Auf DVD

Take Me for a Ride

Take Me for a Ride

Ein Lichtstrahl, der durch Baumkronen bricht; ein Sommerkleid, das im Wind weht; nackte Füße, die über feuchtes Laub wandern; das Rauschen des Meeres. Für ihr sinnlich-konzentriertes Coming-of-Age-Drama über zwei Einzelgängerinnen, die zu einem intimen Paar verschmelzen, findet die junge Regisseurin Micaela Rueda von Beginn an eine naturverbunden betörende Filmsprache. Die beiden Hauptdarstellerinnen Samanta Caicedo und María Juliana Rángel entwickeln die Beziehung zwischen Sara und Andrea ohne viele Worte, sondern mit zärtlichen Blicken, Küssen, Berührungen. Ein Film der leisen Zwischentöne und großen Empfindungen. Von Jessica Ellen.
Seashore

Seashore

Brasilien im Winter. Die Freunde Tomaz und Martin reisen in die Küstenstadt Porto Alegre, um dort Papiere für eine Familienerbschaft zu besorgen. Man merkt sofort: Die beiden kennen sich schon lange, haben eine besondere Vertrautheit, aber sind mittlerweile irgendwie voneinander entfremdet... In ihrem wunderbaren Debütfilm "Seashore", der soeben auf DVD erschienen ist, erzählen Marcio Reolon und Filipe Matzembacher vor einer sinnlich-spröden Strandkulisse und mit wenigen Dialogen von einer Reise, die zu einer allmählichen Wiederannäherung wird. Ihr Road Movie gerät durch seine authentisch agierenden Darsteller und einen bemerkenswerten Sinn für kleine Geste, Blicke und das Nicht-Ausgesprochene in natürliche Schwingung – und durch das politische Engagement, das ihm zu Grunde liegt. Von Toby Ashraf.
Esteros

Esteros

Papu Curottos Langfilmdebüt „Esteros“ ist eigentlich ein schwules Coming-out-Drama, wirkt aber zunächst wie ein Zombiefilm. Dabei erzählen der Regisseur und seine Drehbuchautorin Andi Nachon nur am Rande von schlurfenden Untoten. Ihrem Film mangelt es streckenweise schlicht an Lebendigkeit. Doch wer sich von dem anfänglichen Kleben an filmischen Konventionen nicht verschrecken lässt, wird mit unverhofften Wendungen belohnt – und mit schwelgerisch leichten Landschaftsimpressionen, die von einer Liebe erzählen, die dabei ist, sich zu befreien. Von Carsten Moll.
Auf den zweiten Blick

Auf den zweiten Blick

Eines Tages erhält der Grafikdesigner Dean eine E-Mail von seinem Ex-Freund Alex, von dem er 15 Jahre lang nichts gehört hat. Jetzt will Alex ihn wiedersehen. Nach einigem Zögern entscheidet sich Dean zu einem Treffen und lädt Alex in sein Ferienhaus nach Joshua Tree ein. Dort entflammt sofort die alte Leidenschaft, aber mit der Vertrautheit kommen auch die Zweifel von früher – und die Fragen nach den vielen Jahre dazwischen. Tim Kirkman („Loggerheads“) hat sich in seinem neuen Film auf ein hochemotionales Gedanken­experiment eingelassen – und spielt dabei gekonnt mit den visuellen Möglichkeiten des narrativen Kinos. Von Frank Brenner.
Mapplethorpe: Look at the Pictures

Mapplethorpe: Look at the Pictures

„Ich möchte eine Geschichte sein, die man sich nachts erzählt, in den Betten auf der ganzen Welt“, wünschte sich einst Robert Mapplethorpe (1947-1989), Enfant terrible der New Yorker Künstlerszene der 80er, erotomanischer Bilderästhet und Wegbereiter der Fotografie als Kunstform. Über 25 Jahre nach seinem frühen Aids-Tod gibt es nun einen ersten umfassenden Dokumentarfilm über sein skandalumwittertes Leben und seine bestechend schöne, berüchtigt kontroverse Fotokunst. Der Porträtfilm, den man sich jetzt auch auf DVD anschauen kann, zum Beispiel nachts im Bett, ist zwar inhaltlich vielschichtig, aber formal erstaunlich brav geraten. sissy begibt sich auf eine Passage – vorbei an schwulem SM-Sex und floralen Stillleben, Liebhaber-Akten und High-Society-Porträts. Von Matthias Frings.
Keep the Lights On

Keep the Lights On

Als 2012 Ira Sachs "Keep the Lights On" in die Kinos kam, war plötzlich von einer ‚Neuen Welle‘ im queeren Kino die Rede: Filme wie "Keep the Lights On", Andrew Haighs "Weekend", Dee Rees "Pariah" oder die Kurzfilme von Travis Mathews verschoben nachdrücklich den narrativen Fokus vom Coming-out zur Selbstbefragung, wie man als Nicht-Heterosexueller überhaupt heute lebt; sie alle wurden bestimmt von losen Erzählungen, genau komponierten Bilder und poetischen Freiräumen. Warum aber vor allem Sachs' New Yorker Liebesdrama ein wunderbares queeres Angebot ans Weltkino ist, hat André Wendler für sissy zusammengefasst.
Little Men

Little Men

Sommer in Brooklyn. Der 13-jährige Jake zieht mit seinen Eltern in das Haus des verstorbenen Großvaters und freundet sich dort mit dem gleichalten Tony an, dessen Mutter eine Boutique im Erdgeschoss führt. Während ihre Eltern miteinander über die Immobilie in Konflikt geraten, erkunden Jake und Tony ihr Viertel und schmieden Pläne für die Zukunft. Bis die Gentrifizierung auch ihre Freundschaft bedroht. Ira Sachs hat nach „Keep the Lights on“ (2012) und „Love is strange“ (2014) wieder einen großen kleinen Film darüber gemacht, wie sich Entwicklungen in der Stadtstruktur New Yorks auf Freundschaften und Liebesbeziehungen auswirken. Von Toby Ashraf.
King Cobra

King Cobra

Der neue Film von Justin Kelly („I Am Michael“) basiert auf der unfassbaren Geschichte des heute 30-jährigen Sean Paul Lockhart, a.k.a. Brent Corrigan, dem ersten schwulen Porno-Megastar des Online-Zeitalters, und seines Entdeckers Bryan Kocis, Chef von Cobra Video, der 2007 unter abstrusen Umständen ermordet wurde. Bei einem derart abseitigen und vor allem queer-relevanten Stoff darf in Hollywood James Franco nicht mehr fehlen, der „King Cobra“ produziert hat und darin zudem in der Rolle eines tobsüchtigen Ex-Escorts glänzt. Mit Christian Slater, Molly Ringwald, Alicia Silverstone und Garrett Clayton ist Kellys kühne Mischung aus trashigem Erotikthriller und entlarvender Porno-Satire aber auch ansonsten hochkarätig besetzt. Ein Film, der nicht nur Corrigan- und Franco-Fans in Erregung versetzen dürfte. Von Patrick Heidmann.
Departure

Departure

Andrew Steggall erzählt in seinem Regiedebüt "Departure", das im Dezember in der queerfilmnacht läuft, von einem Spätsommer in Südfrankreich, in dem eine Kindheit zu Ende geht und die Illusion der heilen bürgerlichen Familie zerbricht. Der britische Nachwuchsstar Alex Lawther, der bereits als junger Alan Turing in „The Imitation Game“ glänzte, spielt darin den Teenager Elliot: einen schriftstellerisch begabten Träumer, der beherzt nach einer Sehnsucht greift, die schon lange zuvor in der Luft lag. Ein märchenhaft melancholischer Film im Zeichen jugendlichen Aufbruchs. En garde! Von Matthias Frings.
The Blue Hour

The Blue Hour

Der eben auf DVD erschienene Film "The Blue Hour" der thailändischen Regisseurin Anucha Boonyawatana hält einige Überraschungen parat – nicht nur weil er ein (schwules) Thailand zeigt, das selbst der neugierige Tourist nur selten zu Gesicht bekommt, sondern vor allem weil das anfängliche Schmunzeln auf den Lippen über die süße Coming-out- und Liebesgeschichte bald einem vor Entsetzen weit geöffneten Mund weicht. Ein Cruising-, Liebes- und Coming-out-Film, die sich langsam aber sicher zu einem Geister- und Horrorfilm wandelt. Von Micha Schulze.