Boys Club

Toro

Toro

In der Welt von Toro und Victor wird nicht viel geredet, da sprechen die Körper. Sport, Sucht, Sex (solange er keinen Spaß macht) sind ihre Kommunikationsmittel. Die naiv erträumte bromoerotische Zukunft, in der gemeinsam geschwiegen werden kann, liegt außerhalb der Bilder, die in der Gegenwart von harten Gegensätzen geprägt sind. Martin Hawies zweiter Film, uraufgeführt in der Berlinale-Sektion Perspektive, ist ein kontrastreiches Genrestück, in dem es kein Grau und keinen Zwischenton gibt. Von Alexandra Seitz.
Esteros

Esteros

Papu Curottos Langfilmdebüt „Esteros“ ist eigentlich ein schwules Coming-out-Drama, wirkt aber zunächst wie ein Zombiefilm. Dabei erzählen der Regisseur und seine Drehbuchautorin Andi Nachon nur am Rande von schlurfenden Untoten. Ihrem Film mangelt es streckenweise schlicht an Lebendigkeit. Doch wer sich von dem anfänglichen Kleben an filmischen Konventionen nicht verschrecken lässt, wird mit unverhofften Wendungen belohnt – und mit schwelgerisch leichten Landschaftsimpressionen, die von einer Liebe erzählen, die dabei ist, sich zu befreien. Von Carsten Moll.
Auf den zweiten Blick

Auf den zweiten Blick

Eines Tages erhält der Grafikdesigner Dean eine E-Mail von seinem Ex-Freund Alex, von dem er 15 Jahre lang nichts gehört hat. Jetzt will Alex ihn wiedersehen. Nach einigem Zögern entscheidet sich Dean zu einem Treffen und lädt Alex in sein Ferienhaus nach Joshua Tree ein. Dort entflammt sofort die alte Leidenschaft, aber mit der Vertrautheit kommen auch die Zweifel von früher – und die Fragen nach den vielen Jahre dazwischen. Tim Kirkman („Loggerheads“) hat sich in seinem neuen Film auf ein hochemotionales Gedanken­experiment eingelassen – und spielt dabei gekonnt mit den visuellen Möglichkeiten des narrativen Kinos. Von Frank Brenner.
Freier Fall

Freier Fall

Tolle Neuigkeiten für alle Fans von „Freier Fall“: Die Pläne um die bereits mehrfach angekündigte Fortsetzung des Kultfilms über die Liebe zwischen zwei jungen Polizisten in der baden-württembergischen Provinz nehmen Fahrt auf! Am Wochenende startete die Produktionsfirma kurhaus production eine Crowdfunding-Kampagne für "Freier Fall 2", in dem Regisseur Stephan Lacant die Geschichte von Marc (Hanno Koffler) und Kay (Max Riemelt) nach dem Coming-out erzählen möchte. Funding-Ziel: satte 3 Millionen Euro. Wenn alles gut geht, kommt der Film Ende 2018 in die Kinos. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wirft sissy einen Blick zurück auf den ersten Teil, den es jetzt auch via Vimeo on Demand zu sehen gibt. Unser Autor Paul Schulz feierte "Freier Fall" 2013 als den wichtigsten schwulen deutschen Film seit "Sommersturm", weil ihm etwas gelingt, an dem die meisten anderen Filme scheitern: Er zeigt keine Klischees, sondern echte Figuren, die so sind wie du und ich.
Moonlight

Moonlight

Nun startet er endlich in den deutschen Kinos, der erste mit dem Oscar für den Besten Film des Jahres ausgezeichnete Spielfilm mit nicht-heterosexueller Geschichte. Es gibt so viel Buzz und Gerede über „Moonlight“, über Oscars jetzt nicht mehr „so white“, schwule vs. queere Hauptfigur, den vermeintlichen Gegenentwurf zum „La La Land“, den Siegeszug eines Films aus mehrfacher Minderheitenposition heraus, dass unserer Text lieber wieder auf den Film selbst schauen möchte – auf sein Material, seinen Fluss, seine konstanten Transformationen. Es werden hoffentlich sowieso alle ins Kino gehen und sich selbst ein Bild machen. Von Noemi Yoko Molitor.
Keep the Lights On

Keep the Lights On

Als 2012 Ira Sachs "Keep the Lights On" in die Kinos kam, war plötzlich von einer ‚Neuen Welle‘ im queeren Kino die Rede: Filme wie "Keep the Lights On", Andrew Haighs "Weekend", Dee Rees "Pariah" oder die Kurzfilme von Travis Mathews verschoben nachdrücklich den narrativen Fokus vom Coming-out zur Selbstbefragung, wie man als Nicht-Heterosexueller überhaupt heute lebt; sie alle wurden bestimmt von losen Erzählungen, genau komponierten Bilder und poetischen Freiräumen. Warum aber vor allem Sachs' New Yorker Liebesdrama ein wunderbares queeres Angebot ans Weltkino ist, hat André Wendler für sissy zusammengefasst.
The Delta

The Delta

„The Delta“, der Debütspielfilm von Ira Sachs („Keep The Lights On“), ist ein aufregendes und zu Unrecht lange ignoriertes Meisterwerk der queeren Filmgeschichte. 1996 war die erste Welle des New Queer Cinema mit ihren verstörenden und experimentellen Aids-Reaktions-Filmen verebbt und es gab eine Tendenz zum braven, lustigen, gesund aussehenden Mittelklasse-Kino. Dem gegenüber nahm sich diese schwule Fieberphantasie, in der ein armer kleiner reicher weißer Junge aus einer Südstaatenfamilie sich mit einem afroasiatischen Stricher auf eine Bootsfahrt begibt, als zu sperrig und infektiös aus – und wurde daraufhin in Quarantäne versetzt. B. Ruby Rich, die Erfinderin des New-Queer-Cinema-Begriffs, ist darüber bis heute sehr enttäuscht – für sie gehört „The Delta“ auf die ewigen Top-10-Liste der queeren Filme. Von Nikolaus Perneczky.
Little Men

Little Men

Sommer in Brooklyn. Der 13-jährige Jake zieht mit seinen Eltern in das Haus des verstorbenen Großvaters und freundet sich dort mit dem gleichalten Tony an, dessen Mutter eine Boutique im Erdgeschoss führt. Während ihre Eltern miteinander über die Immobilie in Konflikt geraten, erkunden Jake und Tony ihr Viertel und schmieden Pläne für die Zukunft. Bis die Gentrifizierung auch ihre Freundschaft bedroht. Ira Sachs hat nach „Keep the Lights on“ (2012) und „Love is strange“ (2014) wieder einen großen kleinen Film darüber gemacht, wie sich Entwicklungen in der Stadtstruktur New Yorks auf Freundschaften und Liebesbeziehungen auswirken. Von Toby Ashraf.
Liebmann

Liebmann

Ein Deutscher, der nicht herausrückt mit der Sprache, mietet sich im Norden Frankreichs ein, wo er von Männern und Frauen umschwärmt wird, die sich von seinem schlechten Französisch nicht in die Flucht schlagen lassen. Sie möchten, genau wie wir, seinem Geheimnis auf die Schliche kommen. Jules Herrmans Debütspielfilm „Liebmann“, in der Berlinale-Perspektive 2016 uraufgeführt, verwirrt kunstvoll, bleibt aber im großen Drama ausgesprochen léger. Von Jan Künemund.
Taekwondo

Taekwondo

Seit seinem zweiten Film „Ausente“, der 2011 den Teddy-Award der Berlinale gewann, gilt der Argentinier Marco Berger als einer der wichtigsten queeren Regisseure Südamerikas. Sein neuer Film „Taekwondo“ (Co-Regie: Martín Farina) ist eine hyper-maskuline Beobachtungsstudie eines vermeintlich rein heterosexuellen Kumpelurlaubs. Ein Wechselspiel aus Anspielungen und Auslassungen, homoerotischer Zeigefreude und zurückgenommener Narration, derben Macho-Sprüchen und heimlichen Blicken. Von Carsten Moll.