hochemotionales Gedanken­experiment eingelassen – und spielt dabei gekonnt mit den visuellen Möglichkeiten des narrativen Kinos. Von Frank Brenner.
Freier Fall

Freier Fall

Tolle Neuigkeiten für alle Fans von „Freier Fall“: Die Pläne um die bereits mehrfach angekündigte Fortsetzung des Kultfilms über die Liebe zwischen zwei jungen Polizisten in der baden-württembergischen Provinz nehmen Fahrt auf! Am Wochenende startete die Produktionsfirma kurhaus production eine Crowdfunding-Kampagne für "Freier Fall 2", in dem Regisseur Stephan Lacant die Geschichte von Marc (Hanno Koffler) und Kay (Max Riemelt) nach dem Coming-out erzählen möchte. Funding-Ziel: satte 3 Millionen Euro. Wenn alles gut geht, kommt der Film Ende 2018 in die Kinos. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wirft sissy einen Blick zurück auf den ersten Teil, den es jetzt auch via Vimeo on Demand zu sehen gibt. Unser Autor Paul Schulz feierte "Freier Fall" 2013 als den wichtigsten schwulen deutschen Film seit "Sommersturm", weil ihm etwas gelingt, an dem die meisten anderen Filme scheitern: Er zeigt keine Klischees, sondern echte Figuren, die so sind wie du und ich.
Auf der Suche

Auf der Suche

Ein Paar, unterwegs. Aber dieses Paar hat es in sich: eine Frau, die in der fremden Stadt ihren vermissten Sohn sucht – und dessen Exfreund, der ihr dabei helfen soll. Wer kannte Simon besser? In Jan Krügers drittem Spielfilm aus dem Jahr 2011 steht Kernfamilie gegen Wahlfamilie, Mutter gegen Liebhaber. Von Gunther Geltinger.
Rückenwind

Rückenwind

Johann, ein junger Mann Anfang 20, wartet in einer Klinik. Der Beginn einer Parabel wird erzählt: vom Hasen, der einem Fuchs die Freundschaft anbietet. Johann überlegt, wer in seiner Beziehung zu Robin der Fuchs und wer der Hase war. Und wer eigentlich die Idee zu dem Ausflug hatte, den der Film nun in einer Rückblende erzählt... Auch Jan Krügers zweiter Langfilm nach dem gefeierten Road Movie "Unterwegs" spielt auf Landstraßen und Feldwegen. Diesmal aber steht ganz klar eine schwule Beziehung im Mittelpunkt. Unser Autor André Wendler fand zum Kinostart: „Wenn man diese Bilder sieht, muss es einem gut gehen.“