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Freier Fall

Freier Fall

Tolle Neuigkeiten für alle Fans von „Freier Fall“: Die Pläne um die bereits mehrfach angekündigte Fortsetzung des Kultfilms über die Liebe zwischen zwei jungen Polizisten in der baden-württembergischen Provinz nehmen Fahrt auf! Am Wochenende startete die Produktionsfirma kurhaus production eine Crowdfunding-Kampagne für "Freier Fall 2", in dem Regisseur Stephan Lacant die Geschichte von Marc (Hanno Koffler) und Kay (Max Riemelt) nach dem Coming-out erzählen möchte. Funding-Ziel: satte 3 Millionen Euro. Wenn alles gut geht, kommt der Film Ende 2018 in die Kinos. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wirft sissy einen Blick zurück auf den ersten Teil, den es jetzt auch via Vimeo on Demand zu sehen gibt. Unser Autor Paul Schulz feierte "Freier Fall" 2013 als den wichtigsten schwulen deutschen Film seit "Sommersturm", weil ihm etwas gelingt, an dem die meisten anderen Filme scheitern: Er zeigt keine Klischees, sondern echte Figuren, die so sind wie du und ich.
Moonlight

Moonlight

Nun startet er endlich in den deutschen Kinos, der erste mit dem Oscar für den Besten Film des Jahres ausgezeichnete Spielfilm mit nicht-heterosexueller Geschichte. Es gibt so viel Buzz und Gerede über „Moonlight“, über Oscars jetzt nicht mehr „so white“, schwule vs. queere Hauptfigur, den vermeintlichen Gegenentwurf zum „La La Land“, den Siegeszug eines Films aus mehrfacher Minderheitenposition heraus, dass unserer Text lieber wieder auf den Film selbst schauen möchte – auf sein Material, seinen Fluss, seine konstanten Transformationen. Es werden hoffentlich sowieso alle ins Kino gehen und sich selbst ein Bild machen. Von Noemi Yoko Molitor.
Keep the Lights On

Keep the Lights On

Als 2012 Ira Sachs "Keep the Lights On" in die Kinos kam, war plötzlich von einer ‚Neuen Welle‘ im queeren Kino die Rede: Filme wie "Keep the Lights On", Andrew Haighs "Weekend", Dee Rees "Pariah" oder die Kurzfilme von Travis Mathews verschoben nachdrücklich den narrativen Fokus vom Coming-out zur Selbstbefragung, wie man als Nicht-Heterosexueller überhaupt heute lebt; sie alle wurden bestimmt von losen Erzählungen, genau komponierten Bilder und poetischen Freiräumen. Warum aber vor allem Sachs' New Yorker Liebesdrama ein wunderbares queeres Angebot ans Weltkino ist, hat André Wendler für sissy zusammengefasst.
The Delta

The Delta

„The Delta“, der Debütspielfilm von Ira Sachs („Keep The Lights On“), ist ein aufregendes und zu Unrecht lange ignoriertes Meisterwerk der queeren Filmgeschichte. 1996 war die erste Welle des New Queer Cinema mit ihren verstörenden und experimentellen Aids-Reaktions-Filmen verebbt und es gab eine Tendenz zum braven, lustigen, gesund aussehenden Mittelklasse-Kino. Dem gegenüber nahm sich diese schwule Fieberphantasie, in der ein armer kleiner reicher weißer Junge aus einer Südstaatenfamilie sich mit einem afroasiatischen Stricher auf eine Bootsfahrt begibt, als zu sperrig und infektiös aus – und wurde daraufhin in Quarantäne versetzt. B. Ruby Rich, die Erfinderin des New-Queer-Cinema-Begriffs, ist darüber bis heute sehr enttäuscht – für sie gehört „The Delta“ auf die ewigen Top-10-Liste der queeren Filme. Von Nikolaus Perneczky.
Little Men

Little Men

Sommer in Brooklyn. Der 13-jährige Jake zieht mit seinen Eltern in das Haus des verstorbenen Großvaters und freundet sich dort mit dem gleichalten Tony an, dessen Mutter eine Boutique im Erdgeschoss führt. Während ihre Eltern miteinander über die Immobilie in Konflikt geraten, erkunden Jake und Tony ihr Viertel und schmieden Pläne für die Zukunft. Bis die Gentrifizierung auch ihre Freundschaft bedroht. Ira Sachs hat nach „Keep the Lights on“ (2012) und „Love is strange“ (2014) wieder einen großen kleinen Film darüber gemacht, wie sich Entwicklungen in der Stadtstruktur New Yorks auf Freundschaften und Liebesbeziehungen auswirken. Von Toby Ashraf.
Liebmann

Liebmann

Ein Deutscher, der nicht herausrückt mit der Sprache, mietet sich im Norden Frankreichs ein, wo er von Männern und Frauen umschwärmt wird, die sich von seinem schlechten Französisch nicht in die Flucht schlagen lassen. Sie möchten, genau wie wir, seinem Geheimnis auf die Schliche kommen. Jules Herrmans Debütspielfilm „Liebmann“, in der Berlinale-Perspektive 2016 uraufgeführt, verwirrt kunstvoll, bleibt aber im großen Drama ausgesprochen léger. Von Jan Künemund.
Taekwondo

Taekwondo

Seit seinem zweiten Film „Ausente“, der 2011 den Teddy-Award der Berlinale gewann, gilt der Argentinier Marco Berger als einer der wichtigsten queeren Regisseure Südamerikas. Sein neuer Film „Taekwondo“ (Co-Regie: Martín Farina) ist eine hyper-maskuline Beobachtungsstudie eines vermeintlich rein heterosexuellen Kumpelurlaubs. Ein Wechselspiel aus Anspielungen und Auslassungen, homoerotischer Zeigefreude und zurückgenommener Narration, derben Macho-Sprüchen und heimlichen Blicken. Von Carsten Moll.
Der Ost-Komplex

Der Ost-Komplex

Stasi-Opfer, Schwul, Ostdeutsch, Über 40: Mario Rölligs Geschichte wird, je nach Kontext, mit jeweils anderen Schwerpunkten ins öffentliche Spiel gebracht. Jochen Hicks Annäherung rückt nichts zurecht und bringt keine falsche Ordnung in die Dynamik von Sich-Erzählen und Erzählt-Werden. Er zeigt vielmehr, zu welchen teils komischen, teils tragischen Effekten es führt, wenn Sender und Empfänger eines verfestigten Opferberichts unterschiedliche Agenden haben – und damit auch, wie verbissen die Diskurshoheit über die DDR-Geschichte immer noch verfolgt wird. Von Matthias Dell.
Teenage Kicks

Teenage Kicks

„Teenage Kicks“ erzählt von einer Jungsfreundschaft, die von gemeinsamer Flucht träumt und in Familientragödien stecken bleibt. Aber schnell entwickelt sich der Debütfilm von Craig Boreham zur aufregenden Odyssee eines erfahrungshungrigen Teenagers, der sich zwischendurch mehr erregende Räume öffnet, als er am Ende in bürgerlicher Absicht wieder schließen kann. Ein typischer Vertreter des jüngeren schwullesbischen Kinos aus Australien: deftig, offen, etwas grell und entschieden nach Intensitäten suchend. Und gesurft wird natürlich auch. Von Jan Künemund.
Brüder der Nacht

Brüder der Nacht

Mit großem Einfühlungsvermögen zeigt der österreichische Regisseur Patric Chiha in „Brüder der Nacht“ die harte Lebenswirklichkeit einer Gruppe bulgarischer Roma-Jungs in Wien, die sich als Stricher verdingen müssen, um zu überleben. Chiha durchbricht seinen dokumentarischen Ansatz dabei immer wieder mit Mitteln der künstlerischen Verfremdung, die nicht nur an die träumerischen Bilderwelten von Genet, Anger, Bidgood und Fassbinder erinnern, sondern den Figuren auch eine Bühne geben, auf der sie sich sicher fühlen und sie selbst sein können. Ein grell leuchtender und tief berührender Porträtfilm. Von Lukas Förster.