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Nobody’s Watching

Nobody’s Watching

In ihrem dritten Spielfilm erzählt Regisseurin Julia Solomonoff („Mein Sommer mit Mario“, 2009) von einem jungen schwulen Argentinier, der nach New York zieht, um dort als Schauspieler Fuß zu fassen. Eine fein beobachtete Studie darüber, wie ein bereits angebrochenes Herz am alltäglichen Rassismus und den wenig romantischen Lebensbedingungen in New York noch weiter zerbrechen kann. Von Paul Schulz.
Für dich soll’s ewig Rosen geben

Für dich soll’s ewig Rosen geben

Giulio und Claudio sind seit Ewigkeiten zusammen. Dass nicht nur Claudios Gesundheit Probleme bereitet, sondern das Paar auch in finanzielle Bedrängnis geraten ist, versucht Giulio so gut es geht vor seinem Partner zu verheimlichen. Doch als Giulios Tochter Valeria plötzlich mit Enkelsohn Marco auftaucht, droht das mühsam aufgebaute Lügengerüst in sich zusammenzufallen. Cesare Furesis Film ist eine ruhige, schön komponierte und fein besetzte Tragikomödie über eine lebenslange Liebe. Von Frank Brenner.
Der Moment: XXY

Der Moment: XXY

„Der MENSCH meines lebens bin ich.“ 1975 erschien „Häutungen“ von Verena Stefan. Der vielschichtige Roman über selbstbestimmte weibliche Sexualität wurde zum Klassiker der sogenannten „Neuen Frauenliteratur“ und ist bis heute ein internationaler Bestseller. Als die SISSY Verena Stefan 2011 bat, ihren Lieblingsmoment aus einem Film des queeren Kinos zu beschreiben, erhielt sie gleich mehrere, alle aus Lucía Puenzos „XXY“. Und, natürlich, ein Plädoyer für die Vieldeutigkeit. Nun ist Verena Stefan nach langer Krankheit gestorben. Mit der Wiederveröffentlichung ihres „Moments“ möchten wir an sie erinnern.
Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Am 20. September 1973 kommt es im Astrodome in Houston zu einem der größten Spektakel der Sportgeschichte: Billie Jean King, die Nummer 1 im Frauentennis, duelliert sich mit Bobby Riggs, einem abgehalfterten Wimbledon-Champion und notorischen Zocker. Das Match, das die Medien unter dem Titel „Battle of the Sexes“ zum Megaevent aufgebauscht haben, sehen über 90 Millionen live im Fernsehen. King gewinnt deutlich und wird für ihren Erfolg als Ikone der Frauenbewegung gefeiert. Gerüchte, Riggs habe absichtlich verloren, um seine Spielschulden zu begleichen, schmälern Kings Sieg nur unerheblich. „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ entwickelt aus dem spektakulären Geschlechterkampf auf dem Tennis-Court die persönliche Emanzipationsgeschichte von King, die mit der Gründung der noch heute maßgebenden WTA-Tour nicht nur das professionelle Damentennis fast im Alleingang erfand, sondern später auch eine der ersten offen lesbischen Profi-Sportlerinnen war. Das mit Stars (Emma Stone, Steve Carell, Alan Cumming) gespickte Biopic bietet eine hinreißende queere Liebesgeschichte und ist eine smarte Auseinandersetzung mit der zweiten Welle des Feminismus, hätte aber auch bei seinen Männerfiguren gerne etwas kritischer sein dürfen. Von Beatrice Behn.
Der Moment: Teorema

Der Moment: Teorema

Christoph Klimke, Jahrgang 1959, lebt als Schriftsteller und Dramaturg in Berlin. Zuletzt sind von ihm der Gedichtband "Fernweh" (2013) sowie ein langer biographischer Essay zum politisch-künstlerischen Engagement Pier Paolo Pasolinis erscheinen, "Dem Skandal ins Auge sehen" (2015). Auch Klimkes persönlicher filmischer Moment führt ins Werk des 1975 ermordeten italienischen Dichters und Filmemachers: zu "Teorema" (1968), Pasolinis visionärer Filmparabel über einen rätselhaften jungen Mann mit strahlend blauen Augen, der sämtlichen Mitgliedern einer Mailänder Industriellen-Familie die Köpfe verdreht.
Einen Freund zum Geburtstag

Einen Freund zum Geburtstag

Ohne Vorurteile und Besserwisserei bewegt sich Regisseur Stephen Cone mit seinem Ensemblefilm „Einen Freund zum Geburtstag“ in der Welt evangelikaler Bibelgruppen im US-amerikanischen Süden und schlägt aus den ideologischen Verengungen auf der einen und den explodierenden pubertären Bedürfnissen auf der anderen Seite dramatisches und oft auch komisches Potenzial. Ein Film über das Wachsen im Erwachsenwerden. Von Faraz Shariat.
Toro

Toro

In der Welt von Toro und Victor wird nicht viel geredet, da sprechen die Körper. Sport, Sucht, Sex (solange er keinen Spaß macht) sind ihre Kommunikationsmittel. Die naiv erträumte bromoerotische Zukunft, in der gemeinsam geschwiegen werden kann, liegt außerhalb der Bilder, die in der Gegenwart von harten Gegensätzen geprägt sind. Martin Hawies zweiter Film, uraufgeführt in der Berlinale-Sektion Perspektive, ist ein kontrastreiches Genrestück, in dem es kein Grau und keinen Zwischenton gibt. Von Alexandra Seitz.
Happy End

Happy End

Die Begegnung zweier unterschiedlicher Frauen an einem außergewöhnlichen Ort. Im Spielfilmdebüt von Petra Clever und der „sistas inspiration“ paaren sich Zufälle mit bewährten Rollenfiguren, die im Licht einer narrativen Offenbarung gen Ende doch in neuem Glanz erstrahlen. „Happy End“ ist ein lineares Roadmovie, das nachdenklich, reflektierend, lustig und traurig zugleich sein kann – und das bereits kurz nach seiner DVD-Erstveröffentlichung im Jahr 2014 zu einem lesbischen Liebesfilm-Klassiker avancierte. Von Aileen Pinkert.
Brüder der Nacht

Brüder der Nacht

Mit großem Einfühlungsvermögen zeigt der österreichische Regisseur Patric Chiha in „Brüder der Nacht“ die harte Lebenswirklichkeit einer Gruppe bulgarischer Roma-Jungs in Wien, die sich als Stricher verdingen müssen, um zu überleben. Chiha durchbricht seinen dokumentarischen Ansatz dabei immer wieder mit Mitteln der künstlerischen Verfremdung, die nicht nur an die träumerischen Bilderwelten von Genet, Anger, Bidgood und Fassbinder erinnern, sondern den Figuren auch eine Bühne geben, auf der sie sich sicher fühlen und sie selbst sein können. Ein grell leuchtender und tief berührender Porträtfilm. Von Lukas Foerster.
Alle Farben des Lebens

Alle Farben des Lebens

„Alle Farben des Lebens“ von Gaby Dellal ist Drama und Komödie. Er verspricht, ein Coming-Of-Age-Film über den Transjungen Ray zu sein (der englische Originaltitel lautet „About Ray“), will aber gleichzeitig – so verrät es wiederum der Arbeitstitel „Three Generations“ – eine Familienchronik über drei Generationen erzählen. Am Ende geht es immer weniger um Ray und immer mehr um eine erzählerisch nicht aufgelöste Idee von Zweigeschlechtlichkeit. Von Noemi Yoko Molitor.